Wichtige mediterrane Arten: Marine Pilze, "Meerespilze"

Vorstellung der Schlüsselarten aus dem Mittelmeer

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Dr. Robert Hofrichter
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Wichtige mediterrane Arten: Marine Pilze, "Meerespilze"

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 07 Apr 2010 18:08

Unser mare-mundi virtuelles Mittelmeer aus 200 Bausteinen wird in der Woche nach Ostern "ans Netz" gehen!

Wichtige mediterrane Arten/Lebensräume als Mittelmeer-Bausteine:
Marine Pilze - Thalassoascus tregoubovii

:arrow: Baustein-Nummer: 80
:arrow: Wert: 1.000 €

:arrow: Alle Informationen zum mare-mundi Mittelmeer Baustein-Projekt und wie Sie einen Baustein erwerben können direkt auf der Webseite von mare-mundi http://www.mare-mundi.eu

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:arrow: Ihre Navigationshilfe bei der Suche nach dem gewünschten Baustein: Die Mittelmeer-Bausteine mit den dazugehörigen Arten/Lebensräumen können Sie nach folgenden Kriterien sortiert betrachten und aussuchen:

systematisch (nach der biologischen Zugehörigkeit) https://mare-mundi.org/forum/view ... 793#p15793
alphabetisch (bei manchen Arten nur wissenschaftliche Namen vorhanden) https://mare-mundi.org/forum/view ... =60&t=4953
• nach der Nummerierung der Bausteine im virtuellen Mittelmeer https://mare-mundi.org/forum/view ... =60&t=4954
• nach dem Wert der Bausteine https://mare-mundi.org/forum/view ... =60&t=4955
• die 10 ausgewählten Lebensräume gesondert https://mare-mundi.org/forum/view ... =60&t=4956
allgemeine Einführung zur Biodiversität des Mittelmeeres https://mare-mundi.org/forum/view ... 792#p15792
Übersicht der bereits vergebenen Mittelmeer-Bausteine https://mare-mundi.org/forum/view ... =60&t=4957
Sie nützen dem Mittelmeer, doch was nützt Ihnen dieser Baustein? http://www.mare-mundi.eu/index.php?opti ... &Itemid=65
• alle Themen und umfassendere Beschreibungen der Arten (im Forum) https://mare-mundi.org/forum/viewforum.php?f=60

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:arrow: Thalassoascus tregoubovii - (marine) Pilze, Fungi

:arrow: Ihre Wahl: Haben Sie schon vorher gewusst, dass es marine Pilze überhaupt gibt? Meerespilze? Wenn ja, sind Sie ein wahrer Kenner des Meeres, denn selbst viele (Meeres)Biologen wissen nichts von diesen Organismen. Wissenschaftler wurden von anderen Wissenschaftlern sogar belächelt, weil sie sich mit marinen Pilzen beschäftigt haben. Tatsächlich leben im Meer Pilze und haben dort eine enorme Bedeutung - nur darf man sich diese nicht so vorstellen wie etwa die Fruchtkörper von Fliegen- oder Herrenpilzen im Wald. Marine Pilze spielen als Mikroorganismen im Meer eine enorme ökologische Rolle. Durch diesen Baustein machen Sie selbst Fachleute auf eine verkannte Gruppe von Organismen aufmerksam!

:arrow: Was sind Pilze? Die Pilze bilden neben den Archaea, Bacteria, Protista, Plantae (Pflanzen) und Animalia (Tiere) ein selbstständiges, klar abgegrenztes Reich unter den Organismen. Unser Wissen über ihre mikroskopisch kleinen marinen Vertreter ist sehr beschränkt, denn sie gehören zu den am wenigsten erforschten Meeresorganismen.

:arrow: Charakteristik: Pilze und pilzähnliche Protisten sind eukaryotische (einen oder mehrere echte Zellkerne enthaltende) heterotrophe Mikroorganismen. Ihre Energiegewinnung erfolgt durch extrazellulären Abbau organischer Verbindungen und anschließende osmotrophe (absorptive) Aufnahme in den Organismus. Pilze besitzen keine Plastiden (Organellen der Photosynthese bei „pflanzlichen“, also autotrophen Organismen), jedoch Mitochondrien, Peroxysomen und Golgiapparate oder spezielle Zisternen. Die Zellen haben rigide Zellwände aus Chitin oder/und ß-Glucanen, selten auch Zellulose. Der Thallus ist einzellig oder filamentös. Flagellen finden sich nur bei den pilzähnlichen Protisten (Chromista) und bei den eingeißeligen Chytridiomycota. Allen übrigen Pilzklassen fehlen frei bewegliche Entwicklungsstadien; sie sind an ihre Substrate gebunden. Die Vermehrung erfolgt sexuell oder asexuell durch Sporen.

