Vielfalt für Neumarkt – Konzept

Informationen und Diskussionen über den heimischen und weltweiten Umweltschutz zu Lande

Moderator: A-Team

Antworten
Benutzeravatar
Dr. Robert Hofrichter
Geschäftsführer
Geschäftsführer
Beiträge: 5608
Registriert: 08 Sep 2006 13:44
Kontaktdaten:

Vielfalt für Neumarkt - Konzept

Beitrag von Dr. Robert Hofrichter » 02 Dez 2006 08:29

Vielfalt für Neumarkt - Konzept
Netzwerk Natur Salzburg
:) :) :)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bezüglich unseres Arbeitstreffens zur Gestaltung des Fahrplans für das
Projekt "Vielfalt für Neumarkt" darf ich nun bekanntgeben, dass
Christian Eichberger uns dankenswerterweise einen Hörsaal reserviert hat.

Alle, die sich weiter für eine Mitarbeit an diesem Projekt interessieren sind herzlich eingeladen, am

Dienstag, den 12.12.06 ab 16 Uhr

in den
Hörsaal 412, 1.Stock in der NAWI zu kommen.

Als attachment habe ich noch mal das erste Konzept zur Ansicht beigelegt.

Beste Grüße,
Andreas

***********************************************
Mag.Andreas Maletzky (Ph.D.-Student)
Fachbereich Organismische Biologie
Arbeitsgruppe Ökologie und Diversität der Tiere
Universität Salzburg
Hellbrunnerstr. 34
A-5020 Salzburg
Tel.:+4366280445652 Mobil:+436509833599

:) :) :)
Das Netzwerk Natur Salzburg

Das „Netzwerk Natur Salzburg“ ist ein loser Zusammenschluss ehrenamtlicher Arten- und Biotopschutzgruppen bzw. Naturschutzorganisationen und -institutionen im Bundesland Salzburg zur gegenseitigen Unterstützung und Nutzung von Synergien.
Unser Motto lautet „Artenvielfalt ist Lebensqualität“. Unser Ziel ist es, in Salzburg die Vielfalt an Tieren und Pflanzen sowie ihren Lebensräumen zu erhalten. Dazu wollen wir mit aktiven Maßnahmen beitragen.


Weshalb Vielfalt für Neumarkt?

Laut Umweltbundesamt betrug bereits 1999 in Österreich der gesamte Flächenverbrauch pro Tag 10-20 ha. Nach einer Angabe der Salzburger Raumplanung, Abteilung 7, sind im Bundesland Salzburg nur ca. 20 % (1446,86 km_) der Gesamtfläche Dauersiedlungsraum, von denen aber bereits 9,6 % (139,2 km_) verbaut sind (Quelle Statistik Austria, Land Salzburg - SAGIS). Die begrenzte Verfügbarkeit des Raumes und eine verstärkte menschliche Nutzung der Landschaft führen dazu, dass Konzepte für eine koordinierte räumliche Entwicklung für das Wohlergehen der künftigen Generationen unerlässlich sind.

Mit dem vorliegenden Projekt wollen wir darlegen, dass ein Neben-, ja sogar ein Miteinander von räumlicher Entwicklung, Wirtschaft und Naturschutz möglich ist.

Neumarkt verfügt als junge, aufstrebende Stadtgemeinde mit einer hohen Vielfalt sowohl an Lebensraumtypen als auch im Bereich von Wirtschaft und Tourismus über ideale Voraussetzungen für ein derartiges Modellprojekt.


Biotop-Verbund

Salzburg weist eine Vielzahl an geschützten Gebieten auf. Einen relativ großen Anteil daran nehmen Europaschutzgebiete (NATURA 2000) ein. Letztere Flächen befinden sich allerdings zu 90 % im Gebirge.
Wie bisherige Erfahrungen zeigen, reicht die alleinige Fokussierung auf Schutzgebiete nicht aus, um die heimische Artenvielfalt zu erhalten. Sie sind aber als Zentren der Erhaltung von gefährdeten Arten und Reservoire für Wiederbesiedlungen unverzichtbar. Artenschutz darf daher nicht an den Grenzen von Schutzgebieten enden.

Jede Naturschutz-Strategie zielt auf den räumlichen Zusammenhang von Biotoptypen ab, die sich gut miteinander vernetzen und gleichzeitig hohe Naturschutzbedeutung besitzen. Es ist daher das Grundanliegen einer Biotopverbundplanung, die Verbindung von solchen Biotoptypen zu fördern, die sich im Artenaustausch sinnvoll ergänzen können.

