Meeresbiologische Exkursion der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich

Ein Bericht über die meeresbiologische Exkursion der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich auf Krk, von

Sarah M. & Claudia B. (2019)

Wahlpflichtfach Meeresbiologische Exkursion auf Krk

 

Die Lehrveranstaltung fand im Rahmen des Lehramtsstudiums Sekundarstufe Biologie statt, aber auch Lehrerinnen und Lehrer, welche bereits im Dienst sind, nahmen im Rahmen der Fortbildung daran teil. So konnte ein Austausch zwischen Noch-Lernenden und Lehrenden stattfinden, und wir Studentinnen hatten die Möglichkeit, auch in den Austausch mit dem „richtigen“ Lehrer*innenalltag zu treten.

Wir besuchten die Meeresstation mare mundi in Punat (Insel Krk) vom 30.04.2019 – 04.05.2019. Die Anreise erfolgte in Kleingruppen über Privat-PKWs, die Unterbringung wurde mit Hilfe von Robert Hofrichter im näheren Gebiet der Station organisiert.

Programm:

Der erste Tag begann mit einer Einführung in die lokale Flora und Fauna, bei der wir die wichtigsten Vertreter des Mittelmeerraums kennenlernten. Anschließend ließen wir den Abend gemeinsam in Tony‘s Konoba mit einem typischen kroatischen Gericht (Peka) ausklingen.

Der zweite Tag begann früh: Wir starteten mit einer Bootstour entlang der Küste in Richtung Süden nach Stara Baška. Die Hinfahrt nutzten wir zur Besprechung der Meerestopografie. Auch hier wurden typische Arten der mediterranen Flora und Fauna besprochen. Bereits im Hafenbecken konnten wir Tiere beobachten: Wie es sich für Biolog*innen gehört, wurden diese auch entnommen und näher betrachtet.

Einsiedlerkrebs © Katharina Hirschenhauser

Danach brachen wir zu einer Wanderung entlang der Küste auf. Hier konnten wir nicht nur die wunderschöne Landschaft bestaunen, sondern auch viele verschiedene Pflanzen, die typisch für den Mittelmeerraum sind, beispielsweise Stieleichen (Quercus robur), Terpentin-Pistazien (Pistacia terebinthus) und duftenden Kräuter (wie z. B. Echter Lavendel (Lavandula angustfolia), Majoran (Origanum majorana) und Currykraut (Helichrysum italicum)), sowie die Gesteinsformationen.

Während der Wanderung ins Landesinnere konnten wir die Veränderung der Landschaft sehen. Wir konnten sogar fossile Spuren von Foraminiferen, den größten bekannten Einzellern, in den Gesteinen finden. Alex nutzte die Zeit, um vor der Küste von Stara Baska Sandproben zu entnehmen, welche uns später den Anblick eines Lanzettfischchens (Branchiostoma lanceolatum) offenbarte. Während der Rückfahrt wurden Planktonproben gefischt, welche wir später im Labor der Forschungsstation untersuchten.

Planktonprobe mit vielen noch zu untersuchenden Lebewesen. 

Besonders spektakulär war der seltene Fang einer Rippenqualle (Ctenophora), die wir mit freiem Auge sowie später unter der Mikroskopkamera aus nächster Nähe beobachten konnten.

Rippenqualle in der Planktonprobe Kaum zu sehen mit freiem Auge

Auch der nächste Tag begann mit einer Bootsfahrt – diesmal ging es auf die unbewohnte Insel „Otok Plavnik“. Bei der Hinfahrt erklärte uns Robert Hofrichter sehr detailliert und anschaulich die Meereszonierung.

Robert Hofrichter veranschaulicht die Meereszonierung und die Funktionen der einzelnen Zonen

Anschließend wurden von Kapitän Tony die Mittelmeermöwen (Larus michahellis) mit Fischresten gefüttert, sodass wir diese aus nächster Nähe beobachten konnten.

Möwenfütterung – geschickter fliegen scheint unmöglich.

Im Anschluss begann die ereignisreiche Erkundung der Insel, bei der wir zuerst die Flora erkundeten, ehe wir oben am Plateau der Insel in nähren Kontakt mit den hiesigen Apulischen Taranteln (Lycosa tarantula) kamen. Die Mittagspause wurde von der Schiffscrew organisiert, die für uns ein sehr leckeres BBQ mit gegrilltem Fisch und anderen traditionellen Köstlichkeiten zubereitete.

Nach einer kurzen Verdauungspause kurbelten wir unseren Kreislauf beim „Beach Cleanup“ und anschließendem Plastikworkshop an.

Plastikworkshop auf Otok Plavnik. Klassifizierung der Plastikteile und Partikel ist nicht so einfach… Robert erklärt die Auswirkungen von Mikroplastik, dem Zerfallsprodukt von jedem Stück Plastik im Meer

Die Aufwärmung war wichtig, da sich danach ein Teil unserer Gruppe in das 14 °C kalte Wasser begab und dort die Unterwasserwelt kennenlernen durfte. Den 7mm dicken Neoprenanzug, den wir dringend benötigten, konnten wir uns bei der Partnertauchschule kostengünstig ausleihen.

