WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

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fidelfisch
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WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

Beitrag von fidelfisch » 15 Jul 2011 19:19

WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

Der WWF ist der World Wide Fund For Nature und ist einer der mächtigsten und finanzstärksten Naturschutzorganisationen der Welt. der WWF hat einen guten Ruf und deshalb spenden Menschen auf der ganzen Welt jährlich 100e Millionen Euro. Doch wie werden diese Spendengelder tatsächlich eingesetzt um die Umwelt zu schützen? Der WDR hat in einer Doku “Der Pakt mit dem Panda” einige der in TV-Spots beworbenen Projekte vor Ort untersucht und ist dabei auf einige Widersprüche gestoßen.

So wird z.B. der Schutz seltener Tiger beworben, doch im Naturschutzgebiet selbst bieten 150! Jeeps Touren zu den seltenen Tieren an. Auch der WWF betreibt ein eigenes Reiseportal und verlangt bis zu 10.000 € für eine einmalige Naturerfahrung … Die einheimische Bevölkerung musste dabei einem Rastplatz für Touristen weichen - Angeblich weil sie die Ruhe der Tiger störten. Auch die vom WWF unterstützte Abholzung des Regenwaldes zu Gunsten von Palmölplantagen für “Biosprit” und gentechnisch behandelten Sojabohnen von Monsanto wird behandelt, sowie weitere zweifelhafte Verknüpfungen des WWF mit der Industrie und Politik.

Der gute Ruf des Pandas steht mit dieser Doku ernsthaft auf dem Spiel. Obwohl der WWF auf seiner Webseite eine Gegendarstellung gepostet hat, bleiben einige Zweifel bestehen. Ist das Ziel des WWF tatsächlich der Schutz von Pflanzen und Tieren oder ist er nur ein praktischer Verbündeter der Industrie um sich selbst ein grünes Image zu verleihen?

aus: http://www.dokumentarfilm24.de/2011/06/ ... dem-panda/




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Re: WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 15 Jul 2011 20:09

Danke für den Hinweis, lieber Fidel. Ich kann nichts Definitives dazu sagen, da mir der tiefere Einblick fehlt, meine eigene Erfahrung ist aber (und auch die von so manchen Kollegen, zum Teil recht berühmten Biologen), dass eine Kooperation mit diesen "Giganten" unter den Naturschutzorganisationen oft sehr schwierig bis unmöglich ist. Nur die eigenen Projekte werden vorangetrieben, Ideen und Dinge nur für die eigene Organisation vereinnahmt, andere Leute, Projekte oder Organisationen nicht oder kaum unterstützt... Wäre schön, wenn ich mich irren würde und wenn das so pauschal nicht zutreffen würde...
Auf jeden Fall ist es eine eigene Industrie.
Oder spricht nur der Neid aus mir? Als kleine Organisation kämpft man wirklich hart um auch nur einen Euro für irgend etwas aufzutreiben ... :roll:
Die ... Begeisterung, die wir beim Betrachten der Natur empfinden, ist eine Erinnerung an die Zeit, da wir Tiere, Bäume, Blumen und Erde waren ... das Wissen um unser Einssein mit allem, was die Zeit vor uns verborgen hält. Leo N. Tolstoi

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Re: WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

