
Da unser Beitrag und Sondernewsletter zum 1. April „Unfassbare Entdeckung in der Nordadria durch MareMundi“ zu so erfreulich vielen begeisterten Reaktionen geführt hat, möchten wir uns zunächst bei allen entschuldigen, die uns „auf den Leim gegangen sind“, und die Geschichte hiermit um einen ehrlichen Faktencheck ergänzen.
hier nachzulesen unser Beitrag zum 1. April:
Unfassbare Entdeckung in der Nordadria durch MareMundi
Unser Korrespondent und Teammitglied Prvi Travanj
Für Menschen, denen die kroatische Sprache geläufig ist, dürfte ab hier schon alles klar sein, denn Prvi Travanj heißt auf Kroatisch Erster April – Prvi ist der Erste und Travanj ist das kroatische Wort für den Monat April. Es leitet sich vom kroatischen Wort trava (Gras) ab und bezeichnet die Zeit des beginnenden Graswachstums im Frühling.
Der Krušija-Meereskanal
Der Krušija-Kanal ist mit 125 Metern tatsächlich die tiefste Stelle der gesamten Nordadria und bildet das Schwerpunktgebiet unseres Forschungsprojekts GoDeep. Die Ergebnisse dieses Projekts sollen die Argumentation für ein Meeresschutzgebiet in der Kvarner Bucht stärken – unsere Initiative mpa4Kvarner. Auch die Haisichtungen haben tatsächlich stattgefunden.
Der Seamount SM1 und die Höhle
Ob es den Seamount SM1 tatsächlich gibt, ist noch nicht geklärt. Auf der Sonarkarte ist er eindeutig ersichtlich, aber bisher wurden genauere Untersuchungen – ob durch unsere Taucher oder mit unserem Unterwasserroboter (ROV) – wegen der dort oft heftigen Strömung vereitelt. Die Entdeckung der Höhle ist daher eine reine Erfindung für den 1. April. Ganz allgemein aber gilt: Meereshöhlen gibt es in der Region tatsächlich und in ausreichender Zahl.
Ein Riesenoktopus
Tatsächlich befassen wir uns – unter der Leitung von Wolfgang (Prof. Wolfgang Slany) – sehr intensiv mit den kognitiven Fähigkeiten von Oktopoden, meist mit dem Gemeinen Kraken (Octopus vulgaris), der hier oft vorkommt. Diese Tiere können eine Gesamtlänge (Arme plus Mantel) von nicht mehr als einem Meter erreichen. Die größte bekannte Oktopusart ist der Nordpazifische Riesenkrake. Er kann eine Armspannweite von bis zu 6 Metern erreichen und dabei ein Gewicht von 50 bis 70 kg auf die Waage bringen, kommt aber im Mittelmeer nicht vor. Der limitierende Faktor für die Größe von Oktopoden dürfte tatsächlich ihre kurze Lebensspanne von 1–2 Jahren sein. Oktopusse waren in der Region einst sehr häufig, auch „riesige“ Exemplare von 1,5 m. Ein Meeresschutzgebiet (MPA) würde der Population sehr guttun. Was übrigens stimmt: Oktopusse sammeln alle erdenklichen Gegenstände aus ihrer Umgebung auf, um damit ihre Behausungen zu stabilisieren und auszubauen.
Eine Seeschlacht und ein römischer Goldschatz
Tatsächlich fand während des Bürgerkrieges zwischen Julius Caesar und Pompeius (Gnaeus Pompeius Magnus) im Jahr 49 v. Chr. bei Krk eine große Seeschlacht statt, bei der Caesars Flotte eine schwere Niederlage erlitt. Der Ort der Schlacht war aber nicht der Krušija-Meereskanal, sondern die Meerenge zwischen der Insel Krk und dem Festland – genau dort, wo heute die große Krk-Brücke diesen Bereich überspannt. Von einem Goldschatz, der dabei eine Rolle gespielt hätte, wissen die Historiker allerdings nichts; das ist ein reines Produkt unserer Fantasie.
Tiefe Tauchgänge mit Kreislauf-Tauchgeräten
Unser Tauchteam verwendet Kreislauf-Tauchgeräte, mit denen sichere Tauchgänge jenseits der 100 m möglich sind. Im Gegensatz zum klassischen Tauchen mit Pressluft, bei dem die verbrauchte Luft ins Wasser ausgeatmet wird, wird bei sogenannten CCR – Closed Circuit Rebreather – die Luft (oder korrekter: das Atemgas) im Kreislauf geführt und wiederverwendet. Das CO₂ wird herausgefiltert und eine elektronische Steuereinheit überwacht kontinuierlich den Sauerstoffgehalt und regelt bei Bedarf nach. Ergänzt wird das System durch ein sogenanntes Diluent-Gas (Verdünnungsgas), das den Sauerstoff auf eine atembare Konzentration verdünnt und das Volumen im Atemkreislauf reguliert. CCR-Geräte ermöglichen deutlich längere Tauchzeiten, da das Atemgas wiederverwendet wird und kaum Gas verbraucht wird. Durch den Einsatz eines speziellen Diluents – einer Mischung aus Sauerstoff, Stickstoff und Helium – können wesentlich größere Tiefen sicher erreicht werden, ohne den gefährlichen Tiefenrausch zu riskieren. Da keine Blasen ins Wasser entweichen, ist das Tauchen deutlich leiser – ein großer Vorteil für die Unterwasserfotografie und die Beobachtung von Meereslebewesen. Zudem ist das Atemgas im Kreislauf wärmer und feuchter, was die Belastung für Atemwege und Körper bei langen Tauchgängen reduziert.
Wir hoffen, dass wir euch mit unserer Geschichte amüsiert haben und euch mit diesen Ergänzungen auch einiges Wissenswertes vermitteln konnten. Vielleicht auch eine kleine Übung, gerade in der heutigen Zeit: Man darf nicht alles glauben, was man so liest.
Robert & Helmut (die Ghostwriter von Teammitglied Prvi Travanj)
Bericht und Redaktion: Helmut Wipplinger
Foto: KI
Veröffentlicht am 3.. April 2026
