Frühlingssaison 2026 auf Krk, Auf dem Weg zum ersten Schnorcheln / Foto: Jessica Högermeyer

Auf dem Weg zum ersten Schnorcheln / Foto: Jessica Högermeyer

Schwarze Fische ziehen über dunklen Grund. Sonnenstrahlen bahnen sich in die Tiefe. Ein Flossenschlag im Blau. Luftblasen steigen auf. Kurz darauf taucht Jess, eine der Kursleiterinnen, auf und zeigt einer Gruppe Schüler:innen einen Haarstern. Zehn rote Arme mit unzähligen Härchen winden sich im klaren Wasser. Es wird nicht das letzte Meerestier sein, das jungen Menschen, die sonst nicht am Meer leben, seine eigentümliche Schönheit präsentieren kann. Die Frühlingssaison bei MareMundi ist in vollem Gang.

Frühlingssaison 2026 auf Krk, Auf dem Weg zum ersten Schnorcheln / Foto: Jessica Högermeyer

Schnorcheln in Stara Baška / Foto: Rachel Lazar

Vor sechs Wochen sind wir aus Nord- und Mitteldeutschland, aus Österreich und der Schweiz angereist, um uns hier im kleinen Ort Punat erstmals zu treffen. Als Frühlingsteam für den Kursbetrieb auf Krk sind wir seitdem beinahe täglich im Wasser. Die ersten Schüler:innen haben wir nach unseren Vorbereitungstagen in der letzten Aprilwoche an der Nordadria begrüßt. Seitdem begleiten wir wöchentlich wechselnde Klassen bei ihren teils ersten Schnorchelerfahrungen. Schüler:innen zwischen 12 und 18 Jahren von zehn österreichischen Schulen sowie Studierende der LMU München haben dieses Jahr bereits an unserem Kursprogramm teilgenommen und mit uns die Lebensräume des Mittelmeers erkundet.

Ein besonderer Teil der Kurse sind die Bootsfahrten: Wind streift übers Wasser und lässt kleine Wellen tanzen. Unser rotes Boot durchpflügt sie geduldig. Wir packen uns in lange Kleidung. Im April und im Mai ist es in der Kvarner Bucht noch kühl. Plötzlich neigt sich die Košljun von Kapitän Toni. Eine Gruppe Delfine springt unweit von uns wieder und wieder aus dem Wasser. Wir lehnen uns an die Reling und freuen uns über diesen erhabenen Moment. Wenig später wechseln wir alle die Bootsseite und beobachten die Gänsegeier an den Felswänden der unbewohnten Insel Plavnik. Dort werden wir gleich anlegen und schnorcheln.

Oktopus vulgaris mit Serranus hepatus / Foto: Marla Dohrn

Oktopus vulgaris mit Serranus hepatus / Foto: Marla Dohrn

Beim Schnorcheln begegnen wir gemeinsam mit den Schüler:innen einer Vielzahl von Meereslebewesen. Sobald die Berührungsängste zu Seeigel und Seegurke abgebaut sind, streicheln wir die verschiedenen Stachelhäuter. Wir halten etwas mehr Abstand zu den giftigen Drachenköpfen, schwimmen mit Sepien, winken Brassen, Lippfischen und Knurrhähnen zu, lugen in die eine oder andere Oktopushöhle, sind immerzu auf der Suche nach kunterbunten Meeresschnecken und selbst zwei Seepferdchen wurden in diesen Wochen schon gesichtet. Außerdem sind wir auch an Land unterwegs: Wir befühlen Flaum- und Steineichen. Den Raupen des Zürgelbaumfalters schauen wir beim Verpuppen zu. Taranteln blicken uns mit acht Augen aus ihren Wohnlöchern entgegen. Schlangen schlängeln neben unseren Wegen. Ein Skorpion reist irrtümlicherweise mit der Badekleidung einer Lehrerin von Plavnik nach Punat. Und ein übereifriger Lehrer hätte wohl lieber seine Finger von einem Italienischen Taschenkrebs gelassen. Wir versorgen ihn mit Pflastern.

Es gehe um das Gefühl, das die Kinder von diesen Tagen mitnehmen, sagt die Lehrerin einer Mittelschule. Ihre Schüler:innen sind mitunter das erste Mal am Meer. Wir können vieles über das Meer und seine Bewohner erzählen, aber letztlich schützt man vielleicht vor allem das, was man kennen und lieben gelernt hat. Deswegen wollen wir gemeinsam das Meer erleben. Wir tauchen ab und staunen. Sechs Kurswochen liegen noch vor uns.



Bericht: Yannick Voithofer
Redaktion: Heiko Gothe
Fotos: Rachel Lazar, Marla Dohrn, Jessica Högermeyer

Veröffentlicht am 06.06.2026