Herpetologische Streifzüge durch die Azoren

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Dr. Robert Hofrichter
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Herpetologische Streifzüge durch die Azoren

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 03 Mär 2007 10:01

Herpetologische Streifzüge durch die Azoren

Ein Bericht von Robert HOFRICHTER

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Nach einem durchaus ruhigen Flug über den Atlantik taucht aus der weißen Wolkenhülle ein hoher Vulkankrater auf, während der kurz darauf folgenden Landung bekommen wir zahlreiche kleinere grünbewachsene Vulkankegel zu sehen. Das bisher ruhige Flugzeug macht einige heftige Sprünge. Kräftige Windböen - erste Vorboten des unbeständigen Azoren-Wetters - sorgen für Turbulenzen. Die unerfahreneren Fluggäste sehen etwas beunruhigt um sich. Die „Erfahrenen“ sind hingegen von den Eskapaden des Flugzeugs nicht überrascht: Hier in der „Wetterküche Europas“ sind heftige Windstöße nichts ungewöhnliches. In einigen Sekunden landen wir bereits auf der kurzen Landebahn des Flughafens von Faial, einer der neun Inseln des Azoren-Archipels.

Die Entstehung der Inseln
Die Azoren sind ausnahmslos vulkanischen Ursprungs. Sie liegen in einem Gebiet, das geologisch eine Sonderstellung einnimmt: Drei Kontinentalplatten, die amerikanische, afrikanische und eurasiatische, treffen hier aufeinander, und an ihren Stoßstellen kann Magma empordringen. Die Inseln sind geologisch gesehen relativ „jung“: Santa Maria ist mit etwa 8 bis 14 Mio. Jahren die älteste unter ihnen, der westliche Teil Picos ist hingegen nur 250 000 Jahre alt. 1958 ist im Westen Faials ein neuer Krater aus dem Meer gewachsen. Das war das letzte größere Zeugnis der immer noch unruhigen Erdkruste unter dem Mittelatlantischen Rücken. Aber auch Geysiere und „Heiße Erde“ sind als touristische Attraktionen auf die selbe Ursache zurückzuführen. Kleinere Erdbeben werden von den Seismologen alltäglich registriert. Erst 1998 hat ein stärkeres Beben für Schlagzeilen gesorgt.

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Wie kamen die Tiere auf die Inseln?
Biogeographisch gehören die Azoren zur sogenannten Makaronesischen Region. Der aus der Pflanzenkunde stammende Begriff wurde 1879 durch den deutschen Botaniker A. ENGLER geprägt und umfaßt die Azoren, Madeira und die Kanarischen Inseln. Die politisch zu Portugal zählenden Archipele Madeira und Azoren stehen erdgeschichtlich in keinem Zusammenhang mit dem europäischen Festland - genauso wenig wie die meisten Kanareninseln mit Afrika - und waren mit diesem nie verbunden. Wie konnte es dann aber zu ihrer Besiedlung durch Lurche und Kriechtiere kommen?
Bei der Beantwortung dieser Frage muß zwischen den einzelnen Archipelen aber auch zwischen Amphibien und Reptilien unterschieden werden. Die weit südlich liegenden Kanaren sind mit ihrer östlichsten Inselspitze nur 100 km von der westafrikanischen Küste entfernt. Die vorherrschende Windrichtung und auch die Meeresströmung ermöglichten die Besiedlung durch verdriftete Tiere von Nordwestafrika aus. Die auf den Kanaren reichlich vertretene autochthone Echsenfauna hat also die Inseln auf Baumstämmen oder anderen driftenden Gegenständen erreicht und so auch die weitere Verbreitung zwischen den einzelnen Inseln erfahren. Obwohl es im ersten Moment nur schwer vorstellbar ist, gibt es für die Art der Besiedlung wohl keine andere Alternative. Das trifft allerdings nur auf die Reptilien zu. Für Amphibien kommt aber eine lange Reise auf einem Baumstamm durch das offene Meer kaum in Frage. Sie haben im Unterschied zu den Reptilien eine ungeschützte, nackte Haut und trocknen leicht aus. Sie würden auch die langandauernde osmotische Belastung durch das salzige Meerwasser nicht ertragen. Es ist daher sicher, daß Amphibien auf alle drei Archipele durch den Menschen eingeschleppt wurden.

