MareMundi Vogelbeobachtungen auf der Sinai-Halbinsel

Eine kommentierte Artenliste aus Dahab, Golf von Akaba, Südsinai zwischen dem 22. Jan. und 22. Feb. 2019

von Dipl. Biol. Kerstin Blassnig, Tirol (unterstützt durch Maria und Robert Hofrichter)

  • gute Lokalitäten für Beobachtungen: Umgebung von Dahab, Küste bei Niedrigwasser, Lagune, Gartenanlagen der Hotels an der Lagune, benachbarte Wadis wie das Wadi Gnai und seine Seitenwadis, Protected Area Nabq (mit dem Wrack der Maria Schröder), St. Katharina (Umgebung des Klosters und Klostergärten), Oase Ain Khudra, White Canyon und die nahe gelegene Wüste mit Canyons und Wadis.
  • Dank an die Feldstation RSEC/MareMundi und ihre Partnertauchbasis Sinai Divers Backpackers für die perfekte Organisation der Ausflüge.
  • Ausblick: Mehr Ornithologen und Birder machen im Februar 2020 mit der Feldstation RSEC/MareMundi eine intensivere ornithologische Exkursion?

Bestimmt ist der Sinai ganz allgemein keine Top-Destination für birder (Vogelbeobachter), die mit dem Neusiedlersee im Osten Österreichs oder mit dem Donaudelta am Schwarzen Meer vergleichbar wäre. Dennoch bietet der Sinai in verschiedenen Lebensräumen und in den unterschiedlichen Jahreszeiten wunderbare Beobachtungsmöglichkeiten. Vergessen wir nicht: Teile des Vogelzugs der Ostroute aus Europa nach Afrika erfolgt über die Levante und dann weiter am Golf von Akaba. So ist es nicht überraschend, im Februar große Schwärme von Kranichen nach Norden ziehend zu sehen. Oder die Ankunft verschiedener Schwalben und Segler zu beobachten, die sich allmählich von Süd nach Nord verschiebt. Vor dem Wrack der Maria Schröder in Nabq überwintern manchmal kleine Gruppen von Löfflern. Verschiedene Reiher sind ohnehin überall an der Küste zu sehen. In den künstlich bewässerten Gartenoasen der Hotelanlagen finden sich Arten, die man nicht erwarten würde – wie zum Beispiel den Wiedehopf. Immer wieder sieht man Überraschungsgäste, die plötzlich völlig unerwartet auftauchen und für Verwunderung sorgen, so ein Jerichonektarvogel (Cinnyris osea) vor einem Jahr, der in der Bougainvillea des Coachhouses nach Nahrung suchte.

Wenn also Ornithologen und Birder aus vielleicht anderen Gründen nach Dahab kommen, um dem Winter zu entkommen oder hier zu tauchen, sind Vogelbeobachtungen trotzdem gut möglich.

Von den außereuropäischen Besonderheiten konnten wir folgende Arten beobachten:

Beschreibungen der einzelnen Arten und Beobachtungen

Küstenreiher (Egretta schistacea)

Verbreitung: an den Küsten Westafrikas und vom Roten Meer bis nach Indien.

Mittelgroßer Reiher. Die Art tritt in einer weißen und in einer unverwechselbaren schiefergrauen Farbmorphe auf. Seltener kommen Mischformen vor. Weiße Morphe im Jugendkleid haben oft eingesprengte dunkle Flügelfedern.

Weiße Vögel ähneln sehr stark dem Seidenreiher, Schnabel aber etwas länger, an der Basis etwas höher und First auf der ganzen Länge schwach gebogen. Schnabel nie ganz schwarz, eher hornbraun, Schneidekanten und Spitze meist gelblich. Schmuckfedern am Kopf im Brutkleid wie bei Seidenreiher.

Wir haben Vögel im Schlichtkleid, im Brutkleid sowie in Übergangsformen gesehen.

Sinai

Küstenreiher / Egretta schistacea (Weiße Morphe), vielleicht auch die Mischform und ein Reinweißer Foto: Maria Hofrichter

Küstenreiher / Egretta schistacea (Schiefergraue Farbmorphe) Foto: Maria Hofrichter

Mangrovenreiher (Butorides striatus)

Verbreitung: weltweit in den Tropen und Subtropen, an den Küsten am Sinai und in Israel befinden sich die nächstgelegenen Vorkommen zu Europa. Die Art brütet überwiegend in Mangroven. Die weltweit nördlichsten Mangroven befinden sich bei Nabq, zwischen Dahab und Sharm El-Sheikh. Kleiner Reiher.

