meeresspiegel

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meregalli
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meeresspiegel

Beitrag von meregalli » 01 Dez 2013 21:24

Folgende Grafik stammt aus dem Buch „La metamorfosi del territorio lagunare caprulano“ von Paolo Francesco Gusso. (ein sehr verdienstvolles Werk über die geschichtliche Entwicklung des Umlandes von Caorle)
Bild
Was ich nicht verstehe, ist die beinahe dramatische Senkung des Meeresspiegels im Hochmittelalter, die dann ausgerechnet kurz vor Beginn der kleinen Eiszeit in einen abrupten Anstieg übergeht, um dann vor Ende der o.g. Eiszeit sich auf das Niveau von heute einzupendeln. Widerspricht das nicht unseren Vorstellungen vom Zusammenhang des eisgebundenen Wassers mit reziproker Pegelhöhe der Meere?
Anmerkung: Ich bin kein Zweifler der anthropogenen Erderwärmung

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Re: meeresspiegel

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 01 Dez 2013 22:15

Die Kurve war mir bisher nicht bekannt, spannend. Auf jeden Fall danke! :) Vermutlich bin ich jetzt schon zu müde um nachzudenken (22.05)... "Kleine Eiszeit" und tiefere Meeresspiegel passen grundsätzlich zusammen, aber die Jahre genau und die Details für die weltweite Entwicklung der Temperaturen kenne ich nicht. Eigentlich müsste der tiefere Meerespiegel erst mit einer gewissen Verzögerung eintreten. Die Erklärung würde mich interessieren, sollte sie jemand kennen... :?:
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: meeresspiegel

Beitrag von fidelfisch » 02 Dez 2013 12:31

Hmm, also die Grapfi ist ja aus den 60er Jahren und damit nicht die neuste. Global gesehen sind in den letzten 200 Jahren die Temperaturen bis zur Industrialisierung sehr stabil geblieben und fingen erst dann an zu steigen. Schaut mal den Bericht hier an: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 69424.html

Sonst kann es regional natürlich durch viele Faktoren (Temperatur und damit auch Sonnenstärke & Vulkanismus, Heben und Senken des Erdbodens, Bedeckung mit Eisdecken etc.) zu Schwankungen des Meeresspiegels kommen.

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Re: meeresspiegel

Beitrag von meregalli » 03 Dez 2013 09:49

Die in dem Spiegel-Bericht angeführten Daten widersprechen der Fieberkurve von Firebridge diametral. Ob das das nun wirklich stimmt, würde mich interessieren. Dass die Grafik alt ist, lasse ich als Argument aber nicht gelten.
(Die Berechnung des Erdumfanges von Eratosthenes ist auch alt. Hätte Kolumbus, der eine neue, falsche Berechnung für seine Reise zugrunde legte auf Eratosthenes gehört, wäre uns und v.a. den Indianern vielleicht die Entdeckung Amerikas erspart geblieben.)

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Re: meeresspiegel

Beitrag von meregalli » 19 Dez 2013 17:40

Ursprünglich wollte ich den Autor des eingangs zitierten Buches bei meiner nächsten Adriareise kontaktieren und wegen der Quellenangabe der Kurve befragen, leider hatte ich dazu keine Gelegenheit.
Beim Herumsurfen fand ich aber den missing link: Der Urheber der Kurve war kein Mr.Firebridge, sondern Rhodes Whitmore Fairbridge (21. Mai 1914–8.November 2006) , ein durchaus bekannter Geologe und Pionier der Klimaforschung. (Wer häufig Italiener englisch sprechen hört wundert sich nicht) Nach ihm benannt wurde sogar die Fairbridge curve, welche die eustatische Meeresspiegeländerung innerhalb der letzten 10000-20000 Jahren beschreibt.
Seine zahlreichen Bücher sind offensichtlich Standardwerke und nicht unter 300€ zu kriegen. (nur englisch)
Die Daten sind also durchaus seriös, eine Widerlegung habe ich nicht gefunden.
(Für mich persönlich ist es lustig, dass sich Fairbridge unter anderem an Fundstellen von Kalkröhrenwürmern orientierte, über welche ich ins Forum stolperte.)

Jetzt nochmals zu meinen Problemen mit der Kurve: Die mittelalterliche Warmzeit ging im Großen und Ganzen um das Jahr 1500 herum in die kleine Eiszeit über. Gerade in dieser Übergangszeit gab es ein Jahrtausendminimum des Meeresspiegels und mit Einsetzen der Kälte ein rapider Anstieg desselben.

In die Zeit des römischen Imperiums, in der es zahlreiche Seekriege mit teils großen Schiffen gab, welche sicher feste Hafenanlagen erforderten fällt ein Abfallen des Meeresspiegels von 3 m innerhalb von von 250 Jahren hinein. Das muß für die Hafeningenieure doch ein Problem gewesen sein.

Was die Zeit von 1800 bis 800 v.Chr. angeht gibt es sogar eine Spiegeländerung von fast 6,5 Metern. Gibt es da keine Berichte aus griechischen oder ägyptischen Quellen? Was war mit den seichten Inseln, die angeblich seit langer Zeit bewohnt sind?

Lag Fairbridge doch daneben?

Geologen, Glaziologen, Biologen, Klimaforscher…alle sind gefragt.
Bin für jede Antwort dankbar.

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