Beispielsweise stellen viele der heute noch vorkommenden Streuwiesen und bewirtschafteten Niedermoore nur noch Restflächen ehemals ausgedehnter Vorkommen dar. Mit einer solchen Schrumpfung und Fragmentierung geht zumeist auch ein erheblicher Artenrückgang einher. Diese Artenverluste lassen sich mit Hilfe der „Theorie der Verinselung“ erklären. Mit diesem Begriff wird zum Ausdruck gebracht, dass eine Lebensgemeinschaft nicht mehr in ökologische Verflechtungen integriert ist, sondern auf eine isolierte Fläche zurückgedrängt wurde.
Die Abnahme der mittleren Flächengröße und der wachsende Abstand von Flächen zueinander können dafür verantwortlich sein, dass das durch natürliche Populationsdynamik, Katastrophen, Krankheiten oder menschliche Einflüsse verursachte lokale Aussterben von Tier- oder Pflanzenarten aus ähnlichen Nachbarbiotopen nicht mehr kompensiert werden kann.

Nicht zuletzt haben intakte Naturlandschaften mit gut vernetzenden Strukturen wie Hecken, Gehölzen, Gräben usw. eine keinesfalls zu vernachlässigende Erholungsfunktion und sind daher auch aus touristischer Sicht besonders erwünscht, da monotone, kaum strukturierte, ausgeräumte Landschaften nur eine geringe Attraktivität besitzen.


Zielsetzung

Mit diesem Projekt sollen funktionelle Lebensbeziehungen in und um Neumarkt erhalten und verbessert oder neu geschaffen werden. Ein wesentlicher Aspekt ist die Bewahrung der Erholungsfunktion und der Lebensqualität für die Bevölkerung. Gleichzeitig sollen aber auch Entwicklungsmöglichkeiten für den Siedlungs- und Wirtschaftsraum aufgezeigt werden, die nicht im Widerspruch zu den Zielen eines funktionierenden Biotopverbunds und einer möglichst hohen Biodiversität stehen.


Methodik

Zunächst soll der Ist-Zustand von möglichst vielen Organismengruppen bzw. naturschutz-relevanten Strukturen in der Gemeinde erhoben werden. Dabei ist an Folgendes gedacht:

* Flora und Vegetation
* Lebensraumtypen
* Schutzgebiete
* Vögel
* Insekten (insbesondere Schmetterlinge, Libellen und Heuschrecken)
* Amphibien
* Reptilien
* Säuger (insbesondere Fledermäuse)

Zusätzlich sollen die bereits vorhandenen Quellen ausgewertet und eventuell aktualisiert werden, v.a. Biotopkartierung, Biodiversitäts-Datenbank, Tümpelkataster, Fachkartierungen.

Auf dieser Basis sollen Vorschläge zu einem Biotopverbundkonzept für die Gemeinde erarbeitet werden.
Nutzen für die Gemeinde

Die erhobenen Daten, die grafischen Auswertungen und die Ergebnisse der Untersuchungen können in die Raumordnung der Gemeinde, insbesondere in das Räumliche Entwicklungskonzept und den Flächenwidmungsplan einfließen. Begleitend zu den Untersuchungen besteht die Absicht, die Bevölkerung durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit am Prozess zu beteiligen, insbesondere durch Exkursionen, Diskussionsforen oder Arbeitskreise.


Prozessablauf

In die Untersuchungen und vor allem in die Biotopverbund-Konzeption soll die Gemeinde unbedingt partnerschaftlich eingebunden sein. Die Zusammenarbeit mit lokalen Persönlichkeiten und deren Mitwirkung am Projekt ist uns ein besonderes Anliegen (Stichwort: lokale Agenda 21). Auch eine Kooperation mit den Ortsplanern der Gemeinde erscheint uns zweckmäßig.


Ergebnisse

Wesentliche Ergebnisse sollen sein:
• die Festlegung von relevanten Biotopverbundachsen in der Gemeinde
• eine Prioritätenreihung für verschiedene Nutzungen in den jeweiligen Teilbereichen des Gemeindegebietes

Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse in der Gemeinde und die Diskussion mit den BürgerInnen sind uns wesentliche Anliegen.


Zeitrahmen

Im Jahr 2006 sollen vorhandene Quellen ausgewertet werden sowie erste Erhebungen im Gelände stattfinden. Im Herbst 2006 werden die Ergebnisse zusammengefasst und entsprechende Vorschläge für die weiteren Schritte erarbeitet. 2007 sollen die Erhebungen erforderlichenfalls ergänzt und erweitert werden. Ende 2007 soll das Projekt im Wesentlichen abgeschlossen sein.


Umsetzung

Es sollen Wege zur Verwirklichung eines Biotopverbundsystems aufgezeigt sowie konkrete Maßnahmenpakete erarbeitet werden, um bestehende Strukturen zu sichern und die festgestellten Defizite zu beseitigen bzw. Verbesserungen einzuleiten.
:) :) :)

Antworten

Zurück zu „Natur- und Artenschutz (terrestrisch)“