Piraten stoppen könnte illegale Fischerei fördern

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Holger Anlauf
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Piraten stoppen könnte illegale Fischerei fördern

Beitrag von Holger Anlauf » 21 Nov 2008 10:51

Illegale Fischerei profitiert von EU-Einsatz am Horn von Afrika

20.11.2008 | 13:29 | (DiePresse.com)

Erst der industrielle Fischraub nach dem Kollaps des somalischen Staates 1991 machte viele Somalier zu Piraten.

Wenn die Europäische Union den Kampf gegen die Piraten vor der Küste Somalias aufnimmt, dann werden wohl nicht nur Handelsschiffe von der wachsenden Sicherheit profitieren. Nutzen wird dieser Einsatz am Horn von Afrika nach Expertenangaben zugleich auch hunderten illegal operierenden Fisch-Trawlern aus der EU, Russland und Asien. Mit ihren Raubzügen nach dem Kollaps des somalischen Staates 1991 aber hatten diese Fischereiboote entscheidend zur Ausbreitung der Piraterie beigetragen: Arbeitslos gewordene somalische Fischer wurden damals zu Seeräubern, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Bis zu 700 ausländische Fischereiboote

Nach einem Bericht der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO drangen in den Jahren nach 1991 bis zu 700 ausländische Fischereiboote auf der Jagd nach Thunfisch, Hai und Shrimps bis dicht an die somalische Küste vor. Rücksicht auf die einheimischen Fischer nahmen sie nicht. Im Gegenteil: Laut einem Bericht der Londoner Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Environmental Justice Foundation rammten die Invasoren die Boote einheimischer Fischer, beschossen deren Insassen mit Wasserkanonen, kappten ihre Netze und nahmen dabei selbst den Verlust von Menschenleben in Kauf.

Die somalischen Fischer hätten sich dann bewaffnet, um ihre Lebensgrundlage zu verteidigen, berichtet der kenianische Experte Andrew Mwangura, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheinenden Zeitung "The National". Mwangura, dessen Seafarers Assistance Programme in 90 Prozent aller Kaperungen zwischen somalischen Piraten und Reedern vermittelt, nennt illegales Fischen als Wurzel der Piraterie. Zunächst hätten maritime Milizen vor den rund 3.000 Kilometer langen Küsten illegal fischende Trawler aufgebracht und "Lizenz-Zahlungen" für deren Schwarzfischerei erhoben. Und weil das funktioniert habe, hätten sie später auch Handelsschiffe gekapert, sagt Mwangura.

Anette Weber, Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik für die Region, bestätigt diese Analyse. Die Verdrängung der Subsistenzfischer aus ihren Fanggründen und das gleichzeitige Fehlen staatlicher Strukturen seien Auslöser einer Spirale gewesen, die heute Piraterie zu einem lukrativen Geschäft krimineller Netzwerke mache.

Inzwischen sind die Piraten laut Mwangura bestens ausgerüstet und werden finanziert von Hintermännern, die in luxuriösen Villen in Kenia, Großbritannien oder Kanada, der größten somalischen Exilgemeinde, leben. Dass den inzwischen fünf großen Piraten-Banden immer wieder auch Fischereischiffe aus aller Welt in die Fänge geraten, liegt wiederum an den verlockenden Profiten, die in den fischreichen Gründen vor Somalia gemacht werden können.
Jährlich bis zu 94 Millionen Dollar Schaden

Schätzungen der FAO zufolge plünderten internationale Schwarzfischer vor Somalia bis zu ihrer teilweisen Vertreibung durch die Piraten jährlich Fisch und Krustentiere im Wert von etwa 94 Millionen Dollar. Etliche dieser Fischräuber fahren unter fremden Billigflaggen wie etwa von Panama, Belize oder Honduras, weil keiner dieser Staaten die Einhaltung internationaler Abkommen zu Fangbegrenzungen oder dem Artenschutz überwacht. Nach einer von der australischen Regierung finanzierten und der Umweltschutzorganisation WWF erstellten Studie besitzen spanische Eigner die weltweit viertgrößte Flotte von Schiffen unter Billigflaggen und stehen unter dem Verdacht der Fisch-Piraterie.

Je sicherer Marineschiffe aus der EU die Gewässer vor Somalia machen, umso größer werden dann nach den Expertenangaben auch wieder die Profite jener Fisch-Räuber, die die Piraterie einst selbst provoziert hatten. Das Problem der Raubfischerei europäischer Thunfischfänger vor Somalia ist Weber zufolge "viel zu spät auf den Schirm der Wahrnehmung geraten". Der Grund: "Wir profitieren alle davon", sagt sie.
© DiePresse.com

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Beitrag von Caro » 22 Nov 2008 17:46

Danke für diesen interessanten Zusammenhang, über den ich bis dato noch nichts wusste :oops: , lieber Holger.

Aber irgendwie sind "wir" doch fast überall "schuld" am Raubbau der Natur -speziell auf dem Gebiet der Fischerei jetzt :( - ...
und damit auch am Verlust der Lebensgrundlagen für die dort ansässigen Menschen. :(

Allein am Beispiel wie etliche westafrikanische Staaten zusammen die Fischereirechte mehr oder weniger zum Dumpingpreis an die EU verschleudert haben - tja, die SCHNELLE Kohle bringt´s ... und zwar auf BEIDEN Seiten der Verantwortlichen :evil:

Nur das zählt .... und dass die Einheimischen von dieser Kohle natürlich nichts sehen und keine Strukturen gefördert und weiter entwickelt werden ... ist eines der traurigsten Kapitel der neuzeitlichen "Globalisierung".
Diesen Menschen wird damit einfach die Lebensgrundlage entzogen !!!!
Und wenn sie dann als Boatpeople "bei uns" ankommen - überlegt man sich nur, wie man den Flüchtlingsstrom mit polizeilichen Mittel unterbinden kann :cry:

Traurige Grüsse
Caro
"Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, hätten wir nichts erreicht. Erst wenn es uns gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: UNS !" Zitat von Michael Aufhauser

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Beitrag von Holger Anlauf » 23 Nov 2008 10:19

hallo Caro,

ja diese Realität ist schon traurig. Wir können uns aber glücklich schätzen, dass wir im Bilde sind. Ich finde es wichtig eine andere Perspektive zu haben als so viele andere. Es ist außerdem ein Erfolgserlebnis, wenn ich mit meiner doch anderen Sichtweise bzw. den anderen Informationen, Mitmenschen die Augen öffnen kann. Erst ein sich änderendes Bewusstsein wird nach und nach dafür sorgen, dass mehr und mehr Menschen sich Gedanken über Ihr Handeln machen und dieses hoffentlich auch anpassen.
Ein guter Leitfaden dazu findet man z.B. unter http://www.50simplethings.com/ !

Die Aufmerksamkeit für solche Mißstände entsteht doch selbstverständlich mit der Begeisterung für die Schönheit der Natur.

Nicht traurig sein. Kämpfe, Lache, Liebe, Lebe!

Holger
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Beitrag von Caro » 23 Nov 2008 17:34

Holger Anlauf hat geschrieben:
Die Aufmerksamkeit für solche Mißstände entsteht doch selbstverständlich mit der Begeisterung für die Schönheit der Natur.

Holger
Ein wunderbarer Satz, lieber Holger !
DANKE :)
Und keine Sorge, bin schon ein richtiges Kampfhuhn :wink:

Liebe Grüße
Caro
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