Frühling in Punat / Foto: Julian Robin

Angesichts des herannahenden Herbstes blicken wir auf eine turbulente und ereignisreiche Frühlingszeit hier in Punat zurück. Eine spannende Schnecke und unser neues Vorstandsmitglied stellen sich vor!

Noch nie zuvor wurde die Vorsaison in Punat so früh begonnen wie heuer. Neben den intensiven Umbauarbeiten an der neuen Station, die bereits im Februar begannen, fanden auch die ersten Schulkurse heuer schon im April statt. Es war sichtlich Frühling auf Krk: Der Waldboden rosa vor blühender Zyklamen, viele Bäume noch in hellem Grün, die Insel fast menschenleer. Auch das Meer schien sich über den Winter gut erholt zu haben von Tourismus und anderen Strapazen des letzten Jahres, und bot tolle Unterwasserlandschaften mit herrlichem Bewuchs. Gerade anfangs führte das kalte Wasser bei den Schülern nicht selten zu erheblichem Gekreische, welches aber durch den Anblick der schönen Unterwasserwelt meist stillem Staunen wich. Doch nicht nur wir waren angetan von den üppigen Braunalgenwäldern, sondern auch Seehasen hielten sich mancherorts recht zahlreich darin auf. Diese braunen, wenige Zentimeter langen Schnecken waren vor allem im Süden der Insel häufig anzutreffen, wo man sie im seichten Wasser ideal beobachten und fotografieren konnte – als Schnorchler ein regelrechter Leckerbissen!

Gemeiner Seehase (Aplysia punctata) im seichten Küstenwasser vor Stara Baska / Foto: Julian Robin

Als Lepus marinus formidabilis („wunderbarer Meereshase“) wurden Seehasen vom Schweden Olaus Magnus bereits im 16. Jahrhundert beschrieben. Ihren Namen verdanken die Schnecken den wie Hasenohren anmutenden Kopftentakeln bzw. Rhinophoren, die der chemischen und physikalischen Wahrnehmung ihrer Umgebung dienen. In der Systematik werden sie innerhalb der Schnecken zur Großgruppe der Opisthobranchia (Hinterkiemerschnecken) gezählt, bei denen als Folge von innerlichen Verschiebungen im Zuge der Ontogenese die Kiemen hinter dem Herzen positioniert sind. Darunter stellen Seehasen eine eigene Familie dar, die etwa 80 Arten zählt und weltweit verbreitet ist. Viele Arten sind endemisch und ihre Ausbreitung beschränkt sich auf relativ kleine geographische Meeresgebiete vorwiegend warmer Gewässer. Aplysia punctata stellt dabei eine Ausnahme dar, da sie vom Mittelmeer bis in die kalten Gewässer des Nordatlantik selbst nördlich des Polarkreises vorkommt, beispielsweise entlang der Küsten Norwegens oder Grönlands. Obwohl die Schnecken auf den ersten Blick an Nacktschnecken erinnern, besitzen sie sehr wohl eine Schale, die allerdings intern über dem Eingeweidesack liegt und gänzlich in Gewebe eingebettet ist. Zur eigenen Abwehr sind manche Arten in der Lage, ähnlich wie bei Tintenfischen, eine lilafarbene Tintenwolke auszustoßen. Größere Bekanntheit unter den Seehasen erlangte vor allem eine Art, Aplysia californica, die entlang der Westküste der USA vorkommt. Es sind die besonders dicken Nervenzellen dieser Art (bis 1 mm Durchmesser), die sie zu einem ausgezeichneten Forschungsobjekt für die Neurobiologie machen, da sie sich gut für Experimente eignen. Die damit verbundene Forschung beschäftigt sich etwa mit neuronalen Grundlagen von Verhalten, Lernen, sowie Gedächtnis und führte den gebürtigen Österreicher Eric Kandel durch seine Studien im Jahr 2000 sogar zum Nobel Preis der Medizin.

