Was ist Seegras?
Seegräser gehören zu den Blütenpflanzen. Im Unterschied zu Algen bilden sie echte Wurzeln, Sprossachsen, Blätter, Blüten und Samen aus. Seegras ist näher mit den Landpflanzen verwandt als mit den Algen! Die Sprossachse des Seegrases wächst kriechend am Boden entlang und bildet eine Struktur, die man „Rhizom“ nennt. Darunter ist es mit Wurzeln fest im Sediment verankert.
Durch ihre weit verzweigten Rhizome können Seegräser große Unterwasserwiesen bilden. Zwischen Spanien und Zypern fanden Wissenschaftler eine Wiese, die sich über eine Strecke von mehr als 3.000km erstreckt, und in Teilen über 200.000 Jahre alt ist!
Achtung – Verwechslungsgefahr!
Seegras wird häufig mit Seetang verwechselt. Beim Seetang handelt es sich allerdings um Algen, die mit einer Haftscheibe am Meeresgrund festgewachsen sind (Abb. 1).

Seegraspflanze mit echten Wurzeln, horizontalen Verzweigungen, und Blättern (links), sowie typische Alge ohne diese Pflanzenmerkmale (rechts) / Grafik: Felix I. Roßbach mit Unterstützung von KI
Wo findet man Seegraswiesen?
Seegräser sind vom Sonnenlicht abhängig, um Photosynthese betreiben zu können. Mit Ausnahme der Antarktis findet man sie sonst weltweit in flachen Küstenregionen, in geschützten Buchten im Salzwasser und Brackwasser.
Die meisten Seegraswiesen befinden sich schon in wenigen Metern Tiefe. In sehr klaren Gewässern, wo das Sonnenlicht besonders weit ins Meer eindringen kann, wachsen Seegräser auch tiefer als 70 Meter unterhalb der Wasseroberfläche.
Wichtige Funktionen von Seegraswiesen
Seegraswiesen sind ökologisch von größter Bedeutung. Sie wirken als CO2-Senken und nehmen sogar mehr CO2 aus der Luft auf als die Regenwälder der Erde. Aus dem aufgenommenen CO2 produzieren Seegraswiesen große Mengen an Sauerstoff für das gesamte Meeresökosystem und uns Menschen. Der Kohlenstoff wird außerdem in den langen Rhizomen gespeichert und so aus der Atmosphäre aus der Luft entfernt, was der Klimakatastrophe entgegenwirkt (Abb. 2). Man nennt Seegraswiesen deshalb auch „die Lungen der Meere“.

Abbildung 2: Seegraspflanzen binden durch Ihr Wurzelsystem große Mengen CO2 langfristig im Meeresgrund / Grafik: Felix I. Roßbach mit Unterstützung von KI
Zudem halten sie das Wasser sauber, indem sie Nährstoffe und organische Partikel aus dem Wasser filtern. Diese kleinen Teilchen dienen als Nahrungsquelle für viele Kleinstlebewesen, die die Seegrasblätter bewohnen. Aufgewirbeltes Sediment kann sich auch am verzweigten Rhizomsystem ablagern. Die Sedimentablagerungen sorgen außerdem dafür, dass die Wellenenergie abgeschwächt wird, und schützen Küstenregionen vor hohen Wellen, Stürmen und Erosion.
Seegraswiesen sind wahre Hotspots der Biodiversität: Neben den Kleinstorganismen auf den Blättern der Seegräser verstecken sich zahlreiche Jungfische zwischen den Halmen. Von Oktopoden über Krebstiere bis hin zu Seeigeln, Meeressäugern und Vögeln finden zahlreiche Arten hier Nahrung, Schutz und Lebensraum.
Gefährdung
In den letzten Jahren sind große Flächen an Seegraswiesen durch menschliches Handeln verloren gegangen. Durch unverantwortliche Bootsführung, Anker, Bootsschrauben und Schleppnetzfischerei werden Seegraswiesen zerstört. Die steigende Meerestemperatur, eine höhere Konzentration an Nährstoffen im Wasser sowie verschmutzte Küsten sind ebenfalls große Stressfaktoren für Seegraswiesen.
Auch durch invasive Tier- und Algenarten können Seegraswiesen leiden, da diese das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen und das Seegras verdrängen oder abweiden.
Der Verlust von Seegraswiesen ist eine große Gefahr für die marine Biodiversität und die Gesundheit der Ozeane, weshalb dem Schutz und der Renaturierung dieser Ökosysteme in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zukommen soll.
Was kannst DU tun, um Seegraswiesen zu helfen?
🙋♀️ Du kannst Seegraswiesen auch dann helfen, wenn du gar nicht am Meer bist!
Ein erster Schritt kann sein, dass Du Bewusstsein für die besonderen Funktionen und ökologische Bedeutung von Seegraswiesen bei anderen Menschen schaffst.
💙 Wenn Du im Meer auf Seegraswiesen triffst, ist es wichtig, dass du vorsichtig mit ihnen umgehst und verantwortungsvoll handelst.
💪 Eine Teilnahme an Citizen Science-Projekten ist ebenfalls ein Weg, um die Seegraswiesen zu unterstützen!
Das Ziel dieser Projekte ist es, dass viele Menschen zusammenhelfen, um Seegraswiesen zu kartieren, ihren Zustand zu analysieren oder sogar Unterwasser-Stecklinge anpflanzen.
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Hast du gewusst, dass…
… Seegräser wahrscheinlich vor etwa 100 Millionen Jahren aus den Landpflanzen entstanden und vom Land wieder ins Meer gewandert sind❓
… es heute ungefähr 72 Seegrasarten in 4 verschiedenen Großgruppen auf der Erde gibt❓
… man sehr große Seegraswiesen sogar vom Weltall aus erkennen kann, wenn man auf die Erde hinunterblickt❓
… Seegraswiesen gefährdet sind und weltweit jede Stunde eine Fläche an Seegraswiese verloren geht, die circa zwei Fußballfeldern entspricht❓
Citizen Science Projekt für ein Meeresschutzgebiet in der Adria – mpa4kvarner.org
Mehr zum Thema in unserem Blog:
Text: Dr. Felix Ivo Roßbach
Infografik: Zoë Kornfeld / Grafiken: Felix Ivo Roßbach mit Unterstützung von KI
Redaktion: Heiko Gothe
Veröffentlicht am 08.01.2026
