(von unserem Korrespondenten und Teammitglied Prvi Travanj auf der Insel Krk)

Seit vielen Jahren bemühen wir – das MareMundi-Team – uns  um Forschung, Bildung und Schutz im Mittelmeer, in den letzten Jahren vor allem in der nördlichen Adria, in der sogenannten Kvarner Bucht.

Und hier – fast direkt „vor der Haustür“ unseres Instituts auf Krk, gibt es eine ganz besondere Meerenge. Zwischen den Inseln Plavnik und Cres befindet sich der Krušija-Meereskanal – mit 125 Metern die tiefste Stelle der gesamten nördlichen Adria. Vor Jahren fotografierte unser Freund Güni dort einen Sechskiemerhai (Hexanchus griseus), alljährlich tauchen hier im Frühjahr Riesenhaie (Cetorhinus maximus) auf, und ganz früher – noch vor 100 Jahren – gehörte auch der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) hier praktisch zum Alltag.

Die Begeisterung unseres Wissenschaftler- und Taucherteams für diese Region ist entsprechend groß. Und so haben wir vor bald fünf Jahren beschlossen, einen weiteren Schritt zu setzen, dazu der MareMundi Gründer Dr. Robert Hofrichter: „Mit dem Projekt GoDeep wollen wir diesen besonderen Meeresabschnitt auch in den größeren Tiefen genauer erforschen.  Das Ziel von GoDeep ist es, wissenschaftliche Grundlagen zu schaffen, die als weitere Argumente für unser großes Schutzziel dienen – die Initiative mpa4Kvarner: ein Meeresschutzgebiet für die Kvarner Bucht.“
Doch nun passierte etwas, mit dem niemand rechnen konnte. Unsere Spezialtaucher Chris (Chris Hölzl) und sein Buddy, die mit ihrem Spezialequipment  mühelos in 150 m Tiefe tauchen und stundenlang unter Wasser bleiben können, entdeckten plötzlich einen Höhleneingang am Fuße eines kleinen Seamounts in 97m Tiefe. Die Erforschung dieses Seamounts (unser interner Name SM1) war schon länger geplant, bisher war das aber aufgrund starker Strömungen noch nicht möglich. SM1 – eigentlich eher ein „Seahill“ – hat seinen Gipfel in einer Tiefe von 58m und steht recht exponiert auf ca. 100m, in der relativ flachen Tiefenebene des Krušijakanals.

Die Entdeckung der Höhle war im ersten Moment nicht weiter verblüffend, denn Höhlen gibt es an dieser felsigen Küste viele. Doch mit jedem Meter, den sie tiefer in das unterirdische System vordrangen, wuchs die Verwunderung unseres Taucherteams. Sie tauchten weiter und weiter, und gleichzeitig tiefer und tiefer. Die mysteriöse Höhle schien überhaupt kein Ende zu haben. Es ging einfach immer weiter – hunderte Meter, oder, wie sie zu vermuten begannen, sogar Kilometer.

Wir befassen uns an unserem Institut intensiv mit Oktopussen. Eine eigene Arbeitsgruppe, angeführt von Prof. Wolfgang Slany, versucht die Geheimnisse der hohen Intelligenz dieser Tiere zu entschlüsseln. Doch was Chris und Günther erblickten, raubte ihnen den Atem. Zuerst glaubten sie, irgendein alter Schlauch liege da unten, ein Abwasserrohr vielleicht. Doch der Schlauch, der irgendwo in der Dunkelheit endete, begann sich zu bewegen. Und dann dämmerte es ihnen, als sie die tellergroßen Saugnäpfe erblickten. Es konnte nur … es konnte nur ein riesiger … Oktopus sein!

Aber das war doch nicht möglich. Allein ein einziger Arm schien mindestens zehn oder fünfzehn Meter lang zu sein. Aufgeregt leuchteten die Taucher tiefer in die Dunkelheit hinein – und plötzlich reflektierten gigantische Augen ihr Lampenlicht zurück. Augen, wie sie kein Mensch je zuvor gesehen hatte. Der erste Vergleich, der Chris einfiel, als er versuchte seine Gedanken zu ordnen, war ein UFO. Die ganze Situation schien nicht von dieser Welt zu sein und erinnerte an die Abenteuerromane von Jules Verne.

Später gaben die beiden Freunde zu, dass sie es in jenem ersten Moment mit der Angst zu tun bekamen. Das war kein normales Tier – das war ein Monster! Doch dann streckte der Kopffüßer mehrere seiner Tentakel den Tauchern entgegen. Die tellergroßen Saugnäpfe berührten sie geradezu zärtlich, und sie spürten intuitiv, dass das Tier keine bösen Absichten hegte. Ganz im Gegenteil: Es schien sie irgendwie – sie konnten es nicht genau beschreiben – noch tiefer in die Höhle locken zu wollen.

Einige Minuten später nahmen sie ihren ganzen Mut zusammen und folgten den Tentakeln. Wie riesige Satellitenschüsseln nahmen die Augen immer konkretere Konturen an. Meter für Meter schoben sie sich näher an das Tier heran, und erst dann bemerkten sie, dass es auf einem Haufen hauste – auf vielen Kisten, von denen manche aufgebrochen waren, andere aber noch intakt. Im Licht der starken Lampen glänzte es am Meeresgrund überall. Chris griff nach einem der Stücke – und es schien eine Goldmünze zu sein. Überall lagen sie herum, zu Hunderten, zu Tausenden. Dazu größere Gegenstände aus purem Gold, besetzt mit Edelsteinen.

Die Aufregung forderte ihren Tribut und ein Aufstieg von mehreren Stunden erwartete sie. Die beiden Taucher waren sich einig: Diesen Tag würden sie niemals vergessen.

Zurück im Institut informierten wir sofort die Behörden. Die Verblüffung, die ohnehin kaum noch zu steigern war, erfuhr daraufhin noch einen gewaltigen Schub. Denn in den folgenden zwei Tagen stellte sich in der Kommunikation mit den Behörden heraus, dass unsere Kollegen einen seit Langem gesuchten Goldschatz aus römischer Zeit entdeckt hatten. Im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius hatte sich hier bei Krk im Jahre 49 vor Christus eine dramatische Seeschlacht abgespielt. Viele Schiffe sanken damals auf den Grund.

Und das Tier? Wie alt mochte es wohl sein? Oktopusse leben normalerweise nur ein bis zwei Jahre, das ist genetisch vorprogrammiert. MareMundi Vizepräsident Dr. Max Wagner dazu: „Möglicherweise hat eine Mutation diesen DAN-Mechanismus ausgeschaltet? War dieses sonderbare Wesen womöglich Jahrhunderte alt?“

Die Höhe eines Finderlohns muss erst nach einer möglichen Hebung der Schatzes ermittelt werden, aber er wird ganz sicher beträchtlich sein. MareMundi Präsident Helmut Wipplinger: „Damit würden sich alle finanziellen Probleme unserer Organisation in Luft auflösen. Endlich ein eigenes Institutsgebäude, für das wir keine Miete zahlen und bei dem wir nicht um Mietvertragsverlängerungen zittern müssen. Vielleicht ginge sich sogar ein eigenes großes MareMundi-Forschungsschiff aus, ähnlich der OceanXplorer – das wäre der absolute Traum und würde unseren Zielen völlig neue Größenordnungen eröffnen.“



Bericht: Prvi Travanj
Redaktion: Robert Hofrichter & Helmut Wipplinger

Veröffentlicht am 1. April 2026