Madeira
Madeira liegt bereits etwa 600 km vor der Küste Marokkos und etwa 800 km nördlich der Kanaren. Nur eine endemische Art, nämlich Teira dugesii (früher Podarcis dugesii), die Madeira-Mauereidechse, kommt auf Madeira vor. Ihre nächst verwandte Art lebt in Nordwestafrika und auch hier kann die Besiedlung nur durch Verdriftung erfolgt sein. Das ist in Hinblick auf die Wind- und Strömungsrichtung zwar nicht mehr so leicht vorstellbar ist wie im Falle der Kanaren, aber passiert ist es offensichtlich mindestens einmal doch.

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Die Azoren
Die neun Inseln der Azoren liegen recht abgelegen im Atlantischen Ozean - grob gerechnet in einem Drittel der Distanz zwischen Europa und Amerika. Die Entfernung der östlichsten Insel zum europäischen Festland beträgt etwa 1500 Kilometer. Das macht sich sogar bei der marinen Fauna - sowohl bei den Fischen als auch den Wirbellosen - bemerkbar. Im Vergleich zu den südlicher gelegenen Inseln des Madeira-Archipels und der Kanarischen Inseln ist die Artendiversität der Azoren um einiges niedriger. Die Anzahl der Fischarten beträgt - seltene Besucher und Hochsee- und Tiefseefische mit eingerechnet - etwa 420, was um etwas mehr als hundert Arten weniger ist als auf den südlicheren Inselgruppen. Ein gutes Beispiel liefert die Fischfamilie der Meerbrassen (Sparidae): Während es bei den Kanaren noch 24 verschiedene Arten Meerbrassen gibt, leben bei Madeira nur noch 15 Arten und rund um die Azoren 7 Arten. Es ist daher einleuchtend, daß auch die Herpetofauna des Azoren-Archipels nur aus eingeschleppten Arten bestehen kann - eine andere Möglichkeit gibt es in Hinblick auf den vulkanischen Ursprung der Inseln „mitten im Atlantik“ nicht. Zu groß ist die Distanz zum nächsten Kontinent. Auch die vorherrschenden Winde und Meeresströmungen schließen eine andere Möglichkeit aus.

Die Fauna und Flora der Azoren
Neben Haustieren, die es überaus zahlreich gibt - auf Faial soll es neben 14.000 Einwohnern genauso viel Vieh geben - fallen an Land eigentlich nur die unzähligen Kaninchen auf. Um so reichlicher ist die Vegetation, die sich im warmen und feuchten Klima des Archipels sichtlich wohl fühlt. Mehr als 400 Moosarten und fast 900 Arten Gefäßpflanzen wurden hier gezählt. Zu den auffälligsten zählt die aus Japan stammende Hortensie, besonders wenn man die Inseln zu ihrer Blütezeit zwischen Juni und Ende August besucht. Die höher gelegenen Bereiche verwandeln sich dann in ein hellblaues Blütenmeer. Bisher wurden etwa 60 endemische Pflanzenarten festgestellt, das heißt, sie kommen nur hier und nirgendwo sonst auf der Welt vor.
So abgelegen die Azoren im Atlantiks auch sind, von der globalen Verschmutzung unseres Planeten bleiben sie nicht ganz verschont. In einem 1988 erschienenem Buch über die Azoren heißt es: „Über Umweltverschmutzung redet man auf den Azoren nicht, ganz einfach, weil es sie dort nicht gibt.“ Dies ist leider ein Irrtum. Neuere Untersuchungen über die Schwermetallbelastung von Fischen zeigen in erschreckender Weise, daß „das Böse“ überall lauert und nicht hausgemacht sein muß, und daß in dieser Hinsicht die ganze Welt nur ein kleines Dorf ist. Bei verschiedenen Fischarten wurden relativ hohe - und sicherlich nicht hausgemachte - Quecksilberkonzentrationen gefunden, die sich bereits bei Kindern - die Azoreaner essen relativ viel Fisch - nachweisen lassen.