Schnorcheln mit dickem Neopren in glasklarem Wasser bei Otok Plavnik

Bei der Rückfahrt konnten wir nicht nur schöne Aspekte des Mittelmeerraumes beobachten: Während wir zuvor die majestätischen Gänsegeier (Gyps fulvus) an ihren Nistplätzen beobachten konnten, setzten wir uns auch mit den beunruhigenden Entwicklungen wie der Plastikverschmutzung und dem Aquafarming auseinander.

Am Tag vier blieben wir auf dem Festland und besuchten den Ort Vrbnik, in welchem sich die angeblich schmalste Gasse der Welt befindet. Hier fand, neben der Besprechung der Spritzwasserzone und dem Zusammenspiel von Wind und Wasser, auch ein kultureller Einblick in den Mediterran während der Besichtigung der Altstadt von Vrbnik statt.

Spritzwasserzone bei Vrbnik, © Katharina Hirschenhauser

Als wir wieder bei der Meeresschule ankamen, befassten wir uns mit einer sagenumwobenen Tiergruppe der Meere: den Haien. Anhand dieser Tiere erarbeiteten wir die Entstehung der Chordatiere und konnten so eine evolutionäre Perspektive auf die Entstehung der Wirbeltiere gewinnen.

Durch dieser Vorbesprechung waren wir bereits gut auf den nächsten Programmpunkt, das Mikroskopieren des Sandlückenraums  anhand der Sandproben vorbereitet, die Alex am Tag 2 gesammelt hatte. In den Sandproben fanden wir das älteste Chordatier und einen der engsten Verwandten der Wirbeltiere: das Lanzettfischchen (Branchiostoma lanceolatum).

Lanzettfischchen über Mikroskopkamera projiziert

Da dies leider schon unser letzter gemeinsamer Abend war, ließen wir diesen gemeinsam in der Altstadt  von Krk ausklingen. Nach einem gemütlichen Essen und ein paar Getränken ging unsere letzte gemeinsame Fahrt auf dem Boot los – inklusive Unwetter, das uns alle bis auf die Knochen durchnässte und unter Bord zwang.

Den letzten Tag verbrachten wir im Seminarraum der Meeresschule – hier führten wir ein sehr Interessantes Strömungsexperiment durch, welches uns Einblicke über die besonderen Strömungsverhältnisse im Mittelmeerraum und im Besonderen an der Straße von Gibraltar gab (hier wurde im Altertum der Sage nach durch Herakles das Ende der Welt markiert  – „Non-plus-ultra“).

Alex erklärt die Entstehung und Mechanismen der Meeresströmung bei Gibraltar und ihre Effekte

 

Das Strömungsexperiment veranschaulicht den Mechanismus des Wasseraustausches zwischen Mittelmeer und Atlantik

 

Fazit:

Alles in allem erfuhren wir bei der Exkursion auf Krk schöne und lehrreiche Erlebnisse, wie beispielsweise das Schnorcheln, der enge und interaktive Kontakt mit den Lebewesen der Mittelmeerregion und interessanten Laborerlebnissen, aus welchen wir für unsere weitere Entwicklung als Lehrkräfte viel mitnehmen konnten. Ein Beispiel dafür ist die vielfältige Art und Weise des Kennenlernens der Flora und Fauna im Mittelmeer. Es wurden viele verschiedene Methoden eingesetzt, welche das Erlernen und Verstehen dieses Lebensraumes erleichtert haben (Strömungsexperiment, Mikroskopieren, und vieles mehr).

Vor allem ist uns dabei wieder einmal verständlich gemacht worden, wie wichtig praxisnaher Unterricht ist. In unseren Augen ist besonders der ganzheitliche Zugang des Teams um Robert Hofrichter und Alex Heidenbauer ausgesprochen wertvoll, da dieser das Verständnis der biologischen und kulturellen Zusammenhänge im Mittelmeerraum fördert. Wir möchten uns bei Robert und Alex für die tolle Aufbereitung der Fortbildung bedanken, sowie bei unserer Professorin Katharina Hirschenhauser, welche uns diese Erfahrung ermöglicht hat.

Das Programm entsprach einem komprimierten Überblick über die Natur- und meereskundliche Schulprojektwoche, welche man als Lehrperson mit Schulklassen buchen kann (https://mare-mundi.org/natur-und-meereskundliche-schulprojektwochen-an-der-maremundi-station-krk/).

Leider waren die fünf Tage in der Meeresschule viel zu schnell vorbei. Wir würden diese Erfahrung aber gerne wiederholen.

 

Claudia  analysiert Plankton am Mikroskop

 

Sarah begutachtet die gerade genommen Planktonprobe – die Rippenqualle?

 

Bericht & Bilder: Claudia B. & Sarah M.

Redaktion: Dr. Walter Buchinger

Bearbeitung: Stefan Gyergygai-Haardt