Karibischer Riffkrake (Octopus briareus), Antillen / Foto: Mareike de Breuyn

Seeungeheuer, Genie, Gauner, empfindsames Wesen – ein Medienstar mit vielen Gesichtern.

Kraken sind allgegenwärtig. Ob in Reklame, Filmen, auf Kleidung und Home Dekor, oder sogar als Plüschtier für die Kleinen (und Großen). Aber wie konnten die Tiere, die früher als dämonische Riesenkraken dargestellt wurden, eine solche Popularität erlangen? Kraken (Octopoda) gehören zu den Tintenfischen (Coleoidea) und werden auch Oktopus genannt. „Octo“ ist griechisch und bedeutet acht, während „pous“ für Fuß steht. Also in etwa ein „Achtfüßler“. Bekannt sind Kraken neben der acht Arme, dem blauen Blut und drei Herzen außerdem für ihre neun Gehirne. Ein zentrales Gehirn steuert das Nervensystem. Zusätzlich befindet sich in jedem der acht Arme ein kleines Gehirn, welches ein unabhängiges Handeln der einzelnen Arme ermöglicht. Man könnte also fast sagen, die Arme haben ihren eigenen Willen. Sensoren erlauben es den Kraken sogar mit ihren Armen zu tasten, zu riechen und zu schmecken.

Seeungeheuer

Jeder kennt sie: die legendären Geschichten des Seemannsgarns. Gewaltige Kraken, die aus dem Nichts Schiffe und ihre Besatzung angreifen und sie in die Tiefen der Meere ziehen. Bekannte Seeungeheuer wie der Riesenkraken in „Fluch der Karibik“ basieren genau auf diesen alten Seefahrtslegenden. Ein Vorbild der mythischen Seeungeheuer könnte laut Wissenschaft der Riesenkalmar sein, dessen zehn Arme ausgestreckt jeweils bis zu 10m lang sein können. Auf jeden Fall nimmt die Tiefseeforschung nach und nach die Angst vor dem Unbekannten. Und obwohl es in der Tiefsee noch viel zu entdecken gibt, sind dämonische Monster, die Schiffe angreifen, bisher noch unentdeckt…

Genie

Neben ihrer Rolle als Seeungeheuer machten Kraken immer wieder Schlagzeilen mit ihrer bemerkenswerten Intelligenz. Sie können unter anderem lernen sich in Labyrinthen zurecht zu finden, Gläser aufschrauben, um an Futter zu gelangen, und sich selbst aus Containern befreien. Kraken können außerdem Werkzeuge benutzen. Der Ader-Oktopus Amphioctopus marginatus sammelt zum Beispiel Muschel- und Kokosnusschalen als tragbare Unterkunft, während kleine Individuen der gewöhnlichen Riesenkrake Tremoctopus violaceus sich mit Tentakeln der Portugiesischen Galeere Physalia physalis bewaffnen. Sie selbst sind gegen das starke Gift der Tentakel immun, ihre Feinde und Beutetiere allerdings nicht.

Gauner

Herumstreunende Kraken in Aquarien, die nachts benachbarte Becken heimsuchen und plündern, sind nichts neues. Auch als Entkommenskünstler sind Kraken sehr gut bekannt. Weitere Vergehen von Kraken in Aquarien hängen mit einem eher ungewöhnlichen Verhalten zusammen. Kraken können scheinbar Individuen außerhalb ihrer eigenen Art erkennen und verhalten sich durchaus unterschiedlich gegenüber einzelnen Personen. Scientific American berichtete von einem Kraken, der ohne ersichtlichen Grund eine Abneigung gegen einen Mitarbeiter entwickelte. Bei jeder Begegnung wurde die Person also mit einem heimtückischen Wasserstrahl vertrieben. Im gleichen Labor machten sich besonders aufmüpfige Kraken ein Spiel daraus, Glühbirnen mit ihrem Wasserstrahl zu treffen. Tatsächlich führte dies zu mehreren Kurzschlüssen und die Übeltäter mussten freigelassen werden. Vor ein paar Jahren kursierten in den Medien zur allgemeinen Belustigung dann auch noch Videos von Kraken, die als Bullys aus reiner Bosheit oder Langeweile den ein oder anderen Fisch boxten (nachzusehen auf Youtube).

Empfindsames Wesen

Und wenn Kraken bis dahin noch nicht mit ihrer schlauen und frechen Art überzeugt hatten, dann gewannen sie an Popularität nach der Veröffentlichung der Dokumentation „Mein Lehrer, der Krake“. In dieser großartigen Unterwasser-Dokumentation sieht man wie der Regisseur bei täglichen Tauchgängen im südafrikanischen Algenwald sich einem weiblichen Kraken annimmt. Nach ersten scheuen Annäherungen wird sie seine Begleiterin und schließlich entsteht eine beeindruckende Freundschaft zwischen Mensch und diesem so intelligenten und empfindsamen Wesen – dem Kraken.



Bericht: Mareike de Breuyn
Fachliche Beratung: Wolfgang Slany
Redaktion: Julian Robin