Prionace glauca

Blauhai, Prionace glauca: Eine bei der Fischereiindustrie beliebte Spezies zum “Ernten” der Haiflossen.
Foto: Helmut Wipplinger

Unterschriftenlisten und heutzutage meinst Onlinepetitionen gibt es viele, auch zum Thema Natur- und Meeresschutz, das Engagement der Initiatoren ist hoch, aber die Wirkung in der Praxis leider oft nicht.

Eine völlig andere Dimension ist eine Europäischen Bürgerinitiative. Falls diese die nötige Unterstützung erhält muss sie bei einer öffentlichen Anhörung im Europäischen Parlament behandelt werden. Die EU Kommission ist verpflichtet innerhalb von drei Monaten eine Antwort über die weitere Vorgangsweisen zu geben. Dies führt im besten Fall zu einer entsprechenden Gesetzesänderung. Bei einer Ablehnung muss diese entsprechend ausführlich begründet werden.

Was ist Finning?

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und dem massiven Wohlstandsanstieg in China in den letzten Jahrzehnten ist der Bedarf an Haiflossen extrem angestiegen. Die Flossen werden zur Herstellung der Haifischflossensuppe benötigt. Diese Suppe wurde schon zu Zeiten der chinesischen kaiserlichen Dynastien speziell für die kaiserliche Familie zubereitet. Daher hat sie für die sehr traditionsbewusste chinesische Bevölkerung auch heute noch einen hohen prestigeträchtigen Stellenwert. Heutzutage wird die Haifischflossensuppe zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Geschäftsessen und Banketten angeboten.

Traditionell werden der Haifischflossensuppe in China viele positive medizinische Wirkungen nachgesagt, unter anderem auch Potenz steigernde Wirkungen bei Männern. Moderne wissenschaftlich medizinische Untersuchungen ergeben aber genau das Gegenteil. Durch die hohe Konzentration an Giftstoffen, die sich über die Nahrungsketten bei Haien als Top Prädatoren ansammeln, gilt Haifleisch als sehr ungesund, u.a. durch den hohen Methylquecksilbergehalt auch mit sehr negativen Auswirkungen auf die männliche Potenz.

Haifischflossen

Haiflossen werden für den Weiterverkauf getrocknet.
Foto Wikipedia Commons: Cloneofsnake https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16937587

Shark-Finning (auch Hai-Finning, kurz Finning) bezeichnet das Abtrennen der Flossen (Fins) bei Haien und die anschließende Entsorgung der Haie im Meer. Die Haie werden dafür normalerweise nicht getötet, sie sind danach jedoch schwimmunfähig und sinken zu Boden, wo sie durch Ersticken verenden oder von anderen Lebewesen gefressen werden.

Das Gewicht der verwertbaren Flossen entspricht nur ca. 4% des Gesamtgewichtes eines Haies. Dafür sind sie im Vergleich zum für den Menschen eher minderwertigen Haifleisch unvergleichlich wertvoll, daher werden die restlichen ca. 96% des Haikörpers gleich wieder entsorgt und zurück ins Meer geworfen.

Haiflossensuppe

Heutzutage wird die Haifischflossensuppe zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Geschäftsessen und Banketten angeboten. Die Flossen selbst sind eigentlich völlig geschmacklos, der Geschmack wir nur durch die Gewürzzutaten erzeugt.
Foto Wikipedia Commons: Andrew Fung https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6516688

Was fordert die Europäischen Bürgerinitiative „Stop Finning“?

Obwohl das Abtrennen von Flossen an Bord von EU-Schiffen und in EU-Gewässern verboten ist und Haie mit Flossen angelandet werden müssen, gehört die EU zu den größten Exporteuren von Flossen und ist ein bedeutender Transitknotenpunkt für den weltweiten Handel mit Flossen.

Die EU ist ein wichtiger Akteur beim Haifischfang, und da auf See nur wenige Inspektionen stattfinden, werden Flossen weiterhin illegal zurückbehalten, umgeladen oder in der EU angelandet.

Die EU Bürgerinitiative „Stop Finning“ will den Handel mit Flossen in der EU beenden, einschließlich der Ein-, Aus- und Durchfuhr von Flossen, die sich nicht am Körper des Tiers befinden.

Da das Abtrennen der Flossen („Finning“) wirksame Erhaltungsmaßnahmen für Haie verhindert, beantragen wir, die Verordnung (EU) Nr. 605/2013 auch auf den Handel mit Flossen auszudehnen und fordern die Kommission daher auf, eine neue Verordnung zu erarbeiten, mit der das Kriterium der „natürlich am Körper vorhandenen Flossen“ auf den gesamten Handel mit Haien und Rochen in der EU ausgeweitet wird.

Das große Hindernis bei der Umsetzung der Europäischen Bürgerinitiative „Stop Finning“ ist die hohe benötigte Anzahl von Unterstützungsbekundungen. Insgesamt mindestens eine Million Unterzeichner, entsprechend einem Schlüssel aufgeteilt auf die EU-Länder, sind dafür notwendig. Jede Stimme ist wichtig, die Initiative läuft noch bis 31. Juli 2021.

Daher unterstützt MareMundi gemeinsam mit über 40 anderen europäischen Meeresschutzorganisationen die Europäischen Bürgerinitiative „Stop Finning“.

#stopFinningEU

www.stop-finning.eu

weitere Informationen und Quellenverweise

offizielle Website der Europäischen Union

hier geht es direkt zur Unterzeichnung der Europäischen Bürgerinitiative



Bericht und
Redaktion: Helmut Wipplinger

Fotos: Helmut Wipplinger und Wikipedia Commons