Geheimnisse des Pfauenrades: Der Schönheit auf den Zahn gefü

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Geheimnisse des Pfauenrades: Der Schönheit auf den Zahn gefü

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 03 Mär 2007 10:25

Der Schönheit auf den Zahn gefühlt
Geheimnisse des Pfauenrades



von Robert Hofrichter


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Kaum ein anderer Vogel ist dermaßen zum Sinnbild überschwänglicher Schönheit geworden wie der Pfau. Die schlichte Frage nach dem „Warum“ ist allerdings nicht einfach zu beantworten. Viele berühmte Biologen haben sich darüber den Kopf zerbrochen: Ist die Schönheit eines Pfauenrades evolutionstheoretisch einfach durch die „geschlechtliche Zuchtwahl“ erklärbar? Die Diskussionen waren seit den Zeiten Darwins oft heftig und leidenschaftlich, denn sie berühren letztlich weltanschauliche Standpunkte. Der folgende Beitrag will keine „letzte Antwort“ auf das Warum geben, sondern nur das Interesse des Lesers auf ein bemerkenswertes kulturhistorisches Thema und gleichzeitig eines der unzähligen Geheimnisse der Natur lenken. Auch in Zeiten der „exakten Naturwissenschaft“, in der viele Zoologen den Großteil ihrer Zeit leider nur noch vor Computerbildschirmen verbringen, gibt es nach wie vor genug Dinge zum Staunen - viele von ihnen mit einem mehr oder weniger großen Fragezeichen versehen.


Der Blaue Pfau (Pavo cristatus) gehört zu den ältesten Ziervögeln der Welt. Bereits vor etwa 4000 Jahren gelangte dieser prächtige, mitsamt dem Schwanz bis zu zwei Meter lange Vogel aus seiner Urheimat Indien nach Mesopotamien, der Wiege der Zivilisation, und wurde von dort aus durch die Phönizier weiter zu den Mittelmeervölkern verbreitet. Aus einem wenig anspruchsvollen, widerstandsfähigen und leicht züchtbaren Urwaldbewohner wurde der wohl berühmteste Ziervogel der Welt. Überall fand er seinen Weg in die Gartenanlagen der Großen und Mächtigen. Während aber sein Rad mit den vielen Augen in Indien für den obersten, alles sehenden und wissenden Gott stand, landete der Vogel bei den praktisch gesinnten Römern auch in ihren „lukullischen“ Kochtöpfen. Die Phönizier, der weise König Salomo aus Jerusalem, Alexander der Große und unzählige weitere Völker, Herrscher und Mächtige pflegten ihn auf ihren Höfen, um ihren Reichtum zu demonstrieren. Zweifellos war der Pfau in jener Zeit ein wichtiger Export-Import-Artikel.

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Nur ein Ziervogel?
In der Natur und seinem ursprünglichen Lebensraum ist dieses Prachtfedervieh alles andere als ein „Ziervogel“. Der Pfau als Wildvogel ist ein durchaus lebenstüchtiger Dschungelbewohner, der mit Gefahren wie Tiger und Leopard fertig werden muß. Vor diesen Großkatzen warnen Pfaue durch ihre schrillen Rufe, die - wie bereits seit der Antike immer wieder betont wurde - in krassem Gegensatz zu ihrer Schönheit stehen. Sie erfüllen in der Natur jedoch eine wichtige Funktion und gaben bereits vor Jahrtausenden für Mensch und andere Dschungelbewohner ein Warnsignal vor herannahenden Gefahren. Dem Pfau mit seinem prachtvollen Federkleid würde man kaum zutrauen, daß er ein wichtiger Vertilger von Kobras und dadurch automatisch ein Freund des Menschen ist. Tatsächlich können hohe Pfauenbestände ganze Kobrapopulationen ausrotten; vor allem kleinere Schlangen haben gegen sie kaum eine Chance. Der Pfau ist eben nicht nur ein „Schaufenstervogel“ für gutbetuchte Parkbesitzer.