Ein Irrtum gibt den Inseln den Namen
Das die Azoren heute Azoren heißen, ist auf die ungenügende Kenntnis der Zoologie der frühen Seefahrer zurückzuführen. Die Entdecker der Inseln sahen häufig viele Vögel über den Inseln ihre Kreise ziehen und hielten diese für Habichte (= Aáores). In Wirklichkeit handelte es sich um Bussarde, die auch heute noch genauso häufig zu sehen sind. Die Azoren müßten also eigentlich „Buteres“ (buteo = Bussard) heißen. Diesen Irrtum kann man den Seefahrer allerdings nicht übel nehmen: Auch heute können nur die wenigsten Menschen - mit Ausnahme einiger begeisterten Ornithologen - einen weit in den Lüften kreisenden Habicht von einem Bussard unterscheiden.
Die meisten Besucher werden sich - wenn es um Tierbeobachtungen geht - wahrscheinlich in Richtung Meer orientieren. „Whale watching“ heißt das Zauberwort, seitdem der Walfang endgültig eingestellt wurde. Wale sind zwar nicht immer zu sehen, manche „ehrliche“ Anbieter haben daher ihr Angebot auf „Whale and dolphin watching“ erweitert. Delphine begleiten auch tatsächlich bei jeder Fahrt zu Hunderten die schnellen Schlauchboote. Am häufigsten begegnet man Großen Tümmlern (Tursiops truncatus), die vergnügt in der Bugwelle des Motorbootes schwimmen oder auch aus dem Wasser springen, Blau-weiße Delphine (Stenella coeruleoalba), Gemeine Delphine (Delphinus delphis), seltener auch Rundkopfdelphine (Grampus griseus).

Die Herpetofauna der Azoren
Mich lockte neben den Delphinbeobachtungen und beeindruckenden Tauchgängen unter unzähligen Fischen die Herpetofauna des Archipels. Was die Reptilien betrifft, sie muß man nicht lange suchen: kleine Eidechsen sind allgegenwärtig und nicht zu übersehen. Einer kleiner Suchexpedition bedarf aber - so zumindest für einen ortsunkundigen auf der Insel Faial - die Suche nach Amphibien.
Es ist nicht ganz einfach, eine genaue Artenliste der Herpetofauna der Azoren (oder auch Madeiras) zu erstellen. Der Grund dafür ist das wiederholte Auftauchen von Gerüchten über das Vorkommen kontinentaler Arten auf den Inseln, die in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar sind. Nicht einmal die Zoologen der Universität auf Faial konnten mir genau sagen, welche Amphibienarten dort eigentlich vorkommen. Es ist möglich, daß es durch mißglückte Einbürgerungsversuche tatsächlich zu Einzelbeobachtungen von verschiedenen eingeschleppten Amphibien- und Reptilienarten kam. Sie konnten sich jedoch offensichtlich nicht etablieren. So wurden von Madeira mehrmals Funde von Grasfröschen (Rana temporaria) gemeldet, wobei es sich wahrscheinlich um Verwechslungen mit dem Iberischen Wasserfrosch (Rana perezi) handelte. Angeblich wurden auch schon Erdkröten (Bufo bufo) gesichtet.
Rudolf MALKMUS, ein ausgezeichneter Kenner der portugiesischen Herpetofauna führt daher in seinem Buch über die Amphibien- und Reptilienarten Portugals (1995) für die Azoren nur solche Arten auf, die sich tatsächlich etabliert haben und über längere Zeiträume reproduzierende Populationen gebildet haben. Es gehören nur drei Arten dazu: die Madeira-Mauereidechse Teira (Podarcis) dugesii, der Iberische Wasserfrosch Rana perezi und der Alpenkammolch Triturus carnifex.

