Dr. Rouven Metternich, Teammitglied bei MareMundi, nimmt uns mit auf eine Reise von den Anfängen des Lebens bis in die Welt, die wir heute kennen. Wie entstehen komplexe Gebilde wie das menschliche Auge?

Dr. Rouven Marian Metternich studierte Biologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz am Rhein, wo er auch im Jahre 2017 im Fachbereich Genetik promovierte. Während seines Studiums publizierte er bereits seine Arbeiten in namenhaften Fachzeitschriften und beschäftigte sich schon seit seiner frühen Kindheit mit dem Thema Evolution. In seinem Buch „Panta Rhei – Eine Reise auf dem Fluss der Evolution“ bietet das MareMundi Teammitglied einige tiefe und sehr anschauliche Einblicke in den aktuellen Stand der Wissenschaft zu diesem Themenkreis.

Im ersten Abschnitt nimmt uns Rouven zu den Grundlagen des Lebens und dessen Entwicklung mit:  Alles über Gene, DNS, RNS und neben vielen anderen Aspekten auch den epigenetischen Faktor. Nach diesem Teil des Buches hat man schon ein wesentlich besseres Verständnis davon, wie Evolution funktioniert.

Der zweite Teil des Buches beschreibt den Beginn des Lebens auf unserem Planeten und führt uns auf der abenteuerlichen Reise auf dem Fluss der Evolution – durch die Erdzeitalter bis in die heutige Zeit.  An vielen Beispielen erklärt Rouven wie sich Lebewesen weiterentwickelt konnten.

Aus dem Buch:
„…Ein Schritt hin zu einem besseren Verständnis der Evolution ist meiner Meinung nach der Weg über bildliche Darstellungen. Beispielsweise das Bild von einem durch die „Zeit” fließenden Strom, der ausgehend von seiner Quelle seine Fließgeschwindigkeit aus verschiedenen Kräften speist. Eine dieser Kräfte ist die klassische, von Darwin im Groben beschriebene natürliche Selektion durch Mutation. Aber es gibt noch viele andere Kräfte, welche die Fließgeschwindigkeit dieses Stroms beeinflussen können, zum Beispiel Viren, nicht codierende DNS – Abschnitte wie Introns, Genduplikationen oder die Epigenetik. Obwohl man erst seit kurzer Zeit von diesen Prozessen und Akteuren weiß, kann man die Evolution aus heutiger Sicht ohne sie nicht mehr vollständig verstehen. Denn jegliche evolutive Veränderung eines Organismus, als Anpassung an seine Umwelt, die wir mit unseren Augen wahrnehmen können, egal ob es die Entwicklung des aufrechten Gangs von Mitgliedern der Art Homo sapiens ist oder das Auftreten von Schnäbeln bei Vögeln, sie alle gehen auf Veränderungen der genetischen Information zurück. Das Bild eines Flusses, der ausgehend von seiner Quelle immer weiter fließt und dabei stetig neue Seitenarme ausbildet, die sich ebenfalls weiter zu immer kleineren Flüssen verästeln, beschreibt das Wesen der Evolution recht gut. Auch die Evolution des Lebens auf der Erde ging von einem Punkt aus, der als Quelle allen Lebens verstanden werden kann, und floss von diesem Punkt an wie ein Fluss durch die Zeit. Auf ihrem Weg verästelte sich die Evolution immer weiter und schuf so stetig neue Arten, die sich ihrerseits zu neuen Arten und Unterarten weiterentwickelten oder einfach ausstarben. So wie ein Fluss sehr ruhige Abschnitte aufweist, in denen das Wasser durch ein breites sandiges Flussbett treibt, verlief auch die Evolution immer mal wieder sehr ruhig, ohne größere Veränderungen, die über das Hintergrundrauschen hinausgingen. Doch diese ruhigen Abschnitte wechselten sich immer wieder mit wilden Stromschnellen und tosenden Wasserfällen ab, in denen, im Zeitraffer der Evolution gesehen, in sehr kurzen Zeiträumen bahnbrechende Veränderungen stattfanden…“

Überaus interessant und auch spannend sind die Ausflüge in die verschiedenen Perioden der Entwicklungsgeschichte. Hier erlebt man aus der Perspektive eines in dieser Zeit lebenden Tieres hautnah zum Beispiel die Welt des Ordoviziums.

Zum Abschluss möchten wir noch einmal Rouven mit einem Auszug aus seinem Buch zu Wort kommen lassen:

„…Doch was hat mich dazu veranlasst, dieses Buch zu schreiben? Es war nicht der Mangel an Büchern zum Thema Evolution, sondern der Fakt, dass viele Bücher sich nur mit bestimmten Teilgebieten innerhalb der Evolutionsbiologie beschäftigen, wodurch meiner Meinung nach das große Ganze verloren geht. Viele dieser Bücher richten sich zudem vor allem an ein Fachpublikum und sind teilweise nicht mal für interessierte Laien verständlich geschrieben. Mit diesem Buch möchte ich versuchen, diese in der ersten Linie sprachliche Barriere zu überwinden. Schließlich wählt man durch die Sprache, die man nutzt, auch gleichzeitig, ob bewusst oder unbewusst, sein Publikum aus. Es ist schade, dass die faszinierendsten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse den meisten Menschen nicht zugänglich sind und das nur, weil sie in einer Sprache geschrieben werden, die einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm entspringt. …“

Panta Rhei – Eine Reise auf dem Fluss der Evolution von Rouven Marian Metternich

wbg Academic, Darmstadt. ISBN 978-3-534-40627-2

https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/41857/panta-rhei



Bericht: Helmut Wipplinger
Redaktion: Christina Widmann, Helmut Wipplinger
Fotos: wbg Academic, Rouven Metternich