Das Pfauenrad oder Der Stein des Anstoßes
Vor allem das jedermann bekannte Pfauenrad ist es, was die Menschen an diesem Vogel seit jeher faszinierte und später die wissenschaftstheoretischen Diskussionen anheizte. Es scheint ganz logisch, daß damit Männchen einfach ihre Weibchen - davon haben sie in der Natur immer einen ganzen Harem - beeindrucken wollen. Und es besteht auch kein Zweifel, daß das Pfauenrad mit der Balz dieser Art zusammenhängt. Eigenartigerweise dreht sich der Hahn von einer herannahenden Henne immer wieder seitlich weg oder dreht ihr sogar den wenig spektakulären „Hintern“ zu. Die Henne läuft dann immer wieder vor den Hahn, und dieses Verhaltensrepertoire wiederholt sich mehrmals, bis es schließlich im Idealfall zur Paarung kommt. Auf den ersten Blick gibt es dabei kein großes Geheimnis. Und doch, eine genaue Analyse des Phänomens „Pfauenrad“ hat bei zahlreichen Denkern und Biologen viele Fragen aufgeworfen.


Farbe ist nicht gleich Farbe
Die wunderbaren Farben eines Pfauenrades - wie etwa tiefes, metallisches Blau, Kupfergold, Grünlichgold oder Rötlichgold - entstehen auf zwei grundverschiedenen Wegen. Sie sind eine Komposition aus Pigmentfarben, die eigentliche Farbstoffe sind, und sogenannten Strukturfarben. Ähnlich wie bei Schmetterlingsflügeln sind auch die Strukturfarben der Pfauenfeder keine „Farben“ im eigentlichen Sinn, keine Pigmente also, sondern mikroskopisch kleine, farblose Strukturen (sehr dünne Blättchen), die durch ihre Anordnung das Licht in einer besonderen Weise reflektieren und streuen, so daß dadurch schillernde „Farben“ entstehen. Der Physiker bezeichnet sie als Interferenzfarben. Unter den Blättchen liegt meist noch ein dunkler Farbstoff, der die Farbeffekte der Interferenz weiter verstärkt.
Die eindrucksvollen „Augen“ der Pfauenfedern entfalten ihre volle Wirkung dank einer aus Malerei und Graphik bekannten Raffinesse. Der Farbton der „Pupille“, ein tiefes Blau, verstärkt sich von der Mitte zu einer Seite hin und wird so immer dunkler. Dadurch ist der Kontrast zur helleren Umrandung der „Iris“ intensiver, und die Augen treten optisch stark hervor, ein Phänomen, das man als „Grenzflächenfärbung“ bezeichnet.

Sachen zum Staunen oder Wo liegt das Problem?
Jede einzelne Pfauenfeder mit ihren „Augen“ und ihrem Zusammenspiel der Pigment- und Strukturfarben ist an sich schon ein Wunder. Noch verblüffender ist aber, daß sich unzählige Federn so zu einem Ganzen zusammenfügen, daß aus vielen unabhängigen Teilen ein Ganzes, ein Muster höherer Ordnung entsteht. Man muß darüber staunen, daß einzelne, nebeneinanderliegende Rückendeckfedern ihre „Augen“ genau an bestimmten Stellen haben, so daß das Bild auf dem Rad eine wunderbare, mathematisch regelmäßige Anordnung aufweist. Die einzelnen Federn mit ihren „Augen“ sind nicht alle gleich lang. Ihre Bildung und ihr Wachstum in der Haut des Vogels werden so gesteuert, daß beim fertigen Pfauenrad später jedes „Auge“ am richtigen Platz liegt. Ihre Lage ist nämlich keineswegs zufällig oder chaotisch, sondern nach strengen Regeln und immer gleich angeordnet: In jeder Hälfte bis zur Mittellinie gibt es 14 Längsreihen.

Das zentrale „Goldfederfeld“ hinter dem metallisch blauen Hals und Kopf hat auf uns eine besondere psychologische Wirkung: Es drängt sich nach vorne und scheint näher zu sein, als es ist. Das metallische Blau hingegen scheint genau umgekehrt in den Hintergrund zu treten und zurückzuweichen. Dank diesem Effekt erscheint uns der Pfauenhahn mit seinem Rad noch mystischer.

