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das_mittelmeer:ueberfischung:raubbau_am_oekosystem_meer

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das_mittelmeer:ueberfischung:raubbau_am_oekosystem_meer [2015/09/01 16:36]
jakob angelegt
das_mittelmeer:ueberfischung:raubbau_am_oekosystem_meer [2015/09/04 13:15] (aktuell)
jakob
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 Noch vor einigen Jahrzehnten hielten manche Experten den Fischreichtum der Meere für unerschöpflich. 500 Millionen, ja sogar eine Milliarde Tonnen jährlich sollte das Meer auf Dauer hergeben. Im Rekordjahr 1996 brachten Fischer aber weltweit bloß 87,1 Millionen Tonnen an Land, und das nach einer 30-jährigen Periode zwischen 1950 und 1980 mit einem jährlichen Zuwachs von sechs Prozent. Bereits 1997 ging es mit den Fangmengen um eine Million Tonnen nach unten. Dass die Nachfrage nach Fischen, Krebsen und Mollusken dennoch weiterhin befriedigt werden kann, liegt an den steigenden Erträgen der Aqua- bzw. Marikultur (weltweiter Ertrag gegen Ende der neunziger Jahre: etwa 10 Millionen Tonnen, Tendenz steigend). Die optimistische Meinung mancher Fisch- bzw. Fischereiexperten hat sich als Illusion entpuppt: Die zeitlich unbeschränkte,​ grenzenlose Ausbeutung mariner Ressourcen ist ein Trugbild. Noch vor einigen Jahrzehnten hielten manche Experten den Fischreichtum der Meere für unerschöpflich. 500 Millionen, ja sogar eine Milliarde Tonnen jährlich sollte das Meer auf Dauer hergeben. Im Rekordjahr 1996 brachten Fischer aber weltweit bloß 87,1 Millionen Tonnen an Land, und das nach einer 30-jährigen Periode zwischen 1950 und 1980 mit einem jährlichen Zuwachs von sechs Prozent. Bereits 1997 ging es mit den Fangmengen um eine Million Tonnen nach unten. Dass die Nachfrage nach Fischen, Krebsen und Mollusken dennoch weiterhin befriedigt werden kann, liegt an den steigenden Erträgen der Aqua- bzw. Marikultur (weltweiter Ertrag gegen Ende der neunziger Jahre: etwa 10 Millionen Tonnen, Tendenz steigend). Die optimistische Meinung mancher Fisch- bzw. Fischereiexperten hat sich als Illusion entpuppt: Die zeitlich unbeschränkte,​ grenzenlose Ausbeutung mariner Ressourcen ist ein Trugbild.
  
-Die Seefischerei macht ihr Hauptgeschäft mit einem engen Spektrum von Arten. Von den etwa 200 wirtschaftlich wichtigen Spezies machen nur sechs ein Viertel des Gesamtfangs aus. Dazu gehören in europäischen Gewässern der Atlantische Hering (Clupea harengus) und die Makrele (Scomber scombrus). Tunfisch und Schwertfisch ​(Abb. 10.2) sind ebenfalls stark überfischt. Zwei Aspekte der industriellen Fischerei machen die Wurzeln des Übels besonders deutlich. Erstens: Die ausgebeuteten marinen Ressourcen dienen bei weitem nicht nur der Ernährung des Menschen. Noch bis 1994 landeten 30 Prozent der Fänge in Mühlen, um daraus Futter für Hühner, Schweine und in Aquakulturen gezüchtete Arten herzustellen – ein großer Teil der Fänge wurde also zu Fischmehl verarbeitet. Erst seit 1995 ist dieser Trend rückläufig. Zweitens: Der Einsatz zerstörerischer Fangmethoden geht nach wie vor weiter. Die gesamten Schelfgebiete bis zu den Kontinentalabhängen werden mit Grundschleppnetzen durchpflügt. Oft sind bis zu 80–90 ​Prozent dessen, was in diesen Netzen landet unerwünschte Masse aus verschiedensten Organismen, unbrauchbar und unverkäuflich – von den für Jahre ruinierten benthischen Lebensgemeinschaften des Schelfs ganz zu schweigen. Das Unerwünschte fällt unter das Stichwort Beifang: Geschätzte 20 Millionen Tonnen Meeresorganismen gehen jährlich tot oder sterbend über Bord zurück ins Meer.+Die Seefischerei macht ihr Hauptgeschäft mit einem engen Spektrum von Arten. Von den etwa 200 wirtschaftlich wichtigen Spezies machen nur sechs ein Viertel des Gesamtfangs aus. Dazu gehören in europäischen Gewässern der Atlantische Hering (Clupea harengus) und die Makrele (Scomber scombrus). Tunfisch und Schwertfisch sind ebenfalls stark überfischt. Zwei Aspekte der industriellen Fischerei machen die Wurzeln des Übels besonders deutlich. Erstens: Die ausgebeuteten marinen Ressourcen dienen bei weitem nicht nur der Ernährung des Menschen. Noch bis 1994 landeten 30 Prozent der Fänge in Mühlen, um daraus Futter für Hühner, Schweine und in Aquakulturen gezüchtete Arten herzustellen – ein großer Teil der Fänge wurde also zu Fischmehl verarbeitet. Erst seit 1995 ist dieser Trend rückläufig. Zweitens: Der Einsatz zerstörerischer Fangmethoden geht nach wie vor weiter. Die gesamten Schelfgebiete bis zu den Kontinentalabhängen werden mit Grundschleppnetzen durchpflügt. Oft sind bis zu 80 - –90 Prozent dessen, was in diesen Netzen landet unerwünschte Masse aus verschiedensten Organismen, unbrauchbar und unverkäuflich – von den für Jahre ruinierten benthischen Lebensgemeinschaften des Schelfs ganz zu schweigen. Das Unerwünschte fällt unter das Stichwort Beifang: Geschätzte 20 Millionen Tonnen Meeresorganismen gehen jährlich tot oder sterbend über Bord zurück ins Meer.
  
 Und auch die Ökonomie hat ein Wort mitzureden: Um die Fangquoten nicht mit weniger Gewinn zu nutzen, wandern ganze Tagesfänge zurück ins Meer, wenn Fischer per Funk über ungünstige Preisentwicklungen auf den Märkten informiert werden (Preis-Dumping) oder wenn sie die Fangmengen für eine Art ausgeschöpft haben. Und auch die Ökonomie hat ein Wort mitzureden: Um die Fangquoten nicht mit weniger Gewinn zu nutzen, wandern ganze Tagesfänge zurück ins Meer, wenn Fischer per Funk über ungünstige Preisentwicklungen auf den Märkten informiert werden (Preis-Dumping) oder wenn sie die Fangmengen für eine Art ausgeschöpft haben.
das_mittelmeer/ueberfischung/raubbau_am_oekosystem_meer.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 13:15 von jakob