Die Madeira-Mauereidechse
Teira (früher Podarcis) dugesii, die Madeira-Mauereidechse (MILNE-EDWARDS, 1829), ist eine endemische Art Madeiras, die zu einem unbekannten Zeitpunkt auf die Azoren verschleppt wurde. Sie kommt hier auf den Inseln Faial, Graciosa, Terceira, Sao Miguel, Santa Maria und Pico, also sechs von insgesamt neun Inseln vor. BISCHOFF et al. (1989) unterscheiden bei ihr drei Unterarten: T. dugesii dugesii, T. dugesii selvagensis von den Islas Selvagens und T. dugesii jogeri von der Madeirainsel Porto Santo. Auf Faial, wo ich meine Beobachtungen machte, besiedelt T. dugesii dugesii besonders die felsigen Küstenbereiche und ist nur selten in höher gelegenen Regionen zu finden. Am häufigsten kommen die kleinen Eidechsen in der Nähe menschlicher Siedlungen vor, wo sie Steinhalden, Terassenmauern, spaltenreiche Felsenküsten und nahezu jede sich bietende Nische in hoher Dichte besiedeln. Ihre Bindung an die Nähe von Hafenorten wird von MALKMUS als ein Hinweis auf ein nicht zu lange zurückliegendes Einschleppen gedeutet, wobei die Expansion ins Hinterland nur langsam erfolgt.

Vegetarische Eidechse?
Das auffälligste an der Madeira-Mauereidechse ist ihre Vorliebe für das Erklimmen der Vegetation. In ein bis zwei Meter Höhe sitzen die Eidechsen zu Dutzenden auf gelben Blütenständen und naschen hier offensichtlich am Nektar und Blütenstaub. Die Blüten locken natürlich auch Insekten, vor allem Fliegen an. Ich konnte jedoch nicht beobachten, daß der günstige Standpunkt auf den Blüten der Insektenjagd diente. Es war deutlich zu sehen, wie die Eidechsen mit ihren Zungen genüßlich an den Blüten leckten. Bei jedem Annäherungsversuch ließen sie sich wie ein Stein zum Boden fallen und verschwanden in der dichten Vegetation oder zwischen Steinen. Die Eidechsen kommen auf den Blüten in hohen Dichten vor, wobei die Entfernung zwischen den Nachbarn manchmal nur 25 Zentimeter beträgt. Die Territorialität scheint hier keine so große Rolle zu spielen, ganz im Gegensatz zu Mauern und Steinhalden, dem eigentlichen Lebensraum der Mauereidechsen: Die Männchen kämpfen hier immer wieder um ihre Territorien, sobald ein Artgenosse zu nahe kommt.
Die Vorliebe von Teira dugesii für pflanzliche Kost ist auch in der Literatur dokumentiert. Angeblich verursachten diese Eidechsen durch ihren hohen Traubenkonsum beträchtliche Schäden in den Weinbergen und wurden daher auf Madeira auf brutale Weise bekämpft (SARMENTO, 1948, MALKMUS, 1995).