Wozu die Schönheit?
Die überschwängliche Schönheit des Pfauenrades und des mit dem Pfau verwandten Argusfasans hat immer schon die Neugierde der Biologen und Verhaltensforscher geweckt. Die Ansichten und Erklärungsversuche der Wissenschaftler zum „Warum“ dieser Schönheit waren und sind jedoch widersprüchlich. Schon Aristoteles sah geheimnisvolle, vitalistische Lebenskräfte am Werk, die er Entelechie nannte. Diese wurden viel später vom eigentlichen „Entdecker“ der Evolution, Jean-Baptiste Lamarck, aufgegriffen. Eine „innere Kraft“ oder ein „inneres Bedürfnis“ treibt die Lebewesen an, bestimmte Formen und Gestalten zu entwickeln. „Er wollte schön sein, also wurde er es!“ Solch mystische Vorstellungen hat man rasch verworfen, und der Vitalismus mit seiner geheimnisvollen „Lebenskraft“ ist für die Wissenschaft ein rotes Tuch.

Die „geschlechtliche Zuchtwahl“ oder „Sachen zum Lachen“?
Charles Darwin lieferte die erste Erklärung, die sich auf beobachtbare, meßbare und prüfbare Größe gründete (was keinesfalls bedeutet, daß seine Theorien unumstritten akzeptiert wurden). Der Pfau bereitete ihm aber trotzdem großes Kopfzerbrechen: „Ich erinnere mich sehr gut der Zeit, da schon der Gedanke an ein solches Auge (des Pfauenrades) mich über und über erschaudern ließ. Aber ich habe mich über dieses Kummerstadium hinausentwickelt. Heute sind es eher kleine, aber irritierende Eigenschaften der Struktur, die mich trotzdem beunruhigen. Allein schon der Anblick einer Pfauenfeder, wo ich auf sie stoße und auf sie hinschaue, macht mich krank.“

Darwins höchste Prämisse in seiner Evolutionstheorie war die Zweckmäßigkeit. Nur solche Strukturen konnten sich nach ihm wirklich bewähren und erhalten bleiben, die einen ganz klaren Zweck erfüllten. Der Zufall schuf Mutationen als Rohmaterial der Evolution, und aus ihrer Fülle suchte sich dann die natürliche Zuchtwahl die zweckmäßigsten aus. Zwecklose Schönheit gab es für ihn - und für die meisten modernen Biologen - nicht. Der Zufall als Schöpfer der Schönheit also. Daß der lange Schwanz des Pfaues beim Überleben im Urwald eher ein Hindernis als einen Vorteil darstellte (jeder Spatz kann sich leichter und besser bewegen, fliehen, verstecken...), wurde vom Vater der Evolutionsteorie jedoch nur wenig berücksichtigt.

Beim Pfau und vielen anderen „schönen Dingen“ der lebenden Natur mußte daher eine weitere Erklärung her: Nach Ansicht Darwins ist die „geschlechtliche Zuchtwahl“ für die Entstehung der Federpracht verantwortlich. Nach dieser Theorie wird von den Weibchen immer das beeindruckendste Männchen zur Paarung zugelassen, seine „Schönheit“ wird so genetisch weitergegeben und mit der Zeit immer mehr gesteigert. Auf diese Weise soll sich im Lauf von unzähligen Generationen und vom Schönheitsdrang der Weibchen getrieben, auch das heutige Pfauenrad entwickelt haben. Selbst Darwin als Vater der Theorie wunderte sich allerdings über den guten Geschmack der Pfauenweibchen: „Unzweifelhaft ist es aber eine merkwürdige Tatsache, daß sie (die Pfauenhennen) dieses fast menschliche Maß von Geschmack besitzen.“