:arrow: Ökologische Bedeutung: Ökologisch spielen die Pilze als Destruenten eine wichtige Rolle bei der Remineralisierung toter organischer Substanz (Detritus). Außerdem dienen sie verschiedenen Organismen als Nahrung. Für den Menschen bedeutsam sind Pilze vor allem zur Lebensmittelherstellung (Wein-, Bier- und Käsezubereitung), als Nahrungsmittel (Champignons, Pfifferlinge etc.) sowie als Lieferanten unentbehrlicher Wirk- und Werkstoffe (Penicilline, Cephalosporine, Enzyme, Polymere). Mit ihrer Hilfe lassen sich Reaktionen beschleunigen und zahlreiche Krankheiten von Pflanze, Tier und Mensch bekämpfen. Da die Wirksamkeit der relevanten Medikamente mit der Zeit nachlässt (Resistenzbildung), müssen ständig neue Wirkstoffe entdeckt und entwickelt werden.

:arrow: Systematik: keine eigene Verwandtschaftsgruppe: Die „marinen“ Pilze stellen keine eigenständige, systematisch-taxonomische Kategorie innerhalb der Fungi dar, sondern sind vielmehr eine ökophysiologisch definierte Gruppierung unter den Pilzen. Wie die Tabellen in diesem Kapitel zeigen, handelt es sich um Pilze unterschiedlicher Taxa, die im Meer leben und an den Stoffumsetzungen ihrer Habitate aktiv beteiligt sind. Man unterscheidet drei Gruppen von im Meer vorkommenden Pilze - je nach dem Grad ihrer Bindung bzw. Zugehörigkeit zum marinen Milieu:
• „obligat marine Pilze“, die ausschließlich im Meer wachsen und sich nur dort vermehren;
• „fakultativ marine Pilze“, die außer im Meer auch in anderen Lebensräumen vorkommen;
• „marine Pilzisolate“, die zwar lebens- und wachstumsfähig aus dem Meer isoliert werden, aber deren aktive Beteiligung an den Stoffumsetzungen im Meer noch fraglich ist.

Als „nicht marine Pilze“ gelten diejenigen Pilzkeime, die zwar in Form ruhender Sporen aus dem Meer isoliert werden können, dort aber grundsätzlich nicht wachsen und an den Stoffumsetzungen im Meer nicht aktiv beteiligt sind (typische Land- und Süßwasserpilze).
Die Größe der Zellen mariner Pilze bewegt sich zwischen 2 und 200 Mikrometern; selten können Strukturen von einigen Millimetern gebildet werden (Fruchtkörper und langgestreckte, mehrzellige Hyphen höherer Pilze). Insgesamt sind die Strukturen der Meerespilze (wie auch der limnischen Pilze) deutlich kleiner als diejenigen der terrestrischen Pilze. Die Dichte (Abundanz) der im Meer anzutreffenden Pilzkeime erreicht beachtliche Werte von bis zu mehreren 100000 Individuen pro Liter Meerwasser oder Sediment (!).

:arrow: Erforschungsgrad: Wie viele Arten gibt es? Der Erforschungsgrad mariner Pilze ist unzureichend. Die angegebenen Zahlen ermöglichen aber zumindest eine Orientierung. Weltweit sind etwa 80000 Pilzarten beschrieben. Die tatsächliche Biodiversität der Pilze und pilzähnlichen Protisten wird von Experten auf bis zu 1,5 Millionen geschätzt. Die Größe der Pilze und ihrer Strukturen umfasst einen weiten Bereich; sie liegt bei wenigen Mikrometern bis Zentimetern, im Extremfall aber auch Metern und Kilometern (Durchmesser eines Pilzgeflechts im Boden der USA). Die Anzahl der aus dem Mittelmeer bekannten marinen Pilzarten ist mit ca. 139 (17 % aller im Meer vorkommenden Pilze) relativ gering. Unter Zugrundelegung einer Gesamtzahl von rund 6000 zur Zeit bekannten marinen Arten - also einschließlich aller „marinen Pilzisolate“ - würde der Anteil der im Mittelmeer gefundenen marinen Fungi sogar nur 7,5 % ausmachen.

