Die Kunststoffverschmutzung zählt zu den größten Umweltproblemen der Meere weltweit. Schätzungsweise 19 Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in marine Ökosysteme, wobei Kunststoff inzwischen rund 75 % des Meeresmülls ausmacht. Da Plastik nicht biologisch abgebaut wird, verbleibt es über Jahrhunderte in der Umwelt. Eine PET-Flasche benötigt beispielsweise etwa 450 Jahre zur Zersetzung. Dabei verschwindet sie nicht, sondern zerfällt durch UV-Strahlung sowie die Einwirkung von Wind und Wellen zu immer kleineren Partikeln. Das entstehende Mikroplastik reichert sich in marinen Nahrungsketten an und belastet Ökosysteme sowie zunehmend auch den Menschen. Maßnahmen zur Müllvermeidung und zur Entfernung bereits vorhandener Kunststoffabfälle gewinnen deswegen zunehmend an Bedeutung.
Vor dem Hintergrund des „Environmental Protection Day“ am 23. Mai unterstützte MareMundi die NGO Obala naših unuka („Die Küste unserer Enkelkinder“), die regelmäßig Strandreinigungsaktionen auf der Insel Krk organisiert. Ab 16 Uhr standen alle Freiwilligen mit recycelten Müllsäcken und Handschuhen am Strand von Zala bereit. Parallel fanden Reinigungsaktionen in Stara Baška, Vrbnik und Omišalj statt, sodass insgesamt acht Strände entlang der Küste von Punat gesäubert wurden. Begleitet wurde die Aktion von Musik des Trios Živa Voda und weiterer lokaler Musiker. Trotz der düsteren Thematik sorgte das Musikprogramm am Strand von Zala für eine positive Atmosphäre und hielt die Motivation der freiwilligen Helfer hoch, sodass das Müllsammeln zu einer angenehmen und gemeinschaftlichen Tätigkeit wurde. Die 27 Freiwilligen wurden dabei tatkräftig vom MareMundi-Team unterstützt.

Am Infostand von Obala naših unuka konnten sich Interessierte über deren Recyclingprojekt informieren, während MareMundi über die Auswirkungen von Zigarettenstummeln und Mikroplastik auf marine Ökosysteme aufklärte. Dabei wurde deutlich, dass Kunststoffverschmutzung ein komplexes Problem ist, das sich nicht allein durch Reinigung an Stränden lösen lässt. Recycling stößt dabei an strukturelle Grenzen: Unterschiedliche
Kunststoffarten müssen sortenrein getrennt werden, während UV-Strahlung, Salz und mechanische Belastung im Meer die Materialqualität deutlich reduzieren. Das Team von Obala naših unuka leistet hier wichtige Arbeit, indem sie geborgenes Meeresplastik aufbereitet und in Produkte wie Sammelboxen und Schlüsselanhänger umwandelt. Die Wiederverwertung bleibt jedoch anspruchsvoll, weshalb die Produkte derzeit aus etwa 70 % recyceltem und 30 % neuem
Kunststoff bestehen. Parallel dazu werden neue Design- und Konstruktionsansätze entwickelt, um Stabilität auch bei höherem Recyclinganteil zu gewährleisten.
Gleichzeitig zeigt sich, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen. Entscheidend sind vor allem Abfallvermeidung, funktionierende Entsorgungssysteme und der Schutz sensibler Küstenräume. Dazu zählen insbesondere die Reduktion von Einwegplastik, der Ausbau von Mehrwegsystemen sowie eine verbesserte Abfalltrennung und Rücknahmelogistik. In Küstenregionen spielen zudem Aufklärungsarbeit im Tourismus, strengere Regelungen für Kunststoffprodukte sowie der Schutz und die konsequente Überwachung sensibler Meeresräume eine wichtige Rolle.

Beach-Cleanups bleiben dabei ein zentraler Bestandteil des praktischen Umweltschutzes: Sie entfernen Müll unmittelbar aus der Natur, verhindern dessen weiteren Zerfall zu Mikroplastik. Gleichzeitig tragen sie wesentlich zur Sensibilisierung bei, da sie die Problematik greifbar machen und stärkt das Umweltbewusstsein bei Teilnehmenden und in der Öffentlichkeit.

Quellen:

WWF: Das kann kein Meer mehr schlucken: Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll
WWF Faktenblatt Plastikmüll

mdr: Zwischen Nationalpark und Adria: Giftmüllskandal in Kroatien

Stubenrauch, J., Garske, B. & Ekardt, F. Kunststoffe in Meeren und Böden:
Regulierungsansätze im Wasser-, Naturschutz-, Bodenschutz- und Agrarrecht – Teil 1
NuR 42, 395–402 (2020). Link



Bericht: Astrid Klöss
Redaktion: Helmut Wipplinger
Fotos: Felix Rossbach

Veröffentlicht am 26.6.2026