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Es wäre ein schwerer Schlag für Darwin gewesen, hätte er etwa hundert Jahre später den Baseler Zoo besuchen können: Dort gab es einen Albino-Pfauenhahn, der so weiß wie ein Schwan war - ohne jegliche Musterung und ohne „Augen“ auf den Federn. Sein Verhaltensrepertoire und seine Instinkte waren aber durch die fehlende Pigmentierung keinesfalls gestört, und er balzte mit seinem Rad die Pfauenhennen genauso an wie seine Geschlechtsgenossen. Und vielfach zogen die Hennen den Albino normalgefärbten Männchen vor. Auf jeden Fall bedeutete das Fehlen des Prachtkleides keinen erkennbaren Nachteil. Auch von den normalgefärbten Pfauen gibt es reinweiße Zuchtformen, den Weißen Pfau. Bei ihm funktioniert die Balz ebenso ohne jegliche Musterung, Färbung oder „Augen“. Der 1982 verstorbene deutsche Biologe Joachim Illies kommentierte daher die Ideen Darwins sarkastisch: „Wenn Pfauenhähne lachen könnten, würden sie gewiß in ein kreischendes Gelächter ausbrechen, wenn sie erführen, daß sie nach Darwins Ansicht durch die strenge Zuchtwahl ihrer Weibchen zur Schönheit gelangt seien.“

Damenwahl oder Herrenwahl?
Was Darwin bei seiner „geschlechtlichen Zuchtwahl“ im Falle der Pfauen übersehen hat, ist folgendes: Bei dieser Spezies, wie bei vielen anderen Hühnervögeln und auch unseren Haushühnern im Stall, gibt es kaum eine „Damenwahl“. Der herrschsüchtige Hahn wartet erst gar nicht darauf, von einem Weibchen ähnlich einer „Mißwahl“ als Schönster ausgesucht zu werden. Auch die Auslese unter den Männchen funktioniert nicht nach dem Prinzip einer Wahl des Schönsten. Es wird gerauft und der Stärkste - nicht der Schönste - siegt. Besonders rauflustig sind Pfauenhähne allerdings nicht.

Schönheit als Folge von Dummheit?
Nobelpreisträger Konrad Lorenz äußerte sich in seinem Werk „Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit“ in der Causa „Schönheit“ auf eine Art, die ihm andere berühmte Kollegen ziemlich übel genommen haben. Er sprach über die mit dem Pfau verwandten Argusfasane, die genauso schön wie Pfauen sind. Das Prinzip trifft aber gleichwohl auf die hier abgehandelten Pfauen zu:
„Neben den Schwingen des Argusfasans ist das Arbeitstempo des westlichen Zivilisationsmenschen das dümmste Produkt intra-spezifischer Selektion.“

Hier wird also die seit Jahrtausenden bewunderte Schönheit als Produkt einer „Dummheit“ präsentiert! Warum? Weil sie sich mit einer rein darwinistischen Zweckmäßigkeit nur schwer erklären läßt. Wessen Dummheit aber soll wohl hinter der Selektion stecken? Joachim Illies lästerte später über diesen Satz:
„Ist es die Dummheit des Zufalls, der Evolution, des Pfaus oder gar Gottes - oder doch eher die des so spekulierenden Betrachters?“
Es ist ein bemerkenswertes kultur- und wissenschaftsgeschichtliches Phänomen: Etwas, was seit Jahrtausenden Bewunderung und sogar religiöse Verehrung hervorgerufen hat und im Mittelalter natürlich noch als Ausdruck der Weisheit Gottes gesehen wurde, interpretiert ein moderner Wissenschaftler als „das dümmste Produkt der Selektion“. Adolf Portmann reagierte ebenfalls auf Konrad Lorenz’ Äußerung:
„Es wäre sachlicher zu gestehen, daß wir über die Entstehung des Musters eines Argusfasans (oder eben Pfauenhahns, Anm. des Autors) nichts wissen.“

Portmann kontra Darwin
Der zitierte Adolf Portmann (1897-1982), ein bekannter Biologieprofessor aus Basel, der sich intensiv mit interdisziplinären Fragen im Grenzbereich von Biologie und Philosophie befaßt und oft die Sonderstellung des Menschen unterstrichen hat, war vom Pfauenrad besonders angetan. Er beschäftigte sich über Jahre mit diesem Naturwunder und mußte letzlich zugeben, daß die Studien zwar „viele neue Aufschlüsse gebracht haben, das Rätsel selbst jedoch nicht gelöst haben. Es ist immer unwahrscheinlicher geworden, daß der Selektionsvorgang, von dem Darwin ausging, ein entscheidender Faktor beim Formwerden, bei der Entstehung dieser seltsamen, wunderbaren Gebilde gewesen ist.“

