Kolkraben als "Plage" ?

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Caro
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Kolkraben als "Plage" ?

Beitrag von Caro » 06 Aug 2011 19:23

Kolkraben, diese so selten gewordenen, wunderbaren Vögel, sollen jetzt als "Schädlinge" gesehen werden :o

Bitte lest selber ...
http://nachrichten.t-online.de/schaefer ... 5320/index

"Schäfer fürchtet um Existenz: Raben machen Jagd auf Lämmer
06.08.2011, 16:01 Uhr | Von Klaus Wittmann


Kolkraben haben eine Körperlänge von bis zu 67 Zentimeter und eine Flügelspannweite von bis zu 130 Zentimeter. Die Vögel töteten Dutzende Lämmer aus Schäfer Franz Rehles Herde (Fotos: dapd/imago)
Schäfer Franz Rehle und sein Sohn Roland sind bestürzt. Vor den beiden liegen zwei tote Lämmer. Ein weiteres, erst zwei Tage altes Tier ist schwer verletzt in einer Box und bewegt sich nicht. Kolkraben haben die Tiere offenbar so zugerichtet.

"Über 40 Lämmer und fünf Mutterschafe sind schon Opfer von diesen Kolkraben geworden", klagt Franz Rehle, der einen Bio-Schäferhof in Türkheim im Unterallgäu betreibt. Sohn Roland berichtet, er habe erst am Vortag gesehen, wie drei Vögel auf ein gerade erst geborenes Lamm eingehackt haben. "Dann habe ich es halt mit heimgenommen, aber ich glaube nicht, dass es durchkommt." Vergangenen Herbst hatte sich ein Schwarm von gut 100 aggressiven Kolkraben in den Bäumen rund um die Weide der Rehles niedergelassen. Seither fallen sie immer wieder über die Schafe her.

Schäfer fürchtet um Existenz: Raben machen Jagd auf Lämmer
Vögel picken Augen aus
Franz Rehle zeigt auf die schlimmen Verletzungen der toten Tiere. Den Lämmern wurden die Augen ausgepickt. Aus den aufgerissenen Aftern haben die Raben die Eingeweide gezogen. Vor allem bei den nicht seltenen Zwillingsgeburten schlügen die Kolkraben blitzschnell zu, sagt der Landwirt. Normalerweise lecke das Mutterschaf ihr Neugeborenes unmittelbar nach der Geburt sauber, kurz darauf stehe es schon auf eigenen Beinen. Dann sei das Schlimmste überstanden, berichtet Rehle senior. "Kommt aber ein zweites Lamm auf die Welt, dann lässt die Mutter das Erstgeborene liegen, und schon picken die Raben drauflos."

Rehle weiß sich nicht zu helfen. "Das bedroht uns in unserer Existenz", sagt der Schäfer. Früher habe es das Problem nicht gegeben, da seien Raben nur vereinzelt aufgetaucht. Die Schuld an der Rabenplage gibt Rehle zwei in der Umgebung angesiedelten Biogasanlagen. Hier fänden die Vögel nun das ganze Jahr über Futter.

Mit verletztem Schaf zur Behörde
Bei den Behörden fand der Schäfer mit seinem Problem zunächst wenig Gehör. "Bis ich dann ins Landratsamt nach Mindelheim rein bin und so ein verletztes Schaf mitgenommen habe", erzählt Vater Rehle. "Dem haben die Eingeweide hinten rausgeschaut. Ich musste es dann erschießen, aber die sollten das mal sehen."

Das Landratsamt Unterallgäu verweist auf Anfrage auf die komplizierte Rechtslage. Schließlich seien Kolkraben laut Bundesjagdgesetz ganzjährig geschont. Allerdings hat die Bezirksregierung von Schwaben mittlerweile dem gezielten Abschuss einzelner Tiere zugestimmt - als sogenannte Vergrämungsmaßnahme. "Da Kolkraben sehr intelligente und lernfähige Tiere sind, ist zu erhoffen, dass die Raben auf diese Weise vertrieben werden können", heißt es in einer Stellungnahme der Behörde.

Zwei Raben abgeschossen
In dieser Woche hat ein Jäger die ersten zwei Raben abgeschossen. Schäfer Franz Rehle glaubt jedoch nur bedingt an den Erfolg der Maßnahme. "Im Moment ist Ruhe. Aber spätestens in vier Wochen geht das doch wieder von vorne los", fürchtet er.