Sinai

Mangrovenreiher / Butorides striatus Foto Maria Hofrichter

Verbreitungsgebiete des Mangrovenreihers, grün: ganzjährig, gelb: nur Brutgebiet Quelle: Wikipedia Commons

Kuhreiher (Bubulcus ibis)

Verbreitung: ursprünglich nur altweltlich verbreitet, starke Ausbreitung im 20. Jhd. in Zusammenhang mit der Ausdehnung der Weidewirtschaft ab ca. 1930 Besiedelung von Süd- und später Nordamerika.

Wir haben Vögel im Schlichtkleid beobachtet, kenntlich an der grünlichen Augenumgebung. Im Prachtkleid wird dieses dann blau, außerdem bilden sich im Prachtkleid Federbüschel am Kopf und rotbräunlich gefärbte Federn auf Rücken, Brust und Kopf. Kleiner Reiher.

Verbreitungsgebiete des Kuhreihers, grün: ganzjährig, gelb: nur Brutgebiet, blau: außerhalb der Brutsaison Quelle: Wikipedia Commons

Fischadler (Pandion haliätus)

Verbreitung: Nahezu weltweit verbreitet, das Brutgebiet umfasst die borealen bis subtropischen Zonen der Holarktis, Teile der Karibik, die Tropen Südostasiens sowie Australien.

Fischadler ernähren sich fast ausschließlich von Fisch, in kontinentalen Regionen von diversen Taxa von Süßwasserfischen, in Küstenregionen, wie dem Nahen Osten, von Meeresfischen mir starker lokaler Variation und Bevorzugung hoher Beutediversität

Sinai

Fischadler (Pandion haliätus) Foto Maria Hofrichter

Turmfalke (Falco tinnunculus)

Verbreitung: Altweltliches Verbreitungsgebiet, ist in Europa, Asien und Afrika in fast allen Klimazonen der paläarktischen, der äthiopischen und der orientalischen Region als Brutvogel zu finden.

 

Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola)

Verbreitung: Brutvogel der hocharktischen Tundra. Im Gebiet nur überwinternd oder am Durchzug. Langstreckenzieher, Überwinterungsgebiete von der westlichen Nordseeküste bis in die Küstengebiete Südafrikas, am Mittelmeer sowie den südlichen Küsten Asiens, der Küstengebiete Ozeaniens, Australiens, Neuseelands. Brutvögel aus Alaska bis Baffin-Islands überwintern an nord- und südamerikanischen Küsten.

Wir haben einzelne Vögel im Schlichtkleid beobachtet.

Kiebitzregenpfeifer / Pluvialis squatarola (Schlichtkleid) Foto Maria Hofrichter

Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula)

Verbreitung: Brutvogel von Grönland und Island über Tundren- boreal und nördlich gemäßigte Zone Eurasiens bis zur West-Küste arktisches Nord-Amerika. Kurz- bis Langstreckenzieher, nach Osten bis Vorderasien/Arabien, nach Süden bis Süd-Afrika, aber sehr unterschiedlich weite Zugstrecken und Überwinterungsgebiete je nach Brutgebiet sehr differierend.

Wir haben vereinzelt Vögel im Schlichtkleid beobachtet.

Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus)

Verbreitung: Das Areal umfasst die Küsten und Steppenregionen Eurasiens von den Kapverden bis Japan, Nord-Afrika bis Somalia; Teile Süd-Asiens, Persischer Golf, Nord-Indien, Sri-Lanka, Südost-China sowie den Westen und Süden Nord-Amerikas. Im Norden des Verbreitungsgebietes Zugvogel, im Süden Standvogel.

Wir haben Seeregenpfeifer regelmäßig an der Lagune und bei einem Ausflug nach Nabq beobachtet. Die Vögel sind in der Region ganzjährig anzutreffen, rastende Durchzügler können sich dazugesellen.

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Seeregenpfeifer / Charadrius alexandrinus (Schlichtkleid) Foto Hubert Blatterer

Großer Brachvogel (Numenius arquata)

Verbreitung: Von West-Europa bis Ost-Sibirien in der gemäßigten und borealen Zone verbreitet.