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Der Iberische Wasserfrosch
Der Iberische Wasserfrosch (Rana perezi SEOANE, 1885) galt lange Zeit als Unterart des Seefrosches (Rana ridibunda). Er gehört zu den häufigsten Amphibienarten der Iberischen Halbinsel. Über die Zeit seines Einschleppens auf die Azoren gibt es keine einheitliche Meinung. Manche vermuten, daß sie bereits im 16. Jahrhundert erfolgte, neuere Arbeiten gehen jedoch davon aus, daß die Frösche in Zusammenhang mit der Malariabekämpfung Anfang des 19. Jahrhunderts eingeschleppt wurden. Der Iberische Wasserfrosch ist ein ausgesprochener Generalist, der mit Ausnahme von schnellfließenden Gebirgsbächen nahezu alle Gewässertypen akzeptiert. In hoher Zahl besiedelt er auch die kleinsten künstlichen Gewässer, deren Wasserqualität bereits auf den ersten Blick Mißtrauen erweckt. Mit Ausnahme des Kratersees in der Calderra von Faial - dieser war zur Zeit unseres Besuches nahezu ausgetrocknet - sind natürliche Kleingewässer auf dieser Insel rar. Man findet sie am ehesten in den tief eingeschnittenen Schluchten, die nur bei starken Regenfällen Wasser führen. Immer wieder sind hier kleine, wassergefüllte Kolke zu sehen, in die sich der Wasserfrosch gern zurückzieht. Wasserfrösche sind an sonnigen Tagen häufig beim Sonnenbaden in unmittelbarer Gewässernähe zu beobachten, in der Nacht, besonders bei Regen und hoher Luftfeuchtigkeit, unternehmen sie dann auf der Suche nach Nahrung auch längere Wanderungen. Die nächtlichen Ausflüge führen dazu, daß neu entstandene Gewässer rasch von dieser Art besiedelt werden.
Die Schluchten der Gebirgsbäche gehören zu den ursprünglichsten Landhabitattypen der Inseln. Inmitten von ausgedehnten, durch den Menschen geprägten Weideflächen durchziehen diese kleinen, wildromantischen Canyons die Landschaft und sind meist nur schwer zugänglich. Auf ihren steilen Wänden gedeiht üppige Vegetation, deren Kronendach das Bachbett wie ein Baldachin bedeckt. Die hohe Luftfeuchtigkeit, häufig auftretender Dunst und Nebel und dichte Vegetation machen die Canyons tropischen Regenwäldern ähnlich.
Obwohl Rana perezi zu den „Grünfröschen“ zählt, sind auf der Iberischen Halbinsel häufig gemischte Populationen mit grünen und braunen Exemplaren zu beobachten. Die auf Faial gesichteten Tiere waren ausnahmslos dunkelbraun gefärbt - ohne jede Spur eines Grüns. Die Reproduktionsperiode der Iberischen Wasserfrösche hat sich auf den Inseln den veränderten Klimabedingungen angepaßt und beschränkt sich nicht auf den Frühling oder Frühsommer. Sogar im September wurde auf Sao Miquel noch frischer Laich gefunden.

Ein Gast aus den Alpen
Das Einschleppen des Alpenkammolches Triturus carnifex läßt sich - im Gegensatz zu den zwei bisher beschriebenen Arten - recht gut rekonstruieren. SVANBERG (1975) hat zum ersten Mal auf das Vorhandensein eines Molches auf der Azoreninsel Sao Miguel aufmerksam gemacht und bestimmte diesen irrtümlich als Triturus cristatus. Nachforschungen ergaben, daß der ehemalige Direktor des Museums „Carlos Machado“ in Ponta Delgada sie ursprünglich für ein Schauaquarium auf die Azoren bringen ließ, dieses jedoch nicht eingerichtet wurde und die Tiere dann Anfang der 20er Jahre unseres Jahrhunderts freigelassen wurden. In den zahlreichen Viehtränken und Brunnen der Inseln fand die Art ideale Reproduktionsgewässer vor und breitete sich rasch aus. Das Vorkommen von T. carnifex beschränkt sich wahrscheinlich auf die Inseln Sao Miquel.

Die Azoren - ein Reiseziel für Individualisten
Der westlichste Punkt Europas lockt all diejenigen, die dem Massentourismus aus dem Weg gehen. Dieser hat sich besonders dort etabliert, wo unzählige Charterflüge ebenso unzählige Sonnenhungrige hinbringen, wo es endlose, von Hotels gesäumte Sandstrände gibt mit unendlich vielen Sonnenschirmen und Liegestühlen. All das ist auf den Azoren unbekannt: Es gibt weder billige Charterflüge, noch ist dort der Sonnenschein garantiert. Die sprichwörtlichen „vier Jahreszeiten am Tag“ würden dem reinen Badetouristen kaum gefallen. Nur über den Umweg über Lissabon ist die Einreise aus Europa möglich. Ein Flug aus Mitteleuropa kann annähernd 2.000 DM kosten, allein aus diesem Grund droht den Inseln zumindest in der unmittelbaren Zukunft keine massive Touristeninvasion. Und doch haben sie so viel zu bieten: Den tiefblauen Atlantik mit seinem Reichtum an Leben, vulkanische Landschaften, klare Kraterseen, eine überwältigende Üppigkeit der Pflanzenwelt, beeindruckende Steilküsten und freundliche Menschen. Sogar der herpetologisch Interessierte ist befriedigt: Auch hier, auf diesen Inseln mitten im Atlantik findet er Amphibien und Reptilien. Daß der Mensch dabei nachgeholfen hat, tut der Freude an der Beobachtung keinen Abbruch.


