Einstimmung für unsere mare-mundi Karpatenexkursion

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mare-mundi Redaktion
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Einstimmung für unsere mare-mundi Karpatenexkursion

Beitrag von mare-mundi Redaktion » 15 Mär 2011 18:18

Ein Bericht von Vlado Trulik:


Liebe Freunde,
erst jezt komme ich zu dem Bildbericht von meinem Winter-Wofltreking vom 19.2.-26.2.2011.
Wir waren eine nette kleine Mänergruppe und angefangen hat es im großen Still.
Gleich nach der Anreise sind wir alle zusamne zu meiner Fotofalle gegangen, die den Luchsriss (einen Rehbock) überwachen hat. Ich war etwa 2 Wochen lang nicht dabei und habe gehofft, dass mir die Luchsmutter K2 entlich ihre Kinder vorstellt.
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Direkt an der Stelle haben wir uns die spektakulären Bilder angeschaut, wie die 5 Luchse in cca 6 Stunden die Reste von dem Rehbok verzehrt haben. (Bildreportage dazu habe ich schon geschickt)
Natürlich haben wir an dem Abend ordentlich gefeiert :-)

Am nächsten Tag haben wir das Gebiet gewechselt und auch da waren wir gleich megaerfolgreich.
Ich war sehr neugierig, was meine Fotofalle an dem von Wölfen gerissenem Hirsch aufgenommen hat. Unterwegs habe ich meinen Gästen von dem Erlebnis mit dem"zahmgewordenem" Hirsch erzählt, wenn er auf einmal etwa 3km von der Stelle wo ich ihn getroffen habe, vor uns standt.
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Er wollte sich immer noch fotografieren.
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und liess mich wieder ganz nahe kommen. Mal schauen, ob er den Winter überlebt...
Ich habe fast Angst gekriegt, dass alles so perfeckt lief und wenn ich die Autoreifenspuren gesehen habe, die zu dem Wolfsriss führten, erwartete ich das schlimmste...

Der kapitale Hirsch war komplet weg, aber meine Fotofalle war an ihrer Stelle und sie hat was geleistet.

Die Wölfe kamen nicht, dafür waren 2-beinige Wölfe dabei.
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Ein Jagdhund hat den Hirschkadaver gefunden, die Jäger sind gekommen, als alle erste haben natürlich den Kopf abgeschnitten.
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Aber auch das ganzes Fleisch verwertet. Meine Fotofalle hat mit über 250 Bilder dokumentiert, wie sie den Hirsch komplett
auseinander gelegt haben. Die Kamera blieb unerwischt, obwohl sie fast angepinkelt war :-) aber das will ich nicht...
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So zu sagen restlos beseitigt war der Hirsch. Jemand sagt vielleicht, sie haten Recht darauf, aber sie waren auch verpflichtet es anzumelden,
wenn sie es schon beseitigt haben und das haben sie bis jezt nicht gemacht. Laut unsere Gesetzinterpretation ist es ein Straftat.
Die Gesätze sind bei uns von Jäger so prezies konzipiert, dass selbst wenn man mit einem Hirschgeweih erwischt wird, was er im Wald gefunden hat,
schon ist es ein Strafftat und es wird mit Knast gedroht. Also selbst der Waldbesitzer darf es nicht mitnehmen und soll es einem Jäger melden.

Na ja auf jeden Fall habe ich was, was für mich sehr gefährlich sein kann und selbst meine Kolegen von der Naturschutz wissen noch nicht genau was wir damit machen...

Auch die Steinadler, die sich auf ein fetes Mahlzeit gefreut haben, kamen zu kurz.
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Überal haben wir noch die alte Wolfspuren gesehen. Es hat eine Woche lang nicht viel geschneit, also es war viel zu viel zu sehen.
Leider könnte man kaum noch feststellen, wie alt die Spuren sind und so haben sich alle Spurlinien gemischt ohne eine Storry zu verraten.

Etwas höher haben wir interessante Luchsspuren gefunden.
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Der Luchs ist sehr vorsichtig gegangen und seine Zehen hat er ganz breit gespreizt, weil die Schneeoberschicht war nicht stabil genug und er ist immer wieder eingebrochen.
So hat er 11 cm breite ganz frischen Fußabdrücke hinterlassen.