Die Behördenvertreter hingegen fordern, dass auch die Schäfer ihrerseits Maßnahmen ergreifen. Die Experten der Unteren Naturschutzbehörde etwa schlugen den Rehles vor, die Raben mit Schussgeräuschen vom Tonband zu vertreiben. Auch einen fahrbaren Unterstand für trächtige Tiere halten die Fachleute für praktikabel.

Inzwischen haben Vater und Sohn Rehle ein Drittel ihrer insgesamt 700 Tiere zum Schutz vor den Kolkraben in den Stall geholt. Das sei zwar unsinnig im Sommer. "Aber sonst krieg ich gar kein Junges mehr durch", sagt Franz Rehle."


Was ich mich aber als erstes gefragt habe ....
hat denn dieser Schäfer keine Hunde ??!!!!!!!?! Die würden doch die Raben ganz einfach verjagen können :?

Liebe Grüße
Caro
"Auch wenn es gelänge, die Tiere vor uns zu schützen, hätten wir nichts erreicht. Erst wenn es uns gelingt, die Tiere nicht mehr schützen zu müssen, sind wir am Ziel. Dann haben wir etwas verändert: UNS !" Zitat von Michael Aufhauser

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Re: Kolkraben als "Plage" ?

Beitrag von Matthias » 08 Aug 2011 12:35

Hallo Caro,

ja das ist schlimm, wenn man sich vorstellt wie ein frisch geborenes Lamm von den Raben tot gepickt wird! Man muss hier zu einer intelligenten Lösung gelangen, so dass zumindest die Lämmer in den ersten Stunden geschützt sind.
Ich denke das eigentliche Problem ist wieder das liebe Geld. Der Schäfer muss auf die geänderten Rahmenbedingungen reagieren und evtl. ein mobiles Gatter anschaffen. Auserdem bedeutet es auch mehr Zeit, speziell in der Lämmerzeit, zu investieren. Zu diesem Mehraufwand ist man natürlich nicht freiwillig bereit, da es vom Reingewinn abgeht, oder anders gesprochen das Minus noch deutlicher ausfällt. Es ist eine Wahrnehmungssache und von welchem Ausgangspunkt man startet.
Laut diesem Bericht sind nur die ersten Minuten nach der Geburt kritisch (der Abschnitt der Zwillingsgeburten), warum weiß sich der Schäfer nicht zu helfen? Was soll diese "Machtlosigkeit", zu der dieser Verurteilt ist? Ich bin kein Schäfer, um die ganze Wirklichkeit zu erfassen, das heißt, wie groß ist die Herde, wieviel tragende Schafe gibt es im Schnitt, in welchem Zeitraum kommen die Lämmer zu Welt? Aber ohne dieses Wissen kann ich mir schon ein paar Lösungsstrategien entwickeln (Oberlehrerhaft, ich weiß! Aber der schreit doch danach so behandelt zu werden): Separierung der Mutterschafe kurz vor den Geburten. Mobiles Gatter mit Netz. Intensive Betreuung während der Hochphase.
Der Schäfer führt einen Beruf aus, der mit Risiken verbunden ist, wie sie jeder nur in anderer Form ausgesetzt ist. Mir kommt es so vor, dass diese Risiken nicht mehr akzeptiert werden, oder zumindest das Risiko auf alle, den Steuerzahler, abgewälzt werden sollen, indem entweder Entschädigung gezahlt wird, oder Maßnahmen von Staats wegen ergriffen werden. Eigenverantwortung, Eigeninitiative sind Eigenschaften, die immer mehr durch Gebote, Versicherungen, Subventionen zurückgedrängt werden. Die Landwirtschaft muss anerkennen und akzeptieren, dass ihre Produkte in der Natur heranwachsen, und die Natur ist in vieler Hinsicht unberechenbar und ein Risiko, wie der Kapitalmarkt Risikobehaftet ist. Die Gesellschaft kann und soll auch dieses Risiko für die Landwirte abmildern, aber der Landwirt muss die Gesetze akzeptieren und die Raben oder den Wolf in Ruhe lassen!
Unter allen Lebensweisen ist das Jagdleben ohne Zweifel der gesitteten Verfassung am meisten zuwider; das Noachische Blutverbot scheint uranfänglich nichts anderes als das Verbot des Jägerlebens gewesen zu sein.

Kant, Immanuel

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