Überwiegend Kurzstreckenzieher, Winterquartiere an den Küsten West-Europas und westliches Mitteleuropa, Mittelmeergebiet bis tropisches West-Afrika.

Im Gebiet überwinternd sowie durchziehend.

Großer Brachvogel / Numenius arquata Foto Maria Hofrichter

Rotschenkel (Tringa totanus)

Verbreitung: Brutvogel in weiten Teilen Eurasiens von mediterraner bis borealer Zone, z.T. in Steppen- und Wüstengebieten Asiens, nach Süden bis West-Afrika. Langstrecken- bis Teilzieher. Winterquartiere im atlantischen Europa, Mittelmeergebiet, Vorder- bis Südostasien, Afrika bis 15° südlicher Breite.

Sichtungen am Roten Meer sind Überwinterer oder Zugvögel.

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Rotschenkel / Tringa totanus (Schlichtkleid) Foto Hubert Blatterer

Grünschenkel (Tringa nebularia)

Verbreitung: Brutvogel in der borealen Zone Nord-Eurasiens von Schottland und Skandinavien bis Süd-Tundrenzone Ost-Sibiriens bis Kamtschatka. Als Langstreckenzieher überall im Binnenland und an den Küsten Europas zu beobachten, Überwinterung an der westlichen Atlantikküste, im Mittelmeerraum, am Rotes Meer, Persischen Golf, Vorderasien bis Kapland, Sri Lanka , Hinterindien bis Australien.

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Grünschenkel / Tringa nebularia (Schlichtkleid) Foto Maria Hofrichter

Dünnschnabelmöwe (Larus genei)

Verbreitung: Sehr lückenhaft verbreitet vom Mediterranraum über Vorderasien bis Kasachstan, Afghanistan und Pakistan sowie Südost- und West-Afrika. Meist Kurzstreckenzieher, das Rote Meer und der Persische Golf gehören zu den Überwinterungsgebieten.

Die Dünnschnabelmöwe gehört zu den Kleinmöwen und ist nur etwas größer als die Lachmöwe.

Heringsmöwe, UA Baltische Heringsmöwe (Larus fuscus fuscus)

Verbreitung: Die Heringsmöwe ist westpaläarktisch verbreitet und tritt in mehreren Unterarten auf, einigen westlichen und einigen östlichen. Die östliche UA Baltische Heringsmöwe brütet an der Ostseeküste östlich Öresund und von Mecklenburg Vorpommern nach Nordosten bis Halbinsel Kola. Die westlichen Unterarten ziehen südwestwärts und sind meist Teil- und Kurzstreckenzieher, während die östlichen Unterarten überwiegend als Langstreckenzieher nach Süd und Südost ziehen. Generell ziehen die Vögel aus den nördlichsten Brutgebieten am weitesten und überwintern in den tropischen Zonen Afrikas und Asiens.

Die von uns als Einzeltier an der Lagune und Küste Dahab beobachtete Heringsmöwe der Unterart Baltische Heringsmöwe zeichnet sich durch eine nahezu schwarze Oberseite im Adultkleid aus.

Die Heringsmöwe gehört zu den kleineren Großmöwen. Die UA Baltische Heringsmöwe ist die kleinste, dunkelste und eleganteste dieser Artengruppe.

Hemprichmöwe (Larus hemprichii)

Verbreitung: Die Hemprichmöwe brütet an den Küsten des Roten Meeres, des Persischen Golfes und des Indischen Ozeans südwärts entlang der ostafrikanischen Küste bis Kenia, auch auf Sokotra und nach Osten bis an den Rand des Indischen Subkontinents in Pakistan. Bei der Population am Roten Meer (zumindest in den südlichen Regionen) scheint es sich um Standvögel zu handeln.

Die Hemprichmöwe ist eine Dreijahresmöwe. Wir haben in Nabq und Dahab nur immature Vögel im 2. Winter gesehen.

Um diese Möwe kennenzulernen muss man als Europäer zumindest an die Küste des Roten Meeres reisen – hier befinden sich die zu Europa nächstgelegenen Beobachtungsmöglichkeiten!

