Feldstation Plakias 2019 – Ein Bericht unserer Magdalena („Leni“) Reitbauer

Die Sommersaison auf Kreta ist vorbei, deshalb möchten wir die Gelegenheit nutzen, um einen kurzen Rückblick auf eine erfolgreiche Saison 2019 in Plakias zu werfen.

Dieses Jahr wurde Christina von zwei Neuankömmlingen – Helena und Leni – unterstützt, wodurch sich unser meeresbiologisches Team verstärken konnte.  Zusammen arbeiten wir Meeresbiologinnen für die MareMundi Feldstation in Kooperation mit der Tauchschule Dive2gether auf Kreta.

Voller Motivation starteten wir in die Saison und führten eine Müllsammelaktion mit der lokalen Schule durch. Ziel war es dabei, die lokale Bevölkerung auf aktuelle Themen, wie die Verschmutzung der Meere durch Makro- und Mikroplastik aufmerksam zu machen.

In der Grundschule in Plakias hielt Christina für die jungen SchülerInnen einen anschaulichen Vortrag zu diesem Thema.

Anschließend fand die Müllsammelaktion am Strand von Plakias statt, während wir Biologinnen auch tauchend die Küste absuchten. Am Ende wurde der gesammelte Müll am Strand platziert und anschließend von Studenten der Universität in Rethymno quantifiziert und entsorgt.

MareMundi Beach Cleaning gemeinsam mit den Kindern der Schule Plakias

 

Den Großteil der Saison verbringen wir als Tauchführerinnen in der Tauchschule, wobei wir auch zweimal wöchentlich meeresbiologische Präsentationen für Gäste und andere Interessierte abhalten. Somit haben wir die Möglichkeit, den Gästen die Artenvielfalt unter wie über Wasser zu zeigen und Wissenswertes über die Flora und Fauna Kretas zu vermitteln. Diese kostenlosen Präsentationen sollen ein umweltfreundliches Bewusstsein schaffen und gleichzeitig die Augen für die wunderbare Welt des Mittelmeers öffnen. Themen die hierbei behandelt werden sind die verschiedenen Ökosysteme Sandböden und Seegras, aber auch sessile Organismen und Plankton.  Auch zur zunehmenden Bedrohung des Mittelmeers durch invasive Arten, wie beispielsweise dem Rotfeuerfisch, der als sog. „Lessepscher Migrant“ durch den Sues-Kanal vom Roten Meer eingewandert ist, gibt es eine Präsentation.

Die zahlreich besuchten Vorträge ermöglichen es, auf einer populärwissenschaftlichen Basis Zugang für begeisterte TaucherInnen zu schaffen und tragen dazu bei, dass diese dem Ökosystem respektvoll gegenübertreten.

Meeresbiologische MareMundi Präsentation für Gäste und andere Interessierte vor der dive2gether Tauchbasis

 

In regelmäßigen Abständen entnehmen wir außerdem Wasserproben, um für einen längerfristigen Zeitraum Veränderungen der abiotischen Bedingungen dokumentieren zu können. Hierbei werden pH-Wert, Salinität, Sauerstoffgehalt und Temperatur des Wassers bestimmt und in einer Datenbank gesammelt. Das diesbezügliche Untersuchungsgerät wurde uns im Vorjahr von MARUBIS (Mariner Arten- und Biotopschutz e.V.) zur Verfügung gestellt.

Untersuchung von Wasserproben zur Dokumentation längerfristiger Veränderungen des Meerwassers

 

Wie schon erwähnt, werden ins Mittelmeer eingewanderte Arten der lokalen Fauna und Flora zum Verhängnis, weshalb wir auch während unserer Tauchgänge Fischzählungen  vornehmen, um die Ausbreitung dieser Alien-Arten im Auge zu behalten.

Im September fand ein zweiwöchiger Kurs mit einer Studentengruppe aus den Universitäten Ulm, Hannover und Hildesheim statt.

Das MareMundi Meeresbiologinnen Team mit einer Studentengruppe und unserem Präsidenten Robert Hofrichter

Zu diversen meeresbiologischen Themen wurden Vorträge von uns, wie auch von Robert Hofrichter, dem Meeresbiologen und Präsidenten von MareMundi, gehalten. Je nach Themengebiet wurden auch Proben mit den StudentInnen gesammelt und anschließend in unserem Labor unter die Lupe genommen.

Mikroskopieren in unserer Feldstation

 

Zum Abschluss jedes Themas wurde eine Ausstellung vorbereitet, um die verschiedenen Organismengruppen genauer kennen zu lernen. Am Ende des Kurses wurden Vorträge über die unterschiedlichen Ökosysteme von Plakias gehalten, wobei die StudentInnen ihre gesammelten Daten präsentierten.

 

Zu guter Letzt wurde mit einem großen Barbecue, wo unterschiedlichste Spezialitäten vorbereitet wurden (darunter auch ein Rotfeuerfischgericht), ein erfolgreicher Kurs gefeiert. TaucherInnen, StudentInnen und das Team haben sich zusammengetan und bis spät in die Nacht Erinnerungen geteilt, gelacht und getanzt. Hände wurden geschüttelt und Pläne für einen weiteren Kurs fürs nächste Jahr besprochen.

Für ein Tänzchen am Abend mit Robert muss auch Zeit sein

 

Ein weiterer Erfolg der Feldstation ist die Vergabe von zwei Bachelorarbeiten an Studenten der Uni Hildesheim. Eine bezieht sich auf die Verhaltensweisen des Rotfeuerfisches, die andere auf dessen Verbreitung.

siehe Link:
MareMundi Stipendium 2019

Einen wichtigen Beitrag dazu leistete der Gründer von Project Manaia, Manuel Marinelli. Neben seiner Unterstützung als Bootskapitän für die Tauchschule, steuerte er auch seine Unterwasser-Drohne durch die Buchten rund um Plakias.  Aufnahmen von bis zu 70 Metern Tiefe  können wichtige Informationen über die Biodiversität in taucherisch schwer zugänglichen Gegenden liefern und somit einen besseren Überblick über die Ökosysteme der Region schaffen.

Bei all den vielfältigen Dingen, die wir diesen Sommer auf Kreta erlebt haben, gilt es nicht zu vergessen, dass die Mehrheit der Daten, die hier gesammelt werden, einem langfristigen Ziel dienen – der Errichtung eines Naturschutzgebietes. Auch unsere Vorträge und andere bewusstseinsbildende Aktionen sollen die Aufmerksamkeit, sowohl der Touristen, wie auch der Einheimischen wecken und eine zunehmende Orientierung Richtung Ökotourismus bewirken.

Alles in Allem, können wir drei zufrieden auf eine erfolgreiche Saison 2019 zurückblicken und behaupten, dass wir in den vergangenen Monaten unserem Ziel einen kleinen Schritt näher gekommen sind. Wir hoffen, diesen Trend auch für die nächsten Jahre beibehalten zu können!

 

 

Bericht: Magdalena Reitbauer

Redaktion: Dr. Walter Buchinger

Bearbeitung und Layout: Stefan Haardt