Der MareMundi „Betriebsausflug“ ins Ungewisse

Ein Bericht unserer Praktikantin Katharina von ihrer Zeit auf der MareMundi Feldstation Schule am Meer / Krk

Hallo,

ich bin Katharina Osthoff, 23 Jahre alt und studiere in Hamburg Biologie. Ich habe mich schon immer sehr für Meeresbiologie interessiert und mit MareMundi die perfekte Chance gefunden, einen Einblick in diesen Bereich zu bekommen.

Die Arbeit mit den Schulklassen macht unglaublich viel Spaß und bereits nach wenigen Tagen konnte ich etliche Tier- und Pflanzenarten bestimmen, wodurch jeder Schnorchelgang nochmals viel interessanter wurde.

Auch in unserer Freizeit am Wochenende ließen wir es uns nicht nehmen, zu schnorcheln oder als MareMundi Team gemeinsam etwas zu unternehmen. So beschlossen wir eines Tages, wandern zu gehen. Die Rucksäcke wurden gepackt mit viel Wasser, genug Knabberkram und natürlich Schnorchel-Equipment, falls sich uns die Gelegenheit bieten sollte, irgendwo ins Wasser zu springen.

Startpunkt war eine kleine Kirche namens Sveti Ivan in Baška. Als Ziel hatten wir uns die Bucht Vela Luka vorgenommen. Die Landkarte zeigte einen Wanderweg an der Küste entlang und einen weiteren über das beeindruckende Hochplateau Mjesec, für welchen wir uns entschieden.

Plato Mjesec / Foto Alexander Heidenbauer

Mjesec: steht im Kroatischen für Mond und beschreibt damit die hügeligen und felsigen Landschaften des Hochplateaus. Sie werden schon seit langer Zeit für Viehhaltung (Schafe) genutzt und beherbergen auch giftige Tiere, wie die Hornviper und die schwarze Witwe, wovor man sich als Wanderer in Acht nehmen sollte.

Um dort hinaufzugelangen, begannen wir unseren Aufstieg direkt von der Kirche aus durch einen trockenen Pinienwald.

Pinienwald bei Baška, / Foto: Alexander Heidenbauer

Pinus nigra: kommt im nördlichen Mittelmeerraum vor und gehört zu der Familie der Kieferngewächse. Sie gilt als sehr dürre- und krankheitsresistent. Sie ist an der Küste sowie in Höhen von 2000m vorzufinden und kann bis zu 800 Jahre alt werden. Sie hat sehr geringe Ansprüche an die Bodenqualität und hat dadurch einen großen Vorteil anderen Arten gegenüber. Oft bildet sie Mischbestände mit den ebenfalls auf Kroatien vorkommenden Arten Steineiche (Quercus ilex) und Flaumeiche (Quercus pubescens) sowie Hartlaubgewächsen.   

Etwa eine ¾ Stunde später erreichten wir kurz vor dem Waldrand einen Wegweiser mit mehreren Wanderzielen.

Wegweiser vorm Hochplateau in Baška / Foto: Alexander Heidenbauer

Vela Luka war jedoch nicht dabei. Daher gingen wir vorerst weiter in Richtung des Plateaus. Der Wald endete in einer geraden Linie und direkt dahinter erstreckte sich das atemberaubende Hochplateau. Es war jetzt schon ein beeindruckender Ausblick und uns wurde schnell deutlich, dass der Karst der Grund für die Mondlandschaft des Mjesec ist.

Karst Gestein auf dem Hochplateau in Baška / Foto: Alexander Heidenbauer

Karst: Geländeformen in leicht wasserlöslichem Karbonatgestein, die vorwiegend durch unterirdische Wasserzirkulationen oder Klimaeinflüsse, wie Wind, entstehen. Dabei wird das Kalziumkarbonat aufgelöst, welches die ober- wie unterirdischen Karstformen erzeugt. In Küstenregionen ist es üblich, dass die Karstformen, wie Höhlen oder Dolinen, unterirdisch anzufinden sind. Karst in höheren Regionen, wie auf einem Plateau, äußert sich in Form von vielen losen Steinen und Felsen, sodass der Boden meist kaum erkennbar ist. Außerdem kann man Karst noch in nackten (ohne Bewuchs) und bedeckten (mit Bewuchs) Karst einteilen.  Karst ist häufig um das Mittelmeer sowie Südostasien und Südchina vorzufinden.

Nach kurzer Zeit gelangten wir an einen weiteren Wegweiser, an dem erneut keines der Schilder zu unserer Bucht zeigte – wir hatten uns wohl verirrt. Nach kurzer Beratung und Konsultierung des Internets beschlossen wir, querfeldein zu laufen um auf einen anderen Weg zu stoßen, der direkt nach Vela Luka führen sollte. Wir machten uns dabei kleine Trampelpfade von Schafsherden zunutze, welche dort auf dem Hochplateau gehalten wurden.

