Aquatische Fauna des Amazonas und unsere Bedrohungen ;)

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Belli
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Aquatische Fauna des Amazonas und unsere Bedrohungen ;)

Beitrag von Belli » 19 Nov 2007 17:45

In der Vorlesung über den Amazonas, haben wir heute mit der aquatischen Fauna begonnen.
Wir sind noch nicht sonderlich weit gekommen, aber zwei Fische wollen sich hier über Wikipedia kurz vorstellen :wink:

Die dominierenden Fisch-Ordnungen im Amazonas sind die Salmler und die Welsartigen.

1.) a.)Candirú
Dieser Fisch ist jedem ein Begriff, der die "Grey's Anatomy"-Folge mit dem "Penisfisch" gesehen hat. :lol:

Wissenschafltich heißt der Candirú (oder Canero) Vandellia cirrhosa.
Der Süßwasserfisch und zugehörige der Ordnung der Welsartigen, kommt nur im Amazonas vor.
"Unter den Eingeborenen hat er den Ruf des meistgefüchteten Fisches in seinen Gewässern, mehr noch als der Piranha." (http://de.wikipedia.org/wiki/Candir%C3%BA)

Aber was sind nun die furchterregenden Mächte eines 15 cm langen, aalähnlichen und durchscheinenden Fisches?

"Der Candirú ist ein Parasit. Er spürt die Atemströmungen anderer Fische auf und schwimmt diesen Strömungen folgend in die Kiemenöffnungen der Fische. Dabei stellt er einen Stachel zum Festhalten auf und ernährt sich vom Blut aus den Kiemen-Gefäßen, was ihm den Beinamen „Brasilianischer Vampirfisch“ einbrachte. Der Fisch verfügt jedoch über keinerlei Saugorgane. Der Druck des durch den Biss in die Arterien ausströmenden Blutes reicht völlig aus, um den Fisch innerhalb von 30 bis 145 Sekunden mit Blut zu füllen. Danach lässt der Candirú vom Wirtstier ab.

Er ist bei den Eingeborenen gefürchtet, weil er nackten badenden Personen in eine der Körperöffnungen schwimmen kann - entweder in die Vagina, das Rektum oder - im Falle kleinerer Fische - auch in den Penis und weiter hinauf in die Harnröhre. Ebenso wie in den Kiemen der Fische ernährt er sich beim Menschen vom Blut und Gewebe der befallenen Person, was für diese außerordentlich schmerzhaft sein kann. Ein Befall des Menschen kommt jedoch sehr selten vor. Da der Candirú seine Wirte und Befallsstellen anhand des aus den Kiemen ausgestoßenen Wasserschwalls ortet, kann er auch durch die mit dem Urinieren im Wasser hervorgerufene Strömung angelockt werden.

Der Candirú ist oft nicht ohne operativen Eingriff zu entfernen. Bleibende Folgen sind nach so einer Behandlung nicht zu erwarten. Eine traditionelle Behandlung ist die Anwendung zweier Pflanzen, der Xagua-Pflanze (Genipa americana) und des Buitach-Apfels, welche als Ganzes oder als Extrakt der betroffenen Region zugeführt werden. Gemeinsam töten die Wirkstoffe dieser zwei Pflanzen zunächst den Candirú und lösen ihn dann auf. In einigen Fällen soll der Befall mit dem Candirú, bei ausbleibender medizinischer Behandlung, den Tod von Menschen hervorgerufen haben. Umgekehrt endet der Befall eines Menschen für den Candirú regelmäßig tödlich, da dieser ein Fehlwirt ist.

Bekannt ist daneben ein Fisch mit dem Namen Harnröhrenwels (Tridensimilis brevis), dem ähnliches Verhalten nachgesagt wird."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Candir%C3%BA)

b.) Harnröhrenwels
"Der Harnröhrenwels (Tridensimilis brevis) ist ein parasitisch lebender Fisch aus der Familie der Schmerlenwelse. Er kommt im Amazonasbecken vor.

