Jorgen Randers zum Projekt Das Mittelmeer

Jorgen Randers zum Projekt Das Mittelmeer: … Dramatic policy change is needed

 

MareMundi hat vor einem Jahr auf das Buch „2052“ des wohl bekanntesten Zukunftsprognostikers überhaupt, Jorgen Randers aufmerksam gemacht: „2052: Tun Sie mehr als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen.

Randers wurde 1972 als Koautor der legendären Studie „Die Grenzen des Wachstums“ für den Club of Rome bekannt, der zum Millionenseller wurde und weltweit für Furore und schlechtes Gewissen sorgte. Die Botschaft von „2052“ könnte nicht deutlicher sein: business as usual in Sachen Umwelt kann nicht aufrechterhalten werden!

 

 

Nun unterstützt Jorgen Randers das Projekt „Das Mittelmeer“ (Robert Hofrichter, Hrsg., Springer Spektrum, 2019) durch ein Geleitwort, das in seiner Botschaft ebenso deutlich ist. Es ist eine Ehre und Motivation für das Team, doch im Vordergrund steht die leider realistische Einschätzung des weltberühmten Forschers: Selbst wenn wir in unserem Umgang mit dem Heimatplaneten sofort alles ändern bzw. verbessern würden, würde es zehn Generationen dauern, bis sich ökologische Verbesserungen einstellen könnten. Im besten Fall. Lesen Sie seine Zeilen aufmerksam, es sind nur wenige Sätze, die schwer wiegen:

 

Every day new stories document the continuing degradation of the great ecosystems of the world. Not only its forests and its coral reefs, but also its oceans – both coastal, and even more scary, the abyss. And the more you know about the biophysical world, the more this endless flow of sad news depress you. For the more you know, the better you understand that humanity is doing irreparable damage to its physical environment – or at least damage that it will take ten human generations to repair. This is the time it will take to regrow a mature biodiverse boreal forest after clear-felling or a beautifully balanced coral reef after bleaching.

It is some consolation that the growing damage has come along with – and is indeed a consequence of – an impressive rise in the living standards of billions of people over the last 50 years. But the damage shows that the path taken by humanity is not sustainable. Dramatic policy change is needed if everyone is to live a decent life on our finite planet.

We should not close our eyes to the fact that continued business-as-usual will end the physical world as we know it. We must continue the fight for the nature. We must continue our effort to slow the rate of degradation. We must do so, even when we suspect that we may not succeed. To stay motivated, enjoy the fact that at least you tried to save the wonderful world of the past. Savor the fact that you helped document all what once existed, so future generations will at least know what humanity lost. Finally, draw strength from frequent, non-destructive enjoyment of what still remains of the natural world. Go sail the awesome ocean under a full moon.

 

Jeden Tag belegen neue Geschichten die zunehmende Schädigung der großen Ökosysteme der Welt. Nicht nur ihrer Wälder und Korallenriffe, sondern auch der Ozeane – sowohl an den Küsten als auch, noch erschreckender, in der Tiefsee. Und je mehr man weiß über die biophysikalische Welt, desto mehr bedrückt dieser endlose Strom schlechter Nachrichten. Denn je mehr man weiß, desto besser versteht man, dass die Menschheit ihrer Umwelt irreparablen Schaden zufügt – oder zumindest einen Schaden, den  zu reparieren zehn menschliche Generationen dauern wird. So lange dauert es, bis ein reifer, artenreicher Nadelwald nachwächst nach einem Kahlschlag oder ein wunderschön ausgeglichenes Korallenriff nach einer Bleiche.

Ein kleiner Trost ist, dass der wachsende Schaden entsteht zur gleichen Zeit wie – und tatsächlich als Folge von – einer beeindruckenden Verbesserung der Lebensqualität für Milliaren von Menschen in den letzten 50 Jahren. Aber der Schaden zeigt, dass die Menschheit einen Weg eingeschlagen hat, der nicht nachhaltig ist. Ein dramatisches Umdenken  ist nötig, wenn auf unserem begrenzten Planeten jeder ein annehmbares Leben führen soll.

Wir sollten nicht die Augen davor verschließen, dass ein einfaches Weitermachen wie bisher die Welt, wie wir sie kennen, zerstören wird. Wir müssen den Kampf für die Umwelt weiterkämpfen. Wir müssen uns weiterhin anstrengen, die Schädigungsrate zu bremsen. Wir müssen es tun, selbst wenn wir den Verdacht hegen, dass wir keinen Erfolg haben werden. Um motiviert zu bleiben, freuen Sie sich an dem Gedanken, dass Sie zumindest versucht haben, die wundervolle Welt der Vergangenheit zu retten. Kosten Sie die Tatsache aus, dass Sie geholfen haben, alles zu dokumentieren, was einst existiert hat, damit kommende Generationen zumindest erfahren, was die Menschheit verloren hat. Holen Sie sich schließlich Kraft aus häufigem, nicht schädigendem Genuss dessen, was von der Natur noch übrig ist. Segeln Sie bei Vollmond auf dem staunenswerten Ozean.

 

 

Jorgen Randers, Professor emeritus, Oslo

 

Auch Sie können uns helfen: Informationen zum Projekt: „Das Mittelmeer“

Foto: OceanCare

 

Bericht: Dr. Robert Hofrichter

Titelfoto:  Wikipedia/Jorgen Randers