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Hemprichmöwe / Larus hemprichii (Gefiederfärbung im 2. Winter) Foto Maria Hofrichter

Raubseeschwalbe (Hydroprogne caspia)

Verbreitung: Fast kosmopolitisch, meist kleine disjunkte Lokalpopulationen. Vögel der Brutgebiete ab 30° nördlicher Breite sind Zugvögel, Vögel südlicherer Brutgebiete sind Standvögel oder Teilzieher. Hauptwinterquartiere sind Mittelmeer und West-Afrika, besonders Binnengewässer der Savannenzone und Küsten des Golfes von Guinea.

Die von uns mehrfach beobachteten Vögel waren im Brutkleid. Auffällig bei diesen Exemplaren: keine normalerweise übliche Schwarzfärbung an der Schnabelspitze!

Sinai

Raubseeschwalbe / Hydroprogne caspia Foto Maria Hofrichter

Flughühner (Pterocles sp.)

Vor dem Einstieg in den White Canyon haben wir Spuren im Wüstensand von Flughühnern gefunden, die in den frühen Morgenstunden und der Abenddämmerung aktiv sind.

In der Region ist das Kronenflughuhn (Pterocles coronatus) verbreitet. Die Trittsiegel zeigen drei Vorderzehen, keine Hinterzehe.

Spuren

Flughühner Spuren

Glattfußhühner (Alectoris oder Ammoperdix)

Ebenfalls vor dem Einstieg in den White Canyon haben wir Spuren im Wüstensand von Glattfußhühnern gefunden, die wohl in den frühen Morgenstunden und der Abenddämmerung aktiv sind.

In der Region sind das Chukar-Huhn (Alectoris chukar) und das Arabische Wüstenhuhn (Ammoperdix heyi) verbreitet. Die Trittsiegel zeigen drei Vorderzehen, und eine Hinterzehe.

Sinai

Glattfußhühner Spuren

Felsentaube (Columba livia) / Haustaube/Straßentaube (Columba livia f. domestica)

Verbreitung: Die Felsentaube ist die Stammform der Haustaube und kommt rein altweltlich vor, mit isoliertem Verbreitungsgebiet an den Küsten Schottlands, Irlands, Shetlands und der Färöer-Inseln Inseln, sonst mediterran-nordafrikanisch-arabisch-vorderasiatisch, bis kaspisches Meer.

Haustauben werden von den Beduinen gehalten, um sie als Speisen zuzubereiten.

 

Palmtaube (Spilopelia syn. Streptopelia senegalensis)

Verbreitung: Brutgebiete liegen in Afrika, vom Nahen Osten bis Indien und Thailand sowie von Zentralasien bis Nordwestchina. Die Art ist Standvogel, das Verbreitungsgebiet ist in Ausdehnung begriffen. Häufiger und typischer Vogel der Siedlungsgebiete und Oasen.

Relativ kleine Taubenart.

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Palmtaube (Spilopelia syn. Streptopelia senegalensis) Foto Maria Hofrichter

Türkentaube (Streptopelia decaocto)

Verbreitung: Ursprüngliche Verbreitung von Vorderasien bis West-China und Burma, Ost-China bis Korea und Japan sowie in Sri Lanka und Arabien. Seit den 30iger Jahren „dramatische“ Arealausweitung auf fast ganz Europa mit Ausnahme des arktischen Nordens. Standvogel mit Streuungswanderungen.

Im Beobachtungsgebiet nur vereinzelt, sehr viel seltener als Palmtaube.

 

Fahlsegler (Apus pallidus)

Verbreitung: Mediterrane Zone der westlichen Paläarktis, von den Kanaren und Madeira über Nordwest-Afrika und Süd-Europa bis Bulgarien, sowie von Ägypten und Israel/Libanon bis West-Pakistan. Neuerdings Ausbreitung nach Norden, zunehmend Binnenlandvorkommen. In der Paläarktis Zugvogel, sonst überwiegend Teilzieher.

 

Wiedehopf (Upupa epops)

Verbreitung: Von Südwest-Europa und Nordwest-Afrika nach Osten über Vorderasien, Arabien und Sri Lanka bis Sumatra, im Norden bis Baltikum und ostwärts bis Baikal-See. Fehlt in Nordwest und Nord-Europa. Paläarktische Populationen sind Zugvögel, nur im äußersten Süden Teilzieher, im Nildelta und in den Brutgebieten Südspaniens, Marokkos, Algeriens und Tunesiens mehr oder weniger Ganzjahresvögel, die nördlichen Winterquartiere liegen in den Tropen südlich der Sahara und Indiens.