LITERATUR:
BISCHOFF W., K. OSENEGG & W. MEYER, 1989: Untersuchungen zur subspezifischen Gliederung der Madeira-Mauereidechse Podarcis dugesii Milne-Edwards, 1829. Salamandra, 25(3/4), 237-259.
FISCHER T., 1991: Azoren. „Richtig reisen“ DuMont Reise-Handbuch. DuMont Buchverlag, Köln, 263 Seiten.
MALKMUS R., 1984: Zur Verbreitung von Rana perezi und Podarcis dugesii auf den Azoren. Nachrichten des Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Aschaffenburg, 0(92), 37-70.
MALKMUS R., 1995: Die Amphibien und Reptilien Portugals, Madeiras und der Azoren. Verbreitung, Ökologie, Schutz. Die Neue Brehm-Bücherei, Bd. 621. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, Oxford.
SARMENTO A. A., 1948: Vertebrados da Madeira. Mamiferos, Aves, Répteis, Batráquios. Junta Geral Distr. Auton. Funchal, 317 Seiten.
SVANBERG I., 1975: The warty newt (Triturus cristatus) of the Azores. Bocagiana, Mus. Mun. Funchal, 40, 1-2.

ABBILDUNGEN: (Alle Fotos: Dr. Robert HOFRICHTER

Abb. 1: Horta, die Hauptstadt der Azoreninsel Faial. Die Madeira- Mauereidechse kommt besonders häufig in der Nähe von Hafenstädten und von menschlichen Siedlungen an der Küste vor.
Abb. 2: Der Vulkankrater (Calderra) der Insel Faial
Abb. 3, 4, 5: Landschaften auf der Insel Faial: 3: Hortensien verwandeln die Inseln im Juli und August in ein Blütenmeer; 5: Dieser westliche Teil Faials entstand erst 1958 während des letzten Vulkanausbruchs.
Abb. 6: Der versunkene Vulkankrater bei Monte da Guia ist überschwemmt.
Abb. 7: Blumeninseln Azoren: Verschiedene, mit dem Makroobjektiv festgehaltene Blüten und Insekten (Hibiskus, Malve etc.).
Abb. 8: Die Zebra- oder Wespenspinne (Argiope bruennichi) ist auch in Mitteleuropa verbreitet.
Abb. 24: Die wildromantischen Schluchten und Canyons der nur selten wasserführenden Bäche sind wichtige Lebensräume von Rana perezi, des Iberischen Wasserfrosches.
Abb. 29: Alle auf Faial beobachteten Exemplare des Iberischen Wasserfrosches (Rana perezi) waren dunkelbraun gefärbt.
Abb. 30, 31: Grün und grün-braun gefärbte Rana perezi von der Iberischen Halbinsel (Banyuls-sur-Mer, französisch-spanisches Grenzgebiet an der Mittelmeerküste).
Abb. 31a: Bei Banyuls kommen in ein und derselben Population häufig grüne und braune Exemplare von Rana perezi vor.
Abb. 32 bis 39: Die Madeira-Mauereidechse, Teira (Podarcis) dugesii, bewohnt auf den Azoren Steinhalden, Mauern und die Felsenküste, klettert aber auch besonders gern auf Stauden und Blüten, um am Blütenstaub zu naschen.
Abb. 40: Handzahme Madeira-Mauereidechsen von der Insel Madeira. Sie fressen Speisereste direkt aus der Hand und lecken dann Kaffeetröpfchen von den Fingern.
Abb. 41: Madeira-Mauereidechsen von der Azorensinsel Faial.
Abb. 42: Auch auf Madeira können die Eidechsen oft auf Blüten beobachtet werden.
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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