Am nächsten Tag haben wir auch in dieser Gegend nach einem, angeblich von Wölfen gerissenem Hirsch gesucht
(es war ein Tip von einem sonst sehr zuverlässigen Informator) aber wir waren nicht erfolgreich und alles was wir gefunden haben,
war ein Rehkopf, den aber schon Füchse weggetragen haben.

Tiefer im Tal haben uns Dachsspuren zu dieser Dachsbau hingeführt. Ein Bachufer war durchgebohrt wie ein Ementaler.
Zu Mittag haben wir uns im Tal Würstchen mit Speck gegrillt.
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Nachmittag haben wir noch das Tal Cremos durchgeforscht, aber auch nur alte Luchsrisse gefunden.
Man könnte sogar noch meine 1 Woche alte Spuren erkennen, wie ich hier den Wölfen gefolgt habe.
In diesem Tal blieben wir bis zu Dämerung, in der Hofnung, das sich vielleicht Wölfe melden, aber es ist nicht passiert.

Dafür haben wir schon mit den Stirnlampen auf den Köpfen eine Luchs-Highway gefunden, die uns zu einer stelle geführt hat,
wo wahrscheinlich eine ganze Luchsfamilie ein Reh ziemlich frisch komplet verzehrt hat.

Abends haben uns meine beste Freunde (Milos Majda und Tomas Hulik) in unsere Unterkunft (Penzion Adak) besucht.
Milos ist der Ranger aus dem Luchsfilm, was vom kurzen auch im deutschen Fernseh lief und Tomas ist der Regiesör und Kameraman von dem Film und ein par weiteren Naturfilmen auch.
Wir haben ein schöner Abend verbracht, die Jungs waren begeistert auch von unseren Erlebnisen.

Erst am nächsten Tag ist uns gelungen auch frische Wolfsspur zu finden, leider liest sie sich nicht lange verfolgen,
weil diese einsame Wolf im Wald keine Spuren mehr hinterlassen hat.
Trotzdem war es schön, weil es sehr frische Spur war und er ist im Wald oberhalb von uns verschwunden und von mir aus wusste er ganz genau von uns :-)
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Zur Sonneuntergang waren wir an einer "ramontischen" Alm, wo die Schäfer im Sommer die Schafe gattern.
Mehr mals haben wir ältere Wolfspuren auch in dieser Gegend überquert, es war uns aber nicht frisch genug und so sind wir weiter gezogen.
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Unsere Unterkunft war recht luktrativ und kuschelig, aber keine Einzelzimmer zu verfügung :-)
Es gab etwa -16 Grad also ich habe ein kräftiges Frühstück in einer Pension bestellt wo wir auftauen könnten. Wir haben gegessen wie die Wölfe.
Ein große Hemendex für jeden und dazu ein Gulasch mit Knödel um 10 Uhr früh.
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In der Woche war es generel sehr kalt und obwohl es im Tal schon kein Schnee gab, in den Bergen haben wir uns auf Schnemangel nicht beschwert.
Am Rande des Resserwates Mincol haben wir wieder Zeitlang Luchsspuren verfolgt.
Die Schneelage ist da noch hoch genug und dank seienen "Schneeschuhen" profitiert er davon und hällt sich deswegen ziemlich hoch.
Da testet er die Kondition von den ortstreu-lebenden Waldrehen.
Unsere Wolfsrudel dagegen operierte warscheinlich in der schneelosen Region tiefer im Tal, wo sich auch die Rothirsche aufhielten.

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Am Donerstag Vormitag haben wir sehr schöne Tour im Südosten der Mala Fatra gemacht, aber obwohl wir riesige Hirschherden gesehen haben,
die Wölfe waren auch hier nicht. Die Flächen wo sie sein könnten sind riesig und ohne Schnee hat man keine Schance.

Ich habe mich also für Zazriva entschieden und es war richtig. Nachmittag haben wir schon nach ein par Meter, etwa 1 Tag frische Spurbahn von 5 Wölfen entdeckt und verfolgt.
Sie liefen zu einer Stelle, wo sie schon über Jahre immer markieren.