Sinai

Wiedehopf / Upupa epops Foto Maria Hofrichter

Wüsten- oder Borstenrabe (Corvus ruficollis oder C. rhipidurus)

Verbreitung: Beide Arten kommen als Ganzjahresvögel am Südsinai vor. Der Wüstenrabe weist eine geschlossene Verbreitung von Nordafrika über die Arabische Halbinsel bis nach Mittelasien auf. Das Verbreitungsgebiet des Borstenraben scheint südöstlicher orientiert zu sein.

Wir haben am Weg nach Ain Khudra zwei Raben kurz beobachtet, diese aber aufgrund der Entfernung und der Kürze der Beobachtungszeit nicht genau identifizieren können. Beide Raben sind etwas kleiner als der Kolkrabe, der Borstenrabe wirkt gedrungen und hat einen sehr kurzen Schwanz. Der Wüstenrabe ist dem Kolkraben im Flugbild sehr ähnlich.

 

Steinlerche (Ammomanes deserti)

Verbreitung: Die Steinlerche ist an Wüstenhabitate angepasst und von Nordafrika, bis Vorder- und Zentralasien verbreitet. Das Areal ist entsprechend der Habitatanpassung nicht geschlossen.

Steinlerchen sind besonders gut an Wüstenklimate angepasst, ihr Gefieder wird kaum eingefettet, so dass sie nach überraschenden Regenereignissen fast flugunfähig sind.

Sinai

Steinlerche / Ammomanes deserti Foto Maria Hofrichter

Steinschwalbe (Ptyonoprogne fuligula)

Verbreitung: Kommt in Nordafrika und teilweise im Nahen Osten vor, das Areal ist disjunkt. Die Art lebt ganzjährig in den Brutgebieten.

Die Steinschwalbe ähnelt sehr der heimischen Felsenschwalbe, ist aber heller gefärbt. Insbesondere sind die Kehle und die Unterschwanzdecken wesentlich heller. Die Flügelunterseiten sind nur im Bugbereich dunkel, hier aber heller als die sehr dunklen Flügeldecken der Felsenschwalben die dadurch wesentlich kontrastreicher gefärbt ist.

 

Zilpzalp (Phylloscopus collybita)

Verbreitung: Brutvogel von West-Europa bis West-Sibirien in borealer und gemäßigten Gegenden, ferner in Waldinseln mediterraner und subtropischer Gebiete der Südwest-Paläarktis. Nordgrenze in Fennoskandien mit Vorposten bei >70° nördlicher Breite, isoliert auch auf der Krim, im Kaukasus und in Nord-Anatolien.

Vögel der west- und mitteleuropäischen Populationen sind Kurzstreckenzieher, jene der nördlichen Populationen Langstreckenzieher. Hauptüberwinterungsgebiete liegen rund um das Mittelmeer, den Persischen Golf, in Oasen der Sahara, südlich davon im Gürtel der Trockensavanne und im Hochland von Ost-Afrika.

Sinai

Zilpzalp / Phylloscopus collybita Foto Maria Hofrichter

(Akaziengrasmücke (Sylvia leucomelaena))

Die Bestimmung dieser Spezies bleibt unsicher, alle erkannten Merkmale sowie die geeigneten Habitatstrukturen im Beobachtungsgebiet führten zur Diagnose Akaziengrasmücke. Allerdings war der rastlose und sich ständig im Buschwerk des White Canyons verbergende Vogel schwer zu beobachten. Die sehr nahe gelegene Oase Ain Khudra würde geeignete Brutbedingungen für diesen Jahresvogel bieten.

 

Wüstenprinie (Scotocerca inquieta)

Verbreitung: Vorkommen liegen in Nordafrika, dem Vorderem Orient bis Südwest-Asien. Die Art lebt in offenen Landschaften mit (Halb-)Wüstencharakter mit lockerer Trockenbuschvegetation, besonders gern in Wadis, die dichter bewachsen sind als die umgebende Wüste.

Die Wüstenprinie gehört zu den Grasmückenverwandten. Es ist ein kleiner quirliger Vogel, der oft in Zaunkönigmanier den Schwanz aufstellt.

