Sonnencreme und die Zerstörung der Meere – World Oceans Day 2019

  1. Juni – World Oceans Day…ein Tag zum Innehalten und Nachdenken…

MareMundi bemüht sich, auf die Gefährdung der Ozeane in vielen Berichten hinzuweisen – siehe unsere Website: https://mare-mundi.org/

Auch für den diesjährigen „World Oceans Day“ gäbe es unzählige Tatsachen, die einer genaueren Betrachtung wert wären (Überfischung, Verschmutzung der Meere, etc.).

Mit diesem Beitrag wollen wir auf ein Detail hinweisen, das im öffentlichen Bewusstsein so gut wie keine Beachtung findet, trotzdem aber eine beträchtliche Belastung unserer Ozeane darstellt:

Sonnencreme und die Zerstörung der Meere – Meeresschutz versus Hautkrebsrisiko?

Allein am Mittelmeer beträgt die jährliche Anzahl an Touristen mehr als 330 Millionen! Und jeder kennt das Phänomen der sich rund um Schwimmer ausbreitenden Ölschichte.  Geschätzte 14 000 Tonnen Sonnenschutzmittel landen weltweit in den Tiefen der Ozeane und gefährden damit die sensible Unterwasserfauna – und Flora.

Sonnenschutz UV

Vergleich Sonnenschutz im sichtbaren Licht vs. UV-Licht:
Derselbe Rücken, einmal im sichtbaren Licht fotografiert, einmal im UV-Bereich. Plakatiert die Wirkung einer Sonnenschutzcreme.

Prinzipiell enthalten Schutzcremes entweder chemische oder physikalische (mineralische) UV-Filter.

Als einen chemischen Sonnenschutzfilter bezeichnen Hersteller organische Moleküle, die – eingelagert in die Hornschicht der Oberhaut – die Sonnenstrahlen absorbieren, also aufnehmen, und in Form von Wärme abgeben.

Hat man die Haut mit einer Schicht mineralischer Sonnencreme eingeschmiert, reflektieren weiße Pigmente das Sonnenlicht, lassen es also gar nicht an die Haut heran.

Die Toxizität von chemischen Filtern für die Unterwasserwelt gilt als gesichert, Stoffe wie Octinoxat, Octocrylen oder Oxybenzon führen, wie italienische Wissenschaftler nachweisen konnten, zur Korallenbleiche.

Am 2. November 2018 bestätigte der Präsident von Palau, Thomas Remengesau, ein bereits vom Parlament verabschiedetes Gesetz, welches bestimmte Sonnenschutzmittel, die sich schädlich auf Korallenriffe auswirken, ab 2020 verbietet. Betroffen sind Sonnencremes, die Oxybenzon und Octinoxat enthalten, die zur Korallenbleiche beitragen. Die Einfuhr dieser Cremes soll unterbunden und die Benutzung unter Strafe gestellt werden. Palau ist damit das erste Land der Welt, das korallenschädliche Sonnenschutzsubstanzen verbietet, zuvor hatten das bereits der US-Bundesstaat Hawaii und die zu den Niederlanden gehörende karibische Insel Bonaire angekündigt.

(Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenschutzmittel)

Auch „wasserfeste“ Lotionen sind kein Garant – per definitionem bedeutet „wasserfest“ lediglich, dass nach zweimal 20 Minuten im Wasser die Hälfte an der Haut (mit sodann Null Sonnenschutz), die andere Hälfte im Meer gelöst ist…

Aber selbst physikalische Filter, wie beispielsweise Titandioxyd, die lange Zeit als unbedenklich galten, sind zwischenzeitlich in Verruf geraten. 2012 stellte eine Forschergruppe fest, dass Nanopartikel eine tödliche Gefahr für Wasserflöhe (die als Gradmesser für Umweltgefahren gelten) darstellen.

Allerdings kommen einige Hersteller von „reef safe“ Sonnenschutzmitteln seit neuestem mit mineralischen Filterkombinationen (Titanoxyd bzw. Zinkoxyd) auf den Markt, die laut Herstellerangaben nicht in nano-Dimensionen enthalten sind und daher möglicherweise weniger schädlich sind. Auch dazu fehlt es leider weitgehend noch an Studien.  In den USA werden auf Flügen nach Hawaii den Passagieren Probepäckchen von solchen „reef safe“ Produkten überreicht.

Heißt das also, dass es keine Alternative zwischen Meeres- und Menschenschutz gibt?

Keinesfalls! Was man aber beachten sollte:

  • Die stärkste UV-Bestrahlung – das ist um die Mittagszeit – sollte man vermeiden
  • Bewölkung ist KEIN zuverlässiger Sonnenschutz, selbst Sonnenschirme lassen 50% der UV-Strahlen durch
  • Bekleidung, die große Teile des Körpers bedeckt, schützt vor Sonnenbrand, diese Empfehlung gilt auch für Wassersportaktivitäten
  • Der Einfluss der UV-Bestrahlung auf die Vitamin D Produktion wird überschätzt, 20% ungeschützte Hautoberfläche mehrmals in der Woche für 15 bis 30 Minuten reichen in den Sommermonaten für einen vorübergehenden adäquaten Vitamin D Spiegel
  • Ganz ohne Sonnenschutzcremes wird man, um Hautschäden zu vermeiden, nicht auskommen. Möglichst wenig umweltschädigende Produkte findet man unter:https://ozeankind-shop.de/sonnenschutz-ohne-mikroplastik-unsere-empfehlung/·
  • Abschließend noch ein wichtiger Tipp um sowohl Menschen wie Ozeane zu schonen: Wenn schon Lotionen verwendet werden, dann in ausreichender Menge, nach Experten sind das drei Esslöffel für den gesamtem Körper. Und noch wichtiger: ·
  • DAS EINCREMEN SOLLTE NACH ETWAIGEN WASSERSPORTAKTIVITÄTEN ERFOLGEN!

 

Beitrag: Dr. Walter Buchinger

Redaktion: Stefan Gyergyai-Haardt