Universitäten Ulm, Hannover und Hildesheim bei MareMundi in Plakias/Kreta

Meeresbiologische Exkursionen der Universitäten Ulm, Hannover und Hildesheim bei der MareMundi und Dive2gether an der Feldstation Plakias/Kreta

 

Die StudentInnen sind wieder da!

Beladen mit Sommergepäck, Sommerhüten und einem breiten Lächeln im Gesicht, füllten sie unsere Feldstation in Plakias an der Tauchschule Dive2gether und verbreiteten sogleich gute Stimmung. Drei Universitäten mit zwanzig Studenten und vier Dozenten konnten es am 15. September 2018 kaum erwarten, mit dem meeresbiologischen Kurs zu beginnen.

Ziel der Exkursion unserer Gäste in Plakias war es, einen besseren Einblick in die ostmediterrane Meereswelt zu bekommen. Denn dieses ultraoligotrophe Meeresgebiet (mit sehr wenigen Nährstoffen), dafür mit unzähligen Lesseps’schen Migranten (tierischen und pflanzlichen Einwanderern aus dem Roten Meer über den Sueskanal) ist ein Laboratorium der Evolution. Als Einleitung zum Verständnis der Einzigartigkeit des Mittelmeerraumes wurde am ersten Tag eine Präsentation über die Dynamik von Temperatur, Salinität, Dichten, Konvektionen und Wasserströmungen gehalten. Dazu wurde das berühmte MareMundi-Aquarienexperiment vorgeführt, das in einer farbenfrohen Weise die Bedeutung der genannten Faktoren für das Ökosystem Mittelmeer zeigte (dieser Klassiker gehört seit 10 Jahren auch zu unserem Standardprogramm an der Schule am Meer auf Krk).

In den nächsten Tagen wurde ein Überblick des marinen Ökosystems rund um Plakias geboten: Seegraswiesen, Fische, Sand, Plankton und sessile Organismen. Unseren Meeresbiologinnen Martina und Christina waren voll in ihrem Element und steckten die Kursteilnehmer mit ihrer Begeisterung an.

 

Schulungsraum MareMundi Dive2gether Kreta

Da werden gerade die Nesseltiere durchgenommen …

Eine meereskundliche Exkursion bei MareMundi – das bedeutet immer Theorie und Praxis. Im Lebensraum selbst untersuchten wir etwa die Fisch-Lebensgemeinschaft (Fisch-Quantifizierung beim Schnorcheln), im Labor der Feldstation kamen wiederum Binokulare und Mikroskope zum Einsatz. Christina und unsere Praktikantin Marouschka bearbeiteten mit den Teilnehmern die gesammelten Proben. Die Sammelmethoden persönlich mitzuerleben, mit anpacken zu können, das sind die Vorteile einer solchen Freilandexkursion, Wissen, das sich tiefer einprägt als reine Theorie. Studierende erhalten Einblick in die moderne Feldforschung und lernen kennen, wie man überhaupt zum biologischen Material kommt, das man untersuchen möchte. Ohne entsprechendes Know How der Arbeitsmethoden würde man nicht weit kommen.

 

 

Selbst der “gute alte Riedl” leistet nach so vielen Jahren noch ausgezeichnete Dienste  … Die erste Auflage dieses unter mediterranen Meeresbiologen legendären Bestimmungswerkes ist 1963 erschienen.

 

Im Labor der Feldstation wurden Proben aus dem Meer untersucht. Mithilfe der umfangreichen Literatur aus der Bibliothek der Feldstation konnten die Studenten einen guten Einblick in die marine Fauna und Flora von Plakias bekommen.

 

 

Welche Tiere, Pflanzen und Algen leben im Mittelmeer? Sie bis auf die Art zu bestimmen ist in den meisten Fällen nahezu unmöglich, aber für angehende Biologen ist bereits ein Erfolg die Verwandtschaft richtig zu erkennen.

 

 

Proben aus dem Meer werden untersucht und bestimmt. Jedes Lebewesen kommt wieder unbeschadet ins Meer zurück. 

 

Die Mehrheit der Studenten hatte während der Exkursion einen fünftägigen PADI Open Water Diver Tauchkurs in der Tauchschule belegt – eine schöne Abwechslung zur Laborarbeit. Tauchen lernen war eines der Highlights der Exkursion. Somit konnten die Studenten die Meereswelt näher betrachten und die Magie und Freiheit dieses Sports erleben. Die erfahrenen Taucher der Gruppe konnten währenddessen die Unterwasserwelt von Plakias bei spannenden, interessanten Tauchgängen erleben.

 

 

Die schöne gemeinsame Zeit von Crew und Exkursionsteilnehmern an der Feldstation, an den Küsten und im Wasser ließ neue Freundschaften entstehen. An den von der Tauchschule organisierten wöchentlichen Grillabenden, die oft bis in die Nacht dauerten, ging der Spaß dann weiter.