 

Gelbsteißbülbül (Pycnonotus xanthopygos)

Verbreitung: Naher Osten und hier speziell an der südlichen Mittelmeerküste der Türkei, im Westen Syriens, Libanons, in Israel, dem Westen Jordaniens, dem westlichen und zentralen Irak und der Sinai-Halbinsel und weiters in verschiedenen Teilgebieten der arabischen Halbinsel bis zum südwestlichen Oman.

Der Gelbsteißbülbül ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes häufig Jahresvogel. Besiedelt werden Palmenhaine, Parks, Gärten und buschreiche Gehölzanpflanzungen. Gelegentlich ist der Gelbsteißbülbül in Wadis mit Vegetation anzutreffen.

Sinai

Gelbsteißbülbül / Pycnonotus xanthopygos Foto Maria Hofrichter

Tristramstar (Onychognathus tristramii)

Verbreitung: Brutvogel in kargen Gebirgsregionen, vor allem in Schluchten, Wadis und Tälern mit etwas Vegetation, von Ägypten über Israel, Jordanien bis auf die Arabische Halbinsel.

Die Art ist außerhalb der Brutzeit sehr gesellig, häufig in Trupps von 10-15 Individuen. Brütet in Höhlungen steiler Felswände und ist im gesamten Verbreitungsgebiet Jahresvogel.

Sinai

Tristramstare / Onychognathus tristramii Foto Maria Hofrichter

Saharasteinschmätzer (Oenanthe leucopyga)

Verbreitung: Jahresvogel in Nordafrika und im südlichen Nahen Osten.

Brütet in einsamen Berggegenden auf kargen, steinigen Hochebenen, Felsabbrüchen, Schluchten, Wadis, auch im Bereich von Oasen. Wüstenvogel, der sich ohne Vegetation wohl fühlt und felsreiches Gelände bevorzugt.

Es gibt am Südsinai einige sehr ähnliche Arten von Steinschmätzern mit kontrastreicher Schwarz-Weiß-Zeichnung (Schwarzrücken-Steinschmätzer, Kappensteinschmätzer als Überwinterer sowie Felsensteinschmätzer, und Nonnensteinschmätzer als Durchzügler). Beim Beobachten ist auf die Verteilung der Schwarz- und Weißfärbung zu achten, so z.B. auf die Ausdehnung einer Weißfärbung (ist diese auf der Kopfkappe beschränkt, oder reicht sie bis zum Rücken, ist die Bauchfärbung schwarz oder weiß, wie weit reicht die Ausdehnung der schwarzen Kehlfärbung, ist eine schwarze Endbinde am Schwanz vorhanden oder nicht, etc).

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Saharasteinschmätzer / Oenanthe leucopyga Foto Robert Hofrichter

Haussperling (Passer domesticus)

Verbreitung: Natürliche Brutverbreitung von der borealen Zone bis in die wechselfeuchten Tropen der paläarktischen und orientalischen Region. In Europa nicht in Sizilien, Sardinien und Italien südlich der Alpen (ersetzt durch Weidensperling oder Italiensperling) und nicht im äußersten Norden. Östlich des Urals in West-Sibirien weit verbreitet. Entlang der Transsibirischen Eisenbahn bis Amurmündung, südlicher bis zur Gobi. In Nordafrika bis zum Nordrand der Sahara, nach Osten Arabische Halbinsel, Sri Lanka, Nordwest-Malaysia. Eingebürgert in Nord- und Südamerkika, im Süden Afrikas und in Australien sowie Neuseeland und ozeanischen Inseln.

Stand- bzw. Jahresvogel im Brutgebiet, Dismigrationen nur bei Jungvögeln vorkommend.

Sinai

Haussperling / Passer domesticus Foto Maria Hofrichter

Bachstelze (Motacilla alba)

Verbreitung: Weites geschlossenes Verbreitungsgebiet von Nord-Afrika und Europa einschließlich Island und Nordküsten Fennoskandiens nach Osten bis zur Pazifikküste.

Am Roten Meer treten nur Vögel als Überwinterungsgäste auf.

Sinai

Bachstelze / Motacilla alba Foto Hubert Blatterer

Die kommentierte Artenliste ist hier als PDF verfügbar.

Bericht: Kerstin Blassnig (unterstützt durch Maria und Robert Hofrichter)

Fotos: Maria und Robert Hofrichter (wenn nicht anders angegeben)

Redaktionelle Bearbeitung: Walter Buchinger

Graphische Gestaltung: Helmut Wipplinger