Weitere Erklärungsversuche
Oskar Heinroth (1871-1945), berühmter Zoologe, Vogelforscher, Mitbegründer der modernen Verhaltensforschung und Lehrer von Konrad Lorenz, sah im Pfauenrad eine weithin sichtbare „Fahne“ oder Aushängeschild für paarungsbereite Hennen - eine einleuchtende Erklärung.
Rudolf Schenkel hingegen meinte, hier einen Hinweis auf die familiäre Zugehörigkeit der Pfauen zur Ordnung der Hühnervögel zu sehen: Bei ihnen kommt es nämlich öfter vor, daß der Hahn der Henne Futter anbietet und sie damit zur Paarung anlockt. Das Pfauenrad soll demnach ein ritualisiertes Futteranbieten „ohne Futter“ darstellen. Die Augen des Pfauenrades als überdimensionale Futterbrocken, als symbolisierte Körner? Nach den „Augen“ des Pfauenrades pickt eine Henne aber nie! Nach den vergleichenden Verhaltensforschern geht es mehr um die ritualisierte Fütterungsbewegung, bei der der Hahn mit gestrecktem Hals und gefächertem Schwanz mit dem Schnabel nach unten deutet, in den „Brennpunkt des Hohlspiegels“ seines Pfauenrades sozusagen. Das Weibchen pickt dann an dieser Stelle nach den vermeintlichen Körnern. Das alles nach dem Motto: „Die Liebe geht durch den Magen“.
Allerdings wird durch diese Schilderung ein Verhalten zwar umschrieben, aber nicht wirklich erklärt. Das Problem wiederholt sich beim Argusfasan: Die Weibchen picken gar nicht nach den „Riesenerbsen“ auf den Federn des Hahnes, und es gibt keinen schlüssigen Beweis dafür, daß sie die Augenflecken überhaupt für Riesenerbsen halten.

Kein Fortschritt seit der Antike?
Erklärungen für die Besonderheiten der Pfauen gibt es schon lange. So verliert der Pfauenhahn im Herbst sein buntes Gefieder, was bereits Aristoteles aufgefallen ist. Der römische Schriftsteller Plinius meinte dazu, daß sich der Pfau für diesen Verlust schäme und aus diesem Grund dichtes Walddickicht aufsuche. Er fand auch eine Erklärung für den häßlichen, lauten Pfauenschrei, der oft nachts ertönt: Der Vogel sieht sich in der Nacht nicht und erschreckt furchtbar, weil er meint, er habe seine Schönheit verloren! Ähnlich, aber doch anders erklärt den häßlichen Schrei der „Physiologus“, ein christlich-zoologisches Buch aus dem 2. Jahrhundert: Den Schrei stößt der Pfau dann aus, wenn er seine Füße erblickt, diese seien nämlich im Vergleich zu seiner sonstigen Schönheit sehr häßlich.
Der Kirchenvater Augustinus meint im 5. Jahrhundert, daß das Fleisch der Pfauen unverweslich ist, ein passendes Symbol für die Unsterblichkeit des Menschen (bzw. seiner Seele) also. Unter den zahlreichen weiteren kuriosen Ansichten über Pfauen soll nur noch Hildegard von Bingen erwähnt werden, die „heilige Zoologin“ des Mittelalters. Nach ihr haben Pfauen ein „tückisches und blutschänderisches Wesen“. Sie entstanden, indem sich „kleine, wilde Tiere mit Vögeln geschlechtlich vermischten“.
Im Vergleich zu solchen Ansichten ist in den Erkärungen der modernen Wissenschaft sicherlich ein Fortschritt zu erkennen. Lassen wir uns überraschen, welche neue Ansichten über die Schönheit der Pfauen und die Schönheit überhaupt kommende Generationen von Biologen entwickeln werden!
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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