Der Harnröhrenwels ist bis zu 3 cm lang. Seine Lebensweise ähnelt der des Candirú. Er sucht im Sand von flachen Flüssen Unterschlupf und lebt parasitär von Blut in den Kiemen größerer Welse. Er kann, vermutlich als Fehlleitung, auch in die Harnröhre von Menschen eintreten, die unter Wasser urinieren, woher sich der deutsche Name ableitet. In der Harnröhre stirbt er zwar schnell ab, muss dann aber zumeist chirurgisch entfernt werden."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Harnr%C3%B6hrenwels)

Und die Moral von der Geschicht, im Amazonas werden Geschäfte nur mit Badehos geklärt oder gar nicht! ;)


2.) Die zweite Fischart wäre nun der, wie oben erwähnt, weltweit gefürchtete Piranha!
Sogar die Elefanten in Disney's Tarzan fürchten sich vor diesem Fisch.
Doch ist hinter dem ganzen Spuk auch ein Fünkchen Wahrheit verborgen?

"Zu den Piranhas werden fünf südamerikanische Fischgattungen aus der Familie der Salmler (Characidae) und der Unterfamilie der Sägesalmler (Serrasalminae) zusammengefasst.

Der Ursprung der vielfältigen und weit verbreiteten Vorurteile bezüglich der Piranhas ist bereits bei den ersten Forschern und Entdeckern zu suchen, die Südamerika bereist haben; Alexander von Humboldt, der Pygocentrus cariba 1821 zuerst beschrieb, fasste seine Charakterisierung folgendermaßen zusammen: „Bei San Fernando auf dem Rio Apure. Am Morgen fingen unsere Indianer mit der angel den Fisch, der hierzulande Caribe oder Caribito heißt. Er fällt die Menschen beim Baden und Schwimmen an und beißt ihnen oft ansehnliche Stücke Fleisch ab. Ist man anfangs auch nur unbedeutend verletzt, so kommt man doch nur schwer aus dem Wasser, ohne schwere Wunden davon zu tragen. Gießt man ein paar Tropfen Blut ins Wasser, so kommen sie zu Tausenden herauf.“

Ein stark überstrapaziertes Bild ist das kranke Rind, dass bei einer Flußüberquerung in der Orinoco-oder Amazonasregion stets den Piranhas geopfert werden muss, um die Raubfische vom Rest der Herde abzulenken. Die Vielzahl von Gewässern und die Armut der Rinderhirten führt diese Vorstellung ad absurdum.

Ähnlich äußerte sich etwa einhundert Jahre später der ehemalige US-amerikanische Präsident Theodore Roosevelt über die Piranhas in seinem 1914 veröffentlichten Bericht über seine Entdeckungsreise durch den Regenwald Brasiliens: „Sie zerreißen und verschlingen bei lebendigem Leibe jeden verletzten Menschen und jedes verwundete Tier; denn Blut im Wasser bringt sie zur Raserei.“ Dr. Herbert R. Axelrod berichtet, dass der brasilianische Ichthyologe Miranda-Ribeiro dem amerikanischen Präsidenten bei seiner Reise durch den Mato Grosso 1913 ein besonderes Schauspiel bot. Im eigens nach ihm benannten Rio Theodore Roosevelt, ein Seitenfluß des Rio Aripuana, welcher zum Flusssystem des Rio Madeira gehört, wurde ein Flussabschnitt mit Netzen abgedeckt und mit unzähligen von Fischern gefangenen Roten Piranhas besetzt. In diesen abgetrenntem Gewässerabschnitt wurde eine verletzte Kuh hineingetrieben und von den tausenden, durch Platzangst in Panik geratenden Piranhas erst in die Beine gebissen wurde, dann umfiel und schließlich von den Raubfischen, die sich durch die Bauchhöhle fraßen, skelettiert wurde. Beeindruckt durch dieses blutige Schauspiel ließ er diese Piranhaart Serrasalmus roosevelti (jetzt Serrasalmus natteri) benennen. Diese völlig verfälschte Darstellung des Raubverhaltens von Piranhas ging durch die US-Presse und trug maßgeblich zur Legendenbildung bei.[9]

Der Wissenschaftler Philip Street schreibt 1971 in seinem Werk "Die Waffen der Tiere": "Der Menschenhai und der Barracuda sind furchterregende Geschöpfe, aber an rasender Wildheit und Gefährlichkeit für den Menschen kommt nichts, was im Meer schwimmt, einem kleinen, in den Flüssen Südamerikas lebenden Fisch gleich. Das ist der Piranha. Er steht mit Recht im Ruf eines Menschenfressers, obgleich seine Länge selten 17,5 cm übersteigt und 25 cm bilden einen Rekord. Der Tod durch den Hai oder den Barracuda ist meist rasch und, verglichen mit dem Piranha, geradezu gnädig zu nennen. Jeder Mensch und jedes Tier, denen das Unglück widerfährt, an einer von diesem blutdürstigen Fisch heimgesuchten Stelle in den Fluß zu fallen, wird buchstäblich bei lebendigem Leibe aufgefressen, Hunderte erscheinen aus dem Nichts, und das Fleisch des Opfers wird in Zehntausenden kleiner Bisse abgefressen, bis nichts übrigbleibt als das nackte Skelett. Das grausige Werk ist kurz. Bei einer neueren Untersuchung wurde der Kadaver eines Schweines von 400 Pfund in einen Fluß herabgelassen, von dem man wußte, dass er von Piranhas wimmelte. Nach 10 Minuten waren nur noch die Knochen übrig. So klein er ist, besitzt der Piranha ein unglaublich scharfes Gebiß, mit dem er einen Finger samt Knochen auf einmal glatt durchbeißen kann. Gewöhnlich ist der Piranha ein geruhsamer Fisch, doch das Erscheinen des Opfers scheint ihn in eine Art von Raserei zu versetzen, und es ist nicht der Hunger allein, der ihn treibt. Lange nachdem sie sich sattgefressen haben, fahren sie mit ihren wütenden Angriffen fort, bis auch nicht das geringste bißchen Fleisch mehr übrig ist; die Abfälle häufen sich am Boden des Flusses, bis die Strömung sie wegschwemmt. Kein Lebewesen entgeht ihrer Aufmerksamkeit, auch keines der eigenen Gattung, und es ist unmöglich, mehr als einen von ihnen in einem Aquarium zu halten."

Jan H. Mol untersuchte 2006 in Surinam Unfälle zwischen Piranhas und Menschen. Untersucht wurden drei Regionen der Flüsse Surinam und Wayambo und es stellte sich heraus, dass die meisten Opfer Kinder waren, die beim Baden von größeren vereinzelten Exemplaren des Serrasalmus rhombeus in die Füße gebissen wurden. Angriffe mehrerer Fische auf Menschen kamen sehr selten vor. Beißattacken erfolgten nur vereinzelt, das Opfer wurde nicht weiter verfolgt. Charakteristisch war, dass fast alle Angriffe zur Trockenzeit statt fanden und in von Essensresten, Fischabfällen und Blut verunreinigten Gewässerzonen.[10]

Die Berichterstattung der spanischen Conquistadoren über Piranhas erzählt von Beißangriffen während der Dschungelkämpfe mit Indiokriegern, einerseits durch das Blut der Gefallenen im Wasser und andererseits durch die rote Beinbekleidung der europäischen Eroberer. Einige Piranha-Arten reagieren aggressiv auf die Farbe Rot. Schwärme von über 30 Piranhas können den Menschen potentiell unter bestimmten Umständen gefährlich werden, doch bislang wurde kein einziger Unfall mit tödlichem Ausgang dokumentiert.

Tatsächlich kommt es zu Verletzungen mit Piranhas zumeist nicht im, sondern eher außerhalb des Wassers, wenn man etwa versucht, einen gefangenen Piranha unsachgemäß vom Angelhaken zu lösen."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Piranhas#V ... denbildung)
Gibt es denn jemanden, der nichts merkt, nichts von dem wundersamen Geheimnis ahnt, das über diesem Meer liegt, dessen sanfte Wogen von einem unter ihnen verborgenen Wunder zu erzählen scheinen? (Melville)

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