Mitarbeiter von MareMundi beim Wandern / Foto: Alexander Heidenbauer

Schnell wurde uns jedoch bewusst, dass diese Wege zwar für Schafe, nicht aber für Menschen geeignet sind und die 3km Entfernung zum beabsichtigten Wanderweg in unserem Tempo sehr viel Zeit beanspruchen würden. Zudem konnten wir nicht wissen, ob es in dieser verkarsteten Mondlandschaft nicht auf einmal eine Schlucht zu überqueren gäbe oder es durch die vielen Dornenbüsche unpassierbar werden würde. Obwohl nicht alle im Team richtig fit und noch von alten Verletzungen geprägt waren, entschlossen wir uns trotzdem einstimmig, das Risiko einzugehen. Die Abenteuerlust hatte uns gepackt und so oft kommt man ja auch nicht in diese Gegend.

Auf unserem Weg begegneten wir mehreren Gottesanbeterinnen, welche sich entweder an Grashalmen festhielten oder auf Steinen saßen.

Mantis religiosa, Nymphe / Foto: Alexander Heidenbauer

Mantis religiosa: die Gottesanbeterin gehört zur Ordnung der Fangschrecken. Weibchen werden bis zu 8cm groß und Männchen etwa 2cm. Sie kommen an sonnigen, trockenen Orten mit halbhoher Vegetation vor, wie Trockenwiesen oder in Sträuchern. Sie sind tagaktiv und können ihre Farbe an die Umgebung anpassen, indem sie nach ihren Häutungen eine grüne oder eine braune Farbe annehmen, um auf Gräsern oder auf Ästen besser getarnt zu sein. Die Vorderbeine sind zu Fangbeinen umgebildet und besitzen Dornen zum Festhalten der Beute. Die so entstandene Armhaltung ähnelt der des Betens, wodurch sie ihren Namen bekam. Bei der Begattung besteigt das Männchen das Weibchen zur Befruchtung. Es ist nicht unüblich, dass das Weibchen dem Männchen nach der Begattung den Kopf abbeißt.  Die 100 bis 200 Eier werden nach der Befruchtung zusammen in einer Oothek abgelegt. Dies ist ein Gelege in einer schnell härtenden Schaummasse, in der sie überwintern, bis sie im Frühjahr schlüpfen. Junge Gottesanbeterinnen werden auch Nymphe genannt und durchziehen sich mehreren Häutungen, bevor sie zum ausgewachsenen Tier (Images) heranwachsen und somit auch geschlechtsreif sind.

Die Umgebung wurde immer wilder und verwachsener und wir kamen an vielen Trockenbaumauern vorbei.

Trockenbaumauer auf dem Hochplateau bei Baška / Foto: Alexander Heidenbauer

Mrgari: gehören zu der Volksarchitektur in Kroatien und stellen Schafszäune aus Trockenmauern in Blumenform dar. Sie dienen zum Sammeln und Sortieren von Schafen. Ihre Bauweise ohne jegliche Festigungsmaterialien erfordert regelmäßige Erneuerung. Nicht kontrollierte Mauern drohen leicht einzustürzen, weswegen man sich als Wanderer nie auf solche stützen oder an ihnen festhalten sollte.

siehe zB hier
https://www.zenadventures.net/mrgari

Aufgrund von tatsächlich an unserem Weg auftretenden Abhängen und unzähligen Dornenbüschen mussten wir mehrere Kratzer und Schürfwunden auf uns nehmen. Doch der Ausblick hat sich mehr als gelohnt! Und als wir endlich auf den eigentlichen Wanderweg trafen war die Erleichterung groß und wir konnten den restlichen Weg mit einer atemberaubenden Aussicht genießen.
Nach etwa 4 Stunden waren wir in der Bucht von Vela Luka angekommen und hatten uns unsere mitgebrachten Knabbereien wahrlich verdient.

Vela Luka; Krk; Kroatien / Foto: Alexander Heidenbauer

Vela Luka: ist eine 1,8km lange und 400m breite Wildbucht. Sie ist die südliche Bucht der doppelten Halbinsel Sokol. Nördlich von ihr liegt die Bucht Mala Luka. In der Nähe findet man Überreste der römischen Siedlung Corinthia und die Ruine einer Kirche namens Sv. Nikola.

MareMundi Team in der Bucht Vela Luka / Foto Alexander Heidenbauer

Die Bucht kann nur über Wanderwege oder mit einem Boot erreicht werden. Da es schon recht spät war und wir erschöpft waren, entschieden wir uns für ein Taxiboot. Dieses brachte uns innerhalb kürzester Zeit im restlichen Licht der bereits untergegangenen Sonne zurück nach Baška, von wo aus wir unseren Heimweg antraten.

Damit endete unser schöner Wanderausflug!

Text: Katharina Osthoff

Redaktion: Dr. Walter Buchinger, Helmut Wipplinger