Im Mittelmeer ist die wohl häufigste Art dieser Schnecken der gemeine Seehase, Aplysia punctata. Während die Jungtiere vorwiegend Rotalgen fressen, ernähren sich Adulte von Braunalgen und größeren Grünalgen, auf denen sie sehr oft auch paarweise zu sehen sind – die guten alten Frühlingsgefühle eben. Dabei können Seehasen als Zwitter sowohl die männliche, als auch die weibliche Geschlechterrolle übernehmen oder auch ganze Fortpflanzungsketten aus mehreren Tieren bilden. Warum sich gerade heuer so viele dieser Schnecken entlang der Küsten Krks aufhalten, ist uns nicht ganz klar. Diese kleine Unbekannte macht eine Begegnung jedenfalls umso zauberhafter und es bleibt zu hoffen, dass unsere Schüler auch in den nächsten Jahren diese Tiere hier hautnah erleben können.

Sich paarende Seehasen / Fotos: Julian Robin
„Bog“ und Servus!

Ich bin Julian und war heuer als Kursleiter bei MareMundi. Doch nicht nur das: Seit wenigen Monaten darf ich mich auch zum MareMundi Vorstand zählen und nutze daher die Gelegenheit mich der meeresbegeisterten Anhängerschaft des Vereins etwas näher vorzustellen.

Kursleiter Julian in seinem Element / Foto: Florian Robin

Als gebürtiger Tiroler ist man nicht gerade prädestiniert für die Meeresbiologie. Doch gerade die ferne Abwesenheit des Meeres im Tiroler Almwiesen-Alltag schärfte mein Interesse dafür – das Meer eben als etwas außergewöhnliches zu sehen und es deswegen vielleicht umso mehr zu schätzen. Dementsprechend ist die Gaudi groß wann immer ich ans Meer komme. Als Biologie Student an der Uni Innsbruck hatte ich das Glück für ein Auslandssemester nach Spitzbergen zu kommen. Beflügelt von den Eindrücken im hohen Norden wandte sich mein Fokus zunehmend auf polare Gebiete und deren Biologie. Es folgten Aufenthalte auf den Falklandinseln, Grönland und Norwegen, wo ich den Großteil der letzten Jahre verbrachte. Ich konnte dort Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung erleben, dem Gesang 100er Königspinguine lauschen und mit diversen Walen das Wasser teilen. All das brachte mir sehr viel Motivation, vor allem aber ein verstärktes Bewusstsein für die Natur und unseren Umgang mit ihr. An Orten, an denen noch nicht der Mensch die alles bestimmende Kraft ist, merkt man schnell wie unglaublich produktiv und funktionell die Natur sein kann. Zugleich erkennt man unweigerlich, inwieweit sich große Teile „unserer“ Natur von ihrer einstigen Wildnis entfernt haben.

2017 kam ich zum ersten Mal nach Kroatien auf die Insel Krk um bei MareMundi als Praktikant mitzuwirken. Dies wurde recht schnell zu einer Herzensangelegenheit. Abgesehen von den lässigen Aufgaben die mit dieser Arbeit einhergehen, schätze ich besonders den damit verbundenen Mehrwert, nämlich das Schaffen von Bewusstsein und Begeisterung für das Meer. Es ist für die Schüler eine wertvolle Ergänzung zu ihrer schulischen Bildung und gleichzeitig ein effektiver Weg um Themen wie Naturschutz, Verschmutzung, Klimawandel usw. aus erster Hand näherzubringen. Was könnte man sich als junger Biologe Schöneres vorstellen? In diesem Sinne blicke ich schon gespannt den kommenden Saisonen entgegen und bin mir sicher, dass das neue Institut im Hinblick auf die Meere noch ganz viel Gutes bewirken wird.

Literatur:

Carefoot, Thomas H. “Aplysia: its biology and ecology.” Oceanography and Marine Biology 25 (1987): 167.



Bericht und Fotos: Julian Robin
Redaktion: Julian Robin, Helmut Wipplinger