 

 

Der Braune Zackenbarsch (Epinephelus marginatus, Serranidae) – einst eine häufige und typische Fischart an Felsriffen und Küsten des Mittelmeeres – ist heute in den meisten Meeresregionen rar geworden. Gerade die älteren Taucher haben es mitverfolgt, wie die Spezies in den letzten 50 Jahren aus den Tauchgebieten verschwunden ist und größere Exemplare sich heute entweder nur noch in größeren Tiefen oder in den viel zu raren Meeresschutzgebieten finden. Die IUCN stuft den bis über 1,3 Meter werdenden Zackenbarsch als stark gefährdet (endangered, EN) ein.

 

Die Unterwasserwelt von Plakias weist eine hohe Biodiversität auf, die allerdings auch vor Augen führt, wie stark sich das Walten des Menschen auf die Meere und ihre Ökosysteme auswirkt. Der Wandel ist unübersehbar, nicht zuletzt als Folge der gnadenlosen Überfischung, doch auch durch globale Klimaänderungen und die Tropikalisierung des Mittelmeeres. Ursprüngliche, autochthone Lebensformen sind auf dem Rückzug, Lesseps‘sche Einwanderer aus dem Roten Meer wie Feuerfische, Soldatenfische, Kaninchenfische und viele weitere sind auf dem Vormarsch. Unsere Station untersucht diese Veränderungen auch wissenschaftlich.

 

 

 

In der Freizeit haben die Teilnehmer auch verborgene Naturschätze von Plakias kennengelernt, so die kleine Oase „Kourtaliotiko-Schlucht“. Diese führt zu einem Wasserfall, dessen Quelle einen großen Teil der Region mit frischem Wasser versorgt. Die Schlucht ist Lebensraum einer beeindruckenden mediterranen Flora.

 

 

Am Ende des vorletzten Tages wurde von der Gruppe ein Beach-Cleanup  organisiert, um den Strand vor der Tauchschule zu säubern. Auch mehrere Touristen beteiligten sich daran. Wir haben große Mengen an Zigarettenstummeln und Plastiktüten gesammelt. Der Erfolg gab den Anstoß, diese Beach-Cleanups von nun an in regelmäßigen Abständen zu organisieren, um die Region von so viel Plastik wie möglich zu befreien.

 

 

Zum Abschluss der Exkursion wurde am letzten Tag ein großer Grillabend veranstaltet. Nach dem Genuss regionaler und internationaler, von Professoren und Studenten vorbereiteter Gerichte, wurde bei traditioneller griechischer Musik getanzt. So ist der Abend und mit ihm die spannenden und erfahrungsreichen Exkursionswochen zu Ende gegangen.

 

 

Die gute Organisation und hervorragenden Leistungen der Feldstation haben die Professoren dazu motiviert im nächsten Jahr wieder mit einer Gruppe von Studenten nach Plakias zu kommen. MareMundi und Dive2gether freuen sich auf eine langfristige Kooperation mit den Universitäten und auf spannende Tage mit neuen, fröhlichen Gesichtern!

 


Ein Wort zur ökologischen Lage des Mittelmeeres: Unsere Kurse und Exkursionen sollen im Selbstverständnis des Teams nicht nur reine Sachinformationen liefern, sondern auch visionär sein. Wir sind von der für die Welt einmaligen mediterranen Region als Wiege der Zivilisation fasziniert, doch wollen wir unseren Besuchern auch ein realistisches und leider nicht besonders optimistisches Bild der Zukunft bieten. Die Menschheit hat von der Natur bereits mehr Leistungen beansprucht, als das Ökosystem Erde nachhaltig bereitstellen kann. Wir beobachten unzählige beunruhigende Entwicklungen, die uns sagen, dass wir etwas an unserem Umgang mit dem Heimatplaneten ändern müssen. Einzeln mögen die Symptome auf wenig informierte Menschen harmlos wirken, doch die Gesamtheit aller Negativfaktoren kann zu einem perfect storm führen, globalen Entwicklungen, die kein Mensch mehr kontrollieren kann. Diese Veränderungen passieren jetzt, wir sind Zeugen davon. Längst zehren wir von den Vorräten der Zukunft, am Mittelmeer und überall sonst. Die Menschheit vernichtet dabei unwiederbringliches Naturkapital. Uns damit offen auseinanderzusetzen, halten wir für den einzig ethisch vertretbaren Weg. Wir müssen Anregungen liefern für gemeinsames Handeln. Wir brauchen Visionen mit Zukunftspotenzial!

 

Auch Ihre Universität, Fachhochschule oder andere Schulform ist bei uns willkommen! Besuchen Sie unsere Feldstationen in Plakias/Kreta, in Punat auf Krk (Kroatien) oder in Dahab am Roten Meer. Mehr infos bietet unsere Webseite http://mare-mundi.org. Kontaktieren Sie uns unter office@mare-mundi.org!

 

 

Bilder : Dive2Gether Crete / Mare Mundi

Bericht: Christina Braoun, Redaktion Robert Hofrichter