Beitrag von Regina » 16 Jul 2011 21:53

Ein paar Gedanken dazu, von einer die seit 7 Jahren bei diversen NGOs mitgearbeitet hat und seit 2 Jahren auch ein Teil (auch wenn nur ein kleiner) von WWF ist. Ich finde es generell in Ordnung, dass dieser NGO-Gigant, wie er heute existiert, eine Lektion in Sachen Vorsicht bekommt. Alles was diese enormen Ausmaße annimmt ist schwierig zu kontrollieren und die diversen Mitarbeiter in unterschiedlichsten Ländern der selben Organisation haben ihre diversesten Meinungen und Vorstellungen von einer "besseren Welt". Die Stützpunkte in den verschiedenen Ländern haben zwar eine gemeinsame Orientierung, fungieren jedoch relativ unabhängig voneinander, insofern würde ich erstmal nicht von einzelnen Aktionen auf die gesamte, weltweite Organisation schließen. Natürlich wäre es jedoch in ihrer Verantwortung das zu koordinieren. Dennoch stehe ich dieser Doku sehr kritisch gegenüber weil sie absichtlich Fakten verdreht statt fundierte Hintergründe darzustellen. Auch kann ich die Konsequenzen dieser Veröffentlichung nicht abschätzen und fände es schade wenn der WWF deshalb zu Grunde geht - und das nicht weil ich dann nicht mehr mit den Kindern Barfussraupe spielen kann - sondern weil ich glaub, das der WWF versucht die "Lücke" zwischen Wirtschaft und Umweltschutz zu füllen und das keine leichte, aber notwendige Aufgabe ist.
Ich glaube, bei eingen Beispielen der Dokumentation war das Vorhaben zwar "gut gemeint", sie haben die tatsächliche Arbeit jedoch weitergegeben und dann verabsäumt nachzukontrollieren (man möchte ja auch immer wieder drauf vertrauen das keiner Unsinn macht..). Dreshalb hoffe ich darauf, dass sie schnellstens daraus lernen und dementsprechend mehr Transparenz in ihre Absichten und Arbeitsweise zu bringen.. für Mitarbeiter, Beauftragte und Spender. Bei der Sache mit Monsanto des WWF USA ist dargestellt das sie zusammenarbeiten und ein "Nachhaltigkeitslabel" bekommen haben, dabei sitzen sie lediglich an einem runden Tisch mit dem WWF, der dazu dient eine Gesprächs- und Verhandlungsbasis zu finden. Die Darstellung eines WWF-Pickerls in einem Cheep der zu den Tigern fährt ärgert mich besonders, weil dieses Pickerl wirklich überall zu bekommen ist und gar nichts beweist, ausser das jemand versucht die Leute für blöd zu verkaufen. Wenn es wirklich so sein sollte, dass der WWF Geld mit Schutzgebieten verdient müssen da schon etwas mehr Fakten her. Das sind nur die Sachen die mir aufgefallen sind, es gibt übrigens eine Stellungnahme des wwf Deutschland zu der Doku, die ich nicht sonderlich schlagkräftig finde, aber besser als nix: http://www.wwf.de/themen/huismann-kriti ... ktencheck/

Ich bin mir der Grenzwanderung des WWF sehr bewusst und war jahrelang auch bei der Anti-WWF front dabei.. bin aber zu dem Schluss gekommen das Diplomatie mehr bringt als dagegen reden. Ein Mittelding wäre schön, kann aber nach einer so langen Verabsäumung den Umweltschutz in die Wirtschaft zu integrieren nicht so einfach gelingen. Eine Zusammenarbeit des WWF mit Großkonzernen ist immer (und das glaub ich fest!) mit einem Kompromiss des Konzerns in Verbindung, die Gefahr die sich der WWF damit aussetzt ist im hoffentlich spätestens jetzt bewusst.
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Re: WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 17 Jul 2011 10:18

Liebe Regina,

danke für diese differenzierte Stellungnahme aus einer Perspektive, die mir (wie schon betont) fehlt. Viele meiner Freunde und ehemalige Studienkollegen arbeiten für den WWF und leisten seit vielen Jahren perfekte, für den Naturschutz enorm wichtige Arbeit.
Wahrscheinlich muss man auch eine gewisse Größe haben, damit überhaupt etwas bewegt werden kann. Kleine Organisationen ohne Geld können oft nicht viel tun ... Dass dann zu große Dimensionen wiederum gewisse Gefahren in sich bergen, beschreibst Du recht trefflich.
Ich möchte mich also auf keinen Fall an einer pauschalisierten Anti-WWF-Stimmungsmache beteiligen. Ich bedauere nur, dass es kaum möglich ist die großen Organisationen für "uneigennützige" Aktionen zu gewinnen. Ich habe mir schon oft gedacht: Mit der Hilfe von WWF und Greenpeace wäre es wahrscheinlich lächerlich einfach das Mittelmeerwerk fertig zu machen, etwas, was ich in 8 Jahren allein nicht zusammengebracht habe.
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Re: WWF Doku: Der Pakt mit dem Panda

Beitrag von Regina » 17 Jul 2011 18:02

Lieber Robert,

das ist ein Thema, mit dem man sich sicher stundenlang auseinandersetzen kann. Ich finde ja kleine Organisationen oft sympathischer und meist auch etwas authentischer, weil man da noch wirklich 'gemeinsam' an einem Strang zieht.. und ein gewisser Zusammenhalt innerhalb der Organisation ist wirklich gar nicht zu unterschätzen.
Ich hab keine Ahnung, wie man an solche Organisationen herantreten kann, so dass sie einen nicht gleich in die Schublade legen, aber vielleicht können wir ja mal gemeinsam überlegen, weil ich da auch ein paar Ideen hab.. und nie recht wusste wie wo und mit wem! :wink:
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