Die scheinbar geringe Biodiversität der marinen Pilze im Mittelmeer dürfte jedoch eher auf mangelnde Forschungsaktivität in dieser Region als auf Besonderheiten des mediterranen Lebensraumes zurückzuführen sein.

:arrow: Lebensraum und Lebensweise: Der bevorzugte Lebensraum der Pilze ist zwar die Geosphäre, weit verbreitet sind sie aber auch in der Hydrosphäre, also im Meer- und Süßwasser. Fungi besiedeln sämtliche Klimazonen von der Arktis über die nördlichen bzw. südlichen gemäßigten Breiten, die Subtropen und Tropen bis in die Antarktis. Viele Pilzarten sind ubiquitär verbreitet. Andere dagegen sind mehr oder weniger eng auf bestimmte Klimazonen oder ausgewählte Biotope beschränkt.

Die Lebensweise der Pilze ist saprophytisch, parasitisch oder symbiontisch. Letzteres bedeutet, dass bestimmte Arten mit verschiedenen anderen Organismen in bemerkenswerten Partnerschaften leben können. Die bekannteste ist die der lichenisierten Pilze (= Flechten): Pilze bilden mit Algen oder Cyanobakterien eine neuartige Lebensform mit eigener Gestalt und Struktur. Ebenso bekannt dürfte die Mycorrhiza genannte Symbiose zwischen Pilzen (Mykobiont) und Gefäßpflanzen (Phytobiont) sein, wobei die Pilzhyphen mit den Wurzeln der Pflanzen in Stoffaustausch treten. Seltener sind die so genannten Mycophycobiosen, wobei es sich um obligat symbiontische Assoziationen zwischen Algen und marinen Pilzen handelt, bei denen der Habitus der Alge dominiert. Noch in der Erforschung befinden sich die Assoziationen zwischen Schwämmen und marinen Pilzen, wobei sich interessante Aspekte im Hinblick auf die Sekundärmetabolitenproduktion der Schwämme und der Pilze ergeben.

Die Lebens- und Ernährungsweise der marinen Pilze des Mittelmeeres unterscheidet sich - abgesehen von dem marin-aquatischen Milieu - nicht wesentlich von derjenigen der Pilze insgesamt. Auch unter ihnen finden sich neben Saprophyten und Symbionten Parasiten und Pathogene. Die Tabellen in diesem Kapitel geben Auskunft über die Lebensweise der einzelnen Arten sowie ihre Substrate im Mittelmeer.

Marine Pilze besiedeln sowohl das Pelagial als auch das Benthal des Mittelmeeres. Neben der planktischen Lebensweise (Mykoplankton) ist die substratgebundene (fixosessile) benthische Lebensweise vorherrschend. In Bezug auf das Plankton unterschiedet man zwischen primär und sekundär planktischen Meerespilzen. Bei Ersteren handelt es sich um frei im Wasser treibende, nur in geringem Maße zur Eigenbewegung befähigte, begeißelte Entwicklungsstadien pilzähnlicher Protisten und Chytridineen (Zoosporen) sowie passiv driftende sexuelle und asexuelle Sporen höherer Meerespilze. Letztere bestehen aus den das Zoo- und Phytoplankton sowie andere treibende Substrate besiedelnden, parasitischen und saprophytischen Meerespilzen, die somit als sekundäres Mykoplankton bezeichnet werden können.

Doch auch das Benthal mit seinen diversen Sedimenten, seiner Flora und Fauna sowie der sich am Meeresboden ansammelnden, toten organischen Substanz werden von Pilzen besiedelt. Angefangen mit den Substraten des Supra- und Mediolitorals (Reste der Küsten- und Ufervegetation, Strandsand, angeschwemmtes Treibgut, Holz, abgerissene Seegras- und Algenteile, sowie anthropogene Abfälle), über das Infra- und Circalitoral (Seegräser, Algen, Schwämme und andere sessile Tiere) bis in wenige 100 Meter Wassertiefe sind Pilzfunde aus dem Mittelmeer bekannt.

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Wir haben mit dem Bau unseres Mittelmeeres bereits begonnen! Sichern Sie sich Ihren Baustein zeitnah - damit auch Sie an der baldigen Fertigstellung beteiligt sein und an der Sicherung der wundervollen mediterranen Welt und ihrer Artenvielfalt mitwirken können. Suchen Sie sich Ihre bevorzugte mediterrane Art aus, ob Großer Tümmler, Mönchsrobbe oder Neptungras - und melden Sie sich bei uns!

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Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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