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Genau dort haben wir eine Fotofalle instaliert. Leider ist es gleich neben einem Forstweg und dadurch leicht zu finden.
Mit der Tarnung bin ich nicht besonders zufrieden. Es sieht aus wie "hier schauen, da ist was" :-(

Wehrend Nacht hat es geschneit und etwa 2 cm Pulwerschnee hat die Wolfspuren bedeckt.
Alles war dort von Wölfen niedergetrammpelt, als wenn es dort nichts anderes leben würde.
Nach kurze Zeit haben wir auch die Ursache entdeckt.
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Es war hier ein Kuhkadawer an einer Forststrasse hingekippt, interessante Weise kein Ansitz in der Nähe, also nicht
so richtig gefährlich für unsere Wölfe. Warscheinlich hat jemand das Rind hier nur gratis res...
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Es war sonst sehr abgelegene Gegend und auch wenn Wölfe nicht umbedingt As bevorzügen, scheinbar hats doch geschmäckt
und so wie es dort aussah, sind sie da auch zeitlang geblieben. (alles Wolfspuren).
Mitlerweile habe ich festgestellt (weil ich auch die kommende Tage dort war) dass zu dieser Stelle auch noch ein andere Wolsfrudel kam,
der von 3 Wölfen besteht. Das erklärt auch die Trampelwege von Wolfspuren, die da waren und alle Richtungen führten.
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In der Woche haben wir 6 Wolfslosungen gefunden und 2 mal Luchskot. Natürlich auch Proben fürs DNA genohmen.
Geruchprobe ist kein "Muß", aber trotzdem ein unvergesliches Erlebnis :-) Der Wolf hat den Haufen vor nur höchstens 5 - 10 Stunden gemacht.
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Wieder mal mit Stirnlampen haben wir die nur ein par Stunden alte Wolfspuren bis ins Dorf Zazriva verfolgt. Verloren haben wir sie erst etwa 1 Kilometer oberhalb vom "Ondro Boronco"
(viele meine Gäste kennen ihn schon). Bei ihm haben wir auch übernachtet und einen interessanten Kumpel von mir getroffen.

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Immerwieder stellten wir fest, das es sich um 5 Tiere handelt.
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Am nächsten Tag haben wir in höherer Lage unten dem Reservat Parac noch ein alte Wolfsriss gefunden.
Es war wieder ein Hirsch, leider haben wir den Kopf nicht mehr gefunden.

Das war nochmal eine Belohnung für unseren Strapazen und die vielen Kilometer, die wir in der Woche gelaufen sind.
Auch wenn die Schneedecke nicht flechendeckend war, haben wir täglich frische Luchspuren gehabt, täglich auch älteren Wolfspuren, zeitlang sogar sehr frischen,...
Wir haben genügend Hinweise (Spuren, Kot, Risse) gefunden, die die Existenz der Wölfe in dieser Gegend bestätigt haben.
Nicht nur einen einzelnen Exemplar, sondern auch einen intakten (funktionsfähigen) Rudel, weil nur mehrere Wölfe trauen sich auch einen erwachsenen Hirsch anzugreifen.

So viel jezt erstmal aus den Westkarpaten.

Liebe Grüße

Vlado

Vlado Trulik
Stiavnik 1289
013 55 Slowakei
Mobil: 00421 908 948 917
Tel.: 00421 41 558 34 34
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Re: Einstimmung für unsere mare-mundi Karpatenexkursion

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 15 Mär 2011 18:30

Die Vorfreude ist jetzt schon groß! :) Interessenten mögen sich bitte möglichst bald bei “Bibi” Bianca Wittmann bianca_wittmann@hotmail.com melden :) Mehr Infos zu diesem besonderen Ereignis im mare-mundi Kalender, bei dem wir unsere volle Aufmerksamkeit ausnahmsweise mehr der terrestrischen Natur Europas schenken, hier: :arrow: https://mare-mundi.org/forum/view ... =36&t=5420
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: Einstimmung für unsere mare-mundi Karpatenexkursion

Beitrag von Caro » 15 Mär 2011 21:13

Ein fantastischer beeindruckender Bericht von Dir, lieber Vlado !
Danke :D

Interessant sind mal wieder die menschlichen RAUBtiere :|

Liebe Grüße
Caro
"Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, hätten wir nichts erreicht. Erst wenn es uns gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: UNS !" Zitat von Michael Aufhauser

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