Bachelorarbeit: Bewusstseinsbildung bei jungen Menschen zum Thema Plastikmüll

Katharina Silberbauer hat für ihre Bachelorarbeit an der Alpen-Adria Universität das Wissen und die Sensibilität von SchülerInnen vor und nach einer Projektwoche an MareMundis “Schule am Meer” in Punat (Insel Krk) bezüglich Plastikmüll hinterfragt, die wir hier gerne vorstellen wollen:

Abschlussbericht-Bachelorarbeit
Umweltbildungsprogramme zur Wissens- und Ideenerweiterung im Kontext von Plastik

Hinsichtlich der zunehmenden Umweltverschmutzung durch Plastik wird es zu einer dringenden Notwendigkeit, handlungsorientierte Lösungsansätze zu finden, um dem prognostizierten Anstieg von Plastikmüll entgegen zu wirken. Hier setze ich mit meiner Forschungsarbeit beim Wissen von jungen Menschen an. Da das Wissen allein jedoch nicht zwingend zum ökologischen Handeln führt (vgl. Rost 2002, 9), war es mir wichtig, auch jene Prozesse zu betrachten, die für ein ökologisches Handeln im Kontext von Plastik förderlich sein können. Dieses Bindeglied zwischen Wissen und Handeln stellt die Idee dar, da die SchülerInnen durch den Denkprozess ihr Wissen festigen können und dies als das Handeln leitend angesehen wird (vgl. Wiater 2007, 206f).
Um diese Prozesse zu fördern, bedarf es spezieller Umweltbildungseinrichtungen, welche den SchülerInnen komplexes Fachwissen zur Verfügung stellen und sie dazu befähigen, ihr neues, ökologisches Wissen durch ideenbildende Prozesse zu verinnerlichen (vgl. Bahr 2013, 76). Inwieweit ein Umweltbildungsprogramm jedoch zum Wissen im Kontext von Plastik bei SchülerInnen beitragen kann und inwieweit dadurch Ideen zur Vermeidung von Plastik entstehen, wurde bis jetzt noch nicht untersucht.
Der erste Teil meiner Forschungsarbeit widmete sich deshalb der Betrachtung über das Wissen der SchülerInnen im Kontext von Plastik und ging der Frage nach, inwieweit ein Umweltbildungsprogramm das Wissen bei SchülerInnen erweitert.
Im zweiten Teil meiner Forschungsarbeit wurde der Denkprozess betrachtet, welcher sich in Form einer Idee äußert, auf dem neuen Wissen basiert (vgl. Wiater 2007, 206) und das ökologische Handeln der SchülerInnen beeinflussen kann. Hier wurde betrachtet, inwieweit ein Umweltbildungsprogramm zu mehr Ideen bei SchülerInnen und somit zu einer Ideenerweiterung im Kontext von Plastik beiträgt. Durch eine qualitative und quantitative Erhebungsmethode wurde eine Untersuchung vor und nach dem Umweltbildungsprogramm durchgeführt um feststellen zu können, inwieweit sich bei den SchülerInnen das Wissen und die Ideen durch das Umweltbildungsprogramm erweitern konnten.
Die folgende Abbildung 1 wurde von mir in Anlehnung an das Modell von Klimecki & Thomae (vgl. 2002, o.S.) aus Wiater (vgl. 2007, 17) entwickelt, um den Prozess von Informationen, Wissen und Ideen, welche zum Handeln führen können, darzustellen.

Abb. 1: Der Prozess von Informationen-Wissen-Ideen & Handeln (Quelle: in Anlehnung nach Klimecki & Thomae 2002, o.S; aus Wiater 2007, 17; verändert und erweitert von Katharina Silberbauer)

Die Abbildung 1 lässt erkennen, dass Informationen für das Wissen, die Wissensbasis und die Wissenserweiterung benötigt werden. Dieser Wissensbasis können wiederum neue Informationen zugeführt werden (vgl. Wiater 2007, 16f). Um das Wissen erweitern zu können, muss der vorhandene Wissensstand in das Bewusstsein des Menschen durch Dekonstruktion des Wissens gebracht werden (vgl. Wiater 2007, 207). Diese Dekonstruktion des Wissens findet im Umweltbildungszentrum durch diverse Workshops und Programme statt, da diese die Denkprozesse anregen und mit diversen Aufgaben die SchülerInnen dazu befähigen, Ideen für ein plastikfreieres Handeln zu entwickeln.
Durch mehr Wissen können so mehr Ideen entstehen, wodurch es zu einer Ideenerweiterung kommen kann. Der Denkprozess und die Vorstellungen können dann das Handeln beeinflussen, da die Vorstellung und die Auseinandersetzung über ein Problem als Vorstufe zum Handeln angesehen werden (vgl. Wiater 2007, 206f).

Da der Schwerpunkt meiner Arbeit aus zwei verschiedenen Bereichen, dem Wissen und den Ideen lag, kamen in meiner Forschungsarbeit zwei verschiedene Methoden zu tragen.
Die Untersuchung von Wissen erfolgte sowohl durch eine statistische, quantitative Methode und einer offenen, qualitativen Methode (Inhaltsanalyse), welche es mir ermöglichten, meine quantitativen und qualitativen Daten über das Wissen der ProbandInnen miteinander zu kombinieren und mittels Auswertungskategorien zu analysieren. Die Kombination fand auf Datenebene statt, indem ich Kategorien und deren Häufigkeiten betrachtete. Die Kategorie Bildung erfolgte nach einem selektiven Auswahlverfahren der Textinhalte in Bezugnahme auf meine Forschungsfrage. Die Ideen der SchülerInnen wurden qualitativ erhoben. Als Instrument der Erhebung diente ein halbstandardisierter online Fragebogen, welcher den SchülerInnen vor und nach dem Umweltbildungsprogramm übermittelt wurde.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es bei den SchülerInnen zu einer Wissenserweiterung kam, da bei fast allen Fragen ein Anstieg an richtigen Antworten nach dem Umweltbildungsprogramm zu verzeichnen war, welche aus der folgenden Abbildung 2 entnommen werden kann.

Abb. 2: Datenvergleich der 1. und 2. Umfrage-Wissen (Eigene Erhebung und Darstellung)

Die Datenauswertung der Ideen der SchülerInnen lässt auf eine partielle Ideenerweiterung schließen, da hier nicht bei allen Kategorien eine Ideenerweiterung festgestellt werden konnte. Trotzdem konnte bei bestimmten Themenbereichen nach dem Umweltbildungsprogramm insgesamt ein Anstieg der Anzahl und Qualität von Ideen beobachtet werden. Weiters wurde ersichtlich, dass die Ideen nach dem Umweltbildungsprogramm auf dem neuen, ökologischen Wissen aufbauten und somit tatsächlich von einem Zusammenhang zwischen neu erworbenem Wissen und daraus entwickelten Ideen ausgegangen werden kann.

Bei der zusätzlichen Erhebung der Selbsteinschätzung (Abbildung 3) wurde ersichtlich, dass nach dem Umweltbildungsprogramm mehr SchülerInnen in Zukunft bei ihrem alltäglichen Handeln Plastik vermeiden möchten als vor dem Umweltbildungsprogramm, was darauf schließen lässt, dass das Umweltbildungsprogramm zu einer gedanklichen Veränderung im Kontext von Plastik beigetragen hat.

Abb. 3: Vorher-Nachher Selbsteinschätzung der ProbandInnen (Eigene Darstellung)

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es in allen drei Bereichen zu einer Erweiterung kam und somit Bildung durch Wissen in Form des Umweltbildungsprogramms von Mare Mundi eine Möglichkeit bietet, das Wissen über aktuelle Probleme wie über das Plastik im Meer zu erweitern, welche die Denk- und vielleicht auch die Handlungsweise der nächsten Generation hin zu einem ökologischeren Handeln fördern kann.

Abb. 4: Schnorchelausflug und Nachbesprechung (Eigene Darstellung)

Quellenangaben:

Bahr, M. (2013): Umweltbildung. In: M, Rolfes & A, Uhlenwinkel (Hg.): Essays zur Didaktik der Geographie. Potsdam, Universitätsverlag Potsdam: 71-78.

Mayring, P. (2002): Einführung in die qualitative Sozialforschung. 5., überarbeitete und neu gestaltete Auflage. Weinheim, Basel, Beltz Verlag.

Rost, J. (2002): Umweltbildung – Bildung für nachhaltige Entwicklung. Was macht den Unterschied? In: ZEP: Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik 25 (1): 7-12.

Online im Internet: Zeitung für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik

Wiater, W. (2007): Wissensmanagement. Eine Einführung für Pädagogen. 1. Auflage. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

Text: Katharina Silberbauer

Redaktionelle Bearbeitung: Walter